Volltext: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

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leasen). Wo keine bahnspezifischen Qualifikationen notwendig sind, kann auch 
Leiharbeit vorkommen. Wie ein Personalvertreter feststellt: 
„Konkret erinnere ich mich an die Werkstätten. Wenn dort Personalengpässe auf-
treten, ist durchaus nicht auszuschließen, dass man sich mit Leiharbeitern hilft. 
Von der Größenordnung ist das aber nicht wesentlich. Das sind zwischen 30 und 
40 Leute.“ (Interview 4) 
In den Werkstätten – den Technische Services – sind zur Zeit 5.100 MitarbeiterInnen 
beschäftigt. Ebenfalls einen vergleichsweise geringen Anteil macht die 
Teilzeitbeschäftigung aus. Die rund 275 Teilzeitbeschäftigten stellen nicht einmal ein 
Prozent der Gesamtbeschäftigung dar. Hier gab es in den letzten Jahren auch keine 
wesentlichen Veränderungen. 
Frauenbeschäftigung 
Die ÖBB sind nach wie vor ein ausgesprochener „Männerbetrieb“. Der Anteil von 
Frauen an der Gesamtbeschäftigung ist vergleichsweise gering. Über 44.000 Männern 
stehen etwas mehr als 3.000 Frauen gegenüber – das sind knapp mehr als sechs Prozent 
aller Beschäftigten. Nach Darstellung der Gewerkschaft hat an dieser Situation auch der 
erhöhte Wettbewerbsdruck und die stärke Ausrichtung hin zu einem Dienstleistungs-
unternehmen bis dato nichts geändert. Im Gegenteil: Durch die Auslagerung der 
Reinigungsdienste wurden sogar Frauen abgebaut. 
3.1.5. Arbeitszeit 
Primär wirkt sich der Beschäftigungsabbau in einer Zunahme der Arbeitszeit aus. Seit 
1998 liegt die Zahl der Überstunden konstant über sechs Millionen , wobei etwa die 
Hälfte ausbezahlt und der Rest ins nächste Jahr mitgenommen werden. D.h. jährlich 
fallen etwa drei Millionen neue Überstunden an, wobei es zuletzt einen leichten 
Rückgang gab. Umgerechnet in Vollzeitarbeitsplätze wären das nach Darstellung der 
Gewerkschaft 3000 bis 4000 zusätzliche Beschäftigte. Pro Beschäftigtem ist die Zahl 
der geleisteten Überstunden seit 1998 kostant hoch geblieben, in den letzen vier Jahren 
zeigt sich eine leicht steigende Tendenz. Im Jahr 2002 fielen pro MitarbeiterIn im 
Durchschnitt fast 130 Überstunden an. Aufgrund des Überstundenzuschlags sind 
Überstunden wesentlich teurer als Normalarbeitsstunden, aber die Geschäftsführung 
scheint hier eher höhere Kosten in Kauf zu nehmen, als zusätzliches Personal 
einzustellen (Interview 10). 
Dabei treffen die Belastungen durch steigende Überstunden die ÖBB-Mitarbeiter- Innen 
höchst unterschiedlich. Speziell in jenen Bereichen, in denen zusätzliche Arbeit nicht 
auf mehrere MitarbeiterInnen aufgeteilt werden kann, wie bspw. bei den Lokführern, 
hat sich die Situation in den letzten Jahren extrem zugespitzt. Laut der Gewerkschaft 
der Eisenbahner hat sich bei den 4.300 Lokführern rund eine Million Überstunden ange-
häuft. 
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