Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich 
Durch technologische Innovationen konnten bedeutende Produktivitätsgewinne erzielt 
werden (gemessen in geleistete Fahrtkilometer pro MitarbeiterIn). Nach Darstellung der 
ArbeitnehmerInnenvertretung ist das Problem freilich, dass die Rationalisierungen den 
fortschreitenden Beschäftigungsabbau  durch die gleichzeitige Ausdehnung der Ge-
schäftstätigkeit (speziell im Bereich des Güterverkehrs) nicht mehr kompensiert werden 
können. Dessen ungeachtet hat die Unternehmensleitung bereits im Geschäftsbericht 
1999 weitere massive Produktivitätssteigerungen angekündigt: 
„Die seit 1994 erreichte 30prozentige Produktivitätssteigerung ist kein Anlass, sich 
mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Im Gegenteil, eine weitere zumindest 
25-prozentige Effizienzsteigerung ist in Planung. ... Es versteht sich von selbst, 
dass dies nicht ganz schmerzfrei ablaufen wird.“ (S. 9) 
Und im Geschäftsbericht 2000 findet sich folgende Stellungnahme: 
„Zurückblickend auf die Entwicklung des Unternehmens seit 1993 können wir 
nunmehr berichten, dass durch die Umsetzung wichtiger Reformschritte und Maß-
nahmen zur Effizienzsteigerung die Produktivität pro Mitarbeiter enorm gesteigert 
werden konnte. Service- und Leistungskraft wurden erheblich verbessert. Das 
Denken des Unternehmens ist ausschließlich an Märkten und den Kunden ausge-
richtet... Nach acht Jahren ist somit eine solide Basis geschaffen worden, um die 
sich abzeichnenden Herausforderungen in einem liberalisierten Europa meistern zu 
können... Um den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens zu sichern, müssen auch 
weiterhin die nicht immer ganz schmerzfreien Veränderungsprozesse umgesetzt 
werden. Um im Endspiel der Märkte dabei zu sein, dürfen Produktivitätssteigerun-
gen und werterhöhende Maßnahmen nie als abgeschlossen betrachtet werden.“ 
(S. 5 und 8) 
Für 2002 hat die Unternehmensleitung unter dem Titel „Strukturprogramm zur markt-
gerechten Verschlankung“ weitere Personalkürzungen angekündigt. Der natürliche 
Personalabgang soll auch weiterhin nicht nachbesetzt werden.26 Die Situation der 
Beschäftigten scheint bei diesen Plänen keine Rolle zu spielen. Wie es ein Personalver-
treter ausgedrückt hat: „Inzwischen ist es einfach ein Horror. Die Konkurrenz ist der 
Lkw-Fahrer und der bekommt ohnehin fast nichts mehr bezahlt...“ Eine Folge des 
massiven Beschäftigungsabbaus, auf die wir im folgenden zurückkommen werden, ist 
der zunehmende Zeitdruck in der Arbeit und das außerordentlich hohe Niveau von 
Überstunden. 
3.1.4. Art der Beschäftigung 
Der mit Abstand größte Teil der Beschäftigten besitzt noch immer reguläre ÖBB-
Dienstverträge. Leiharbeit kommt zwar vor, aber LeiharbeiterInnen werden bisher nur 
in ganz bestimmten Bereichen und nur zur Abdeckung von Spitzenzeiten verwendet. 
Ein Problem, das zumindest bisher eine breitere Verwendung von LeiharbeiterInnen 
verhindert, sind die sehr spezifischen Qualifikationen, die im Bahnbereich benötigt 
werden. Bspw. ist es nicht ganz einfach LeiharbeiterInnen mit Lokführer-Kenntnissen 
zu finden (aber auch hier gibt es Pläne bspw. Lokführer aus der ehemaligen DDR zu 
                                                 
26  Der  Standard, 2. Juli 2002. 
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