Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich 
3.1.2. Beschäftigungsvolumen 
Die Zahl der Beschäftigten bei den Österreichischen Bundesbahnen wurde seit 1993 
dramatisch reduziert. Während in den 23 Jahren zwischen 1970 und 1993 die Beschäfti-
gung um 7.542 Personen oder zehn Prozent fiel, hat sie in den acht Jahren seit 1993 um 
15.591 Personen oder fast 25 Prozent abgenommen.19 Zwischen 1996 und 2002 hat sich 
die Zahl der ÖBB-Bediensteten von 58.541 auf 47.009 verringert. Das ist eine Reduk-
tion um nahezu 20 Prozent oder mehr als drei Prozent pro Jahr. In absoluten Zahlen 
wurden damit insgesamt 11.532 Beschäftigte oder fast 2000 MitarbeiterInnen pro Jahr 
abgebaut.20 In der selben Zeit wurden die Umsatzerlöse im Personen- und Güterverkehr 
kontinuierlich gesteigert. Eine Ende des Beschäftigungsabbaues ist nicht in Sicht: Bis 
2006 sollen weitere 7000 MitarbeiterInnen abgebaut werden, bis 2010 peilt der ÖBB-
Vorstand eine Personaldecke von 35.000 Beschäftigten an. 
Tabelle 3-1: Beschäftigungsentwicklung bei den ÖBB 
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Veränderung 
1996-2002 in % 
58.541 55.923 53.922 52.589 50.692 48.509 47.009 - 19,7 
Quelle: ÖBB Geschäftsberichte 1997-2002. 
Der Beschäftigungsabbau erfolgte bisher ausschließlich durch die Nichtnachbesetzung 
von natürlichen Abgängen – d.h. von MitarbeiterInnen, die in den Ruhestand 
wechselten oder freiwillig kündigten (die Freiwilligkeit muss insofern unter Anfüh-
rungszeichen gesetzt werden, als manche Beschäftigten dem steigenden Leistungsdruck 
und den immer höheren Belastungen nicht mehr standhielten). Zuletzt wurden aber auch 
Frühpensionierungen und die Kündigung von MitarbeiterInnen als Mittel für einen 
forcierten Beschäftigungsabbaus ernsthaft in Erwägung gezogen.21 Darüber hinaus 
sollen „überzählige“ MitarbeiterInnen in eine ÖBB eigene Personalmanagement-
gesellschaft überführt werden, von wo sie auch an andere Firmen verliehen werden 
können.22 Die Personalmanagementgesellschaft ist damit eine Art Auffangbecken für all 
jene, die in der neuen Struktur nicht mehr benötigt werden. Wie das Beispiel 
Deutschland (siehe Fallstudie Deutsche Bahn) zeigt, wird auf diese Weise nicht zuletzt 
Druck auf MitarbeiterInnen ausgeübt, das Unternehmen „freiwillig“ zu verlassen.  
3.1.3. Umstrukturierungen und Beschäftigung 
Zum Teil ging der Beschäftigungsabbau mit der Auslagerung von Geschäftsbereichen 
einher. Die übliche Vorgangsweise ist dabei, dass das Personal schrittweise reduziert 
                                                 
19  Basierend auf Versichertenzahlen der Versicherungsanstalt der Österreichischen Eisenbahner. 
20  Basierend auf Beschäftigungsdaten aus den ÖBB-Geschäftsberichten. 
21  Der Standard, 6. August 2003. 
22  Der Standard, 26. August 2003. 
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