Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich 
4.2.4. Art der Beschäftigung 
Nach der Umstrukturierung der Verbundgesellschaft wurde das Personal den einzelnen 
Aktiengesellschaften zugeteilt. An der Art der Arbeitsverträge hat sich dadurch aber 
nichts geändert. Sie entsprechen weiterhin dem EVU-Kollektivvertrag. 
Die meisten Verbund-MitarbeiterInnen besitzen unbefristete Vollzeitarbeitsverträge. 
Mit weniger als vier Prozent der Gesamtbeschäftigung ist der Anteil an 
Teilzeitbeschäftigung relativ gering und er hat sich zudem zwischen 1996 und 2001 
kaum verändert. Im Gegensatz dazu ist es laut Betriebsrat in den letzten zwei Jahren zu 
einer Zunahme von LeiharbeiterInnen gekommen (Interview 3). Hier klaffen allerdings 
die Angaben zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung beträchtlich auseinander: 
Während der Betriebsrat von 80 bis 120 LeiharbeiterInnen spricht, die hauptsächlich zur 
Abdeckung von Spitzenzeiten (bspw. in der Elektromontage) teilweise aber auch für 
Bereitschaftsdienste in Anspruch genommen werden, waren laut Unternehmensführung 
2001 nur fünf LeiharbeiterInnen beschäftigt. Der Betriebsrat ist gerade dabei, mit der 
Geschäftsführung eine Betriebsvereinbarung zur Verwendung von LeiharbeiterInnen 
auszuhandeln (Interview 3). 
4.2.5. Arbeitszeit 
Während sich die Regelarbeitszeit nach wie vor am EVU-Kollektivvertrag orientiert, ist 
es im Zusammenhang mit der Liberalisierung und dem Beschäftigungsabbau in den 
letzten Jahren zu einer massiven Zunahme von Überstunden gekommen. Laut Betriebs-
rat liegt 
„im Netzbereich der Schnitt von Überstunden-Guthaben im Moment bei rund 45 
Stunden pro Mitarbeiter. Der Urlaub ist da noch gar nicht mitgerechnet. Bei der 
APG [Austrian Power Grid] ergibt sich daraus ein Guthaben von rund 500 
Stunden pro Mitarbeiter. Das ist ganz klar eine Folge der Minimalbelegung: Die 
Arbeit wird um nichts weniger, wir haben aber immer weniger Personal.“ 
(Interview 3) 
Die Überstunden sollen heuer bis Jahresmitte abgebaut werden. Der Betriebsrat ist aber 
skeptisch, dass das gelingt. Einen Versuch, die überbordenden Überstunden unter 
Kontrolle zu bringen, sind sogenannte all inclusive-Verträge, die für MitarbeiterInnen 
ab einer bestimmten Verwendungsstufe im Unternehmen angeboten werden. Dabei wird 
eine Überstundenpauschale für eine bestimmte Anzahl von Überstunden vereinbart. Die 
MitarbeiterInnen ersparen sich dadurch die Abrechnung von Überstunden. Wie der 
Betriebsrat versichert, kommen viele aber nach einigen Monaten drauf, dass ihre 
Pauschale 20 Überstunden pro Monat abdeckt, sie aber tatsächlich mindestens 35 
Überstunden pro Monat arbeiten. Nach Erfahrung des Betriebsrates sind „am Anfang 
beide glücklich; dann wird aber der Mitarbeiter immer unzufriedener“.(Interview 3). 
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