Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 
Im Moment sind keine weiteren Maßnahmen geplant, aber nach Auskunft des Betriebs-
rates sollen im Bereich der Hydro Power weitere 120 MitarbeiterInnen abgebaut wer-
den. 
4.2.3. Umstrukturierungen und Beschäftigung 
Der Beschäftigungsabbau erfolgte, indem in einem ersten Schritt ein Kernteam mit 
jenen MitarbeiterInnen definiert wurde, die für das Unternehmen unverzichtbar waren. 
Die Entscheidung darüber wurde von den jeweiligen Fachgruppenleitern getroffen. 
Dann wurde eine zweite Liste erstellt, die quasi den Überhang repräsentierte. „Mit einer 
normalen Facharbeiterausbildung ohne Zusatzqualifikationen war man de facto bereits 
auf der Überhangliste.“ (Interview 3) Der Überhang wurde dann im 
Instandhaltungszentrum zwischengeparkt. Davon blieben auch MitarbeiterInnen, die 
schon 15 bis 20 Jahre im Unternehmen tätig waren, nicht verschont. 
„Das war keine leichte Situation. Das war ein Kampf jeder gegen jeden. Die Listen 
sind ja kein Geheimnis geblieben. Wenn einer auf die Instandhaltungsliste ge-
kommen ist, hat er schon gewusst, was auf ihn zukommt. Ende 2001 hat es dann 
geheißen dass das Instandhaltungszentrum bis Ende 2002 aufgelassen wird. Das 
Betriebsklima war zu der Zeit nicht das lustigste.“ (Interview 3) 
Bei den Instandhaltungstätigkeiten handelt es sich hauptsächlich um Arbeiten, die 
potentiell an Fremdfirmen vergeben werden können – wie etwa Revisionsarbeiten. 
Diese wurden dann auch sukzessive ausgelagert. Vor der Schließung waren im Instand-
haltungszentrum noch 160 MitarbeiterInnen beschäftigt. 
Im Zusammenhang mit der Umstrukturierung wurden den einzelnen Geschäftsbereichen 
auch neue Zielvorgaben – sogenannte benchmarks – gegeben, mit denen sie mit anderen 
europäischen Stromversorgungsunternehmen gemessen werden. Wie ein Betriebsrat 
bemerkt: 
„Wenn ich schon das Wort [benchmark] höre, bekomme ich Magenschmerzen. ... 
Da werden wir mit Ländern wie Dänemark oder Schweden verglichen, wo von A 
bis Z alles kerzengerade ist. Bei uns geht es aber bergauf, bergab, bergauf, 
bergab ....“ (Interview 3) 
Zu diesen Zielvorgaben gehört bspw. weniger Personal, weniger Reisekosten, weniger 
Überstunden. Wenn die Abteilungen die Zielvorgaben einhalten, bekommen die 
Führungskräfte eine Prämie. Das führt dann dazu, dass bspw. offiziell keine Überstun-
den mehr bewilligt werden, obwohl das Personal trotzdem Überstunden machen muss: 
„Wenn ich auf einer Bauverhandlung bin, kann ich nicht einfach sagen, es ist halb 
fünf, ich darf keine Überstunden machen, ich muss gehen.“ (Interview 3) 
Dazu kommt massiver Druck von außen, vor allem in Form des Stromregulators, der 
sich laut Betriebsrat weigert, manche Kosten anzuerkennen. 
 60
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.