Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich 
und 15 Monatsgehälter ausmachten. Im damaligen Unternehmensbereich Post nahmen 
im Zuge des ersten Sozialplanes 1.946 MitarbeiterInnen die Vorruhestandsregelung in 
Anspruch und weitere 307 MitarbeiterInnen entschieden sich für die freiwillige 
Kündigung mit zusätzlicher Abfertigung (Post Geschäftsbericht 1998:67). Zwischen 
2001 und 2002 sind weitere 300 MitarbeiterInnen im Rahmen einer nicht nur auf die 
Post bezogenen speziellen Regelung für BeamtInnen vorzeitig in den Ruhestand 
getreten (dem sogenannten „Lehrer-Modell“, das eine vorzeitige Pensionierung ab 55 
Jahren mit deutlichen Abschlägen beim Pensionsentgelt ermöglicht). 
Nach Ansicht der Personalvertretung ging es bei der Personalreduktion primär darum, 
dass die Post ihren Restrukturierungswillen zeigt. Im öffentlichen Dienst würde heute 
der Erfolg eines Managers hauptsächlich daran gemessen, wie viele Beschäftigte er 
abgebaut hat. Die Situation und die Zukunft der MitarbeiterInnen wären sicher nicht im 
Vordergrund gestanden. Es wäre zwar niemand aus dem Unternehmen hinaus gezwun-
gen worden, aber 
„man hat den Leuten den Sozialplan 1997 schon extrem schmackhaft gemacht. ... 
Die Leute wurden in Drei- und Viersternehotels eingeladen. Dort wurde ihnen er-
klärt, wie toll der Sozialplan ist. Wenn ich heute 55 bin und ich bekomme so ein 
Angebot, und wenn ich gleichzeitig bemerke, dass im Unternehmen massive Ver-
änderungen anstehen, dann wird mein Wille im Unternehmen zu bleiben, eher ge-
gen Null gehen. Genau das ist passiert. ... Die Leute wurden demotiviert. ... Das 
Angebot war ja auch nicht ganz unattraktiv.“ (Interview 7) 
Es gibt einzelne Personalvertreter, welche die Freiwilligkeit anzweifeln und von einer 
großen Zahl von „Zwangs-Frühpensionierungen“ sprechen. Ein Betroffener beschritt 
den Rechtsweg um sich dagegen zu wehren (Flecker et al. 2002). Medienberichten zu 
Folge sollen MitarbeiterInnen gegen ihren eigenen Willen von posteigenen Ärzten 
dienstunfähig geschrieben worden sein.15 Klar scheint jedenfalls, dass die Abbaupläne 
unter den Beschäftigten sehr viel Unmut und Frustration ausgelöst haben (Schreiber 
2001:181; siehe auch die MitarbeiterInnen-Portraits im selben Band und unsere eigenen 
Ergebnisse aus dem SIREN-Projekt – Flecker et al. 2002). 
2.1.3. Umstrukturierungen und Beschäftigung 
Die oben beschriebenen Veränderungen führten neben dem Beschäftigungsabbau auch 
zu einer Restrukturierung von Beschäftigung: In Folge der Schließung von 630 Post-
ämtern, mussten die 800 betroffenen MitarbeiterInnen bspw. an neue Standorte verlegt 
werden. Obwohl die Betroffenen zum Teil längere Anfahrtswege in Kauf nehmen 
müssen, ist die Personalvertretung stolz, dass für alle Beschäftigten ein neuer Arbeits-
platz gefunden werden konnte. 
Ein anderes Beispiel ist die Verlegung der Brieflogistik vom Wiener Süd- und West-
bahnhof zum neuen Briefzentrum Wien (BZW). Dabei kam auch ein neues Personal-
screening-Verfahren zum Einsatz, mit dem aus den bisherigen Beschäftigten am Süd- 
                                                 
15  Der Standard, 4. Juli 2003. 
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