Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 
„D.h. um den selben Standard zu gewährleisten müsste der 365 Tage im Jahr an 
zwei Orten gleichzeitig im Einsatz sein.“ (Interview 10) 
Ein anderes Beispiel betrifft Lenk- und Ruhezeiten, wo bis jetzt keine einheitliche 
gesetzliche Regelung existiert: Während bei der ÖBB ein Lokführer maximal sechs 
Stunden ohne Pause fahren darf, sind bei Privatbahnen Fahrzeiten von bis zu 15 
Stunden zulässig, wenn diese eine 30minütige Pause beinhalten. Regelungen, wie die 
Einhaltung der Pausen im Inland und insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr 
überprüft werden kann, fehlen aber weitgehend. Die Gewerkschaft der Eisenbahner 
befürchtet Zustände, wie sie seit Jahren im europäischen Lkw-Verkehr üblich sind.32
Arbeitsunfälle 
Trotz des erhöhten Wettbewerbdruckes ist die absolute Zahl der Arbeitsunfälle 
zwischen 1996 und 2001 gefallen. Im Gegensatz dazu ist aber die durchschnittliche 
Zahl von Arbeitsunfällen pro MitarbeiterIn (die im selben Zeitraum ebenfalls stark 
zurückgegangen ist) zwischen 1996 und 2001 nahezu konstant geblieben. 
Tabelle 3-4:  Arbeitsunfälle Eisenbahnen  
 1996 1997 1998 1999 2000 2001 Veränderung 
1996-2001 in % 
ÖBB 3.425 3.242 3.155 3.209 3.005 2.749 - 17,9 
Durchschnittliche Arbeitsunfälle pro 
Beschäftigten 
0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 - 
Quelle: Versicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahnen. 
3.1.8. Ausbildung 
Weitreichende Konsequenzen lassen sich im Zusammenhang mit der Liberalisierung 
und dem steigenden Wettbewerbsdruck im Bereich der Ausbildung feststellen: Generell 
werden nach Darstellung der Gewerkschaft Ausbildung- und Schulungszeiten gekürzt 
und Weiterbildungen reduziert. Gleichzeitig wird der Bereich der Lehrlingsausbildung 
auf ein Minimum zurückgeschraubt. Während früher die ÖBB eine gesamtgesellschaft-
liche Funktion erfüllte, in dem über den eigenen Bedarf hinaus in den Lehrlingswerk-
stätten Lehrlinge ausgebildet wurden, die aufgrund ihrer guten Ausbildung in der 
Privatwirtschaft sehr gefragt waren, wird jetzt nach Ansicht der Personalvertretung 
wegen der damit verbundenen Kosten teilweise unter dem eigenen Bedarf ausgebildet. 
Um dem „volkswirtschaftlichen Ziel [zu] entsprechen, Jugendlichen eine hochwertige 
Ausbildung zu bieten“ (ÖBB Geschäftsbericht 1998:37) wurden 1998 noch 1300 
Lehrlinge beschäftigt. 2002 waren es nur noch 1.041 (ÖBB Geschäftsbericht 2002:70). 
                                                 
32  Presse-Aussendung der Gewerkschaft der Eisenbahner vom 21. 01. 2003 („Steirische Landesbahn 
gefährdet Sicherheit im Bahnverkehr“). 
 54
        

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