Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

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aufgrund des Personalabbaus nach Abschluss ihrer Lehre über die 
Leiharbeiterkonstruktion mit einem befristeten Arbeitsvertrag „abgespeist“ werden. Das 
Unternehmen schafft sich dadurch einen bequemen Personalpolster. 
4.3.5. Arbeitszeit 
Auch bei der STEWEAG hat sich der Personalabbau primär in einer deutlichen Zu-
nahme von Überstunden bemerkbar gemacht. 2002 war nach Auskunft des Betriebsrates 
ein Jahr, in dem besonders viele Überstunden angefallen sind. Dazu kommen Urlaubs-
rückstellungen, die bis zu 120 Tage pro Mitarbeiter ausmachen. „Der Personalabbau 
bedingt auf alle Fälle, dass Überstunden geleistet werden müssen“ (Interview 11) 
Aufgrund der damit verbundenen Belastungen in Form von Rückstellungen, die 
inzwischen eine merkliche Belastung für die Bilanz darstellen, hat der Vorstand 
beschlossen, dass pro MitarbeiterIn nur mehr fünf Überstunden pro Monat geleistet 
werden dürfen. „Das ist natürlich ein Horror, weil die Arbeit muss ja trotzdem gemacht 
werden“ (Interview 11). 
4.3.6. Arbeitsbedingungen 
Der massive Beschäftigungsabbau und der damit verbundene höhere Leistungsdruck 
macht sich nach Ansicht des Betriebsrates bei den MitarbeiterInnen in erster Linie 
durch eine zunehmende Demotivierung bemerkbar: 
„Je näher das Austrittsdatum rückt desto mehr ist der Mitarbeiter bestrebt Ur-
laubstage anzusammeln, damit er so früh wie möglich dem Betrieb den Rücken 
kehren kann. Wir haben sehr, sehr viele demotivierte Mitarbeiter. ... Gerade durch 
die Fusionen und durch die Veränderungen im Stromgeschäft haltet den Mitar-
beiter nicht mehr viel am Arbeitsplatz. Letztendlich durch die gesamte Liberalisie-
rung.“ (Interview 11) 
4.3.7. Einkommen 
Auch bei der STEWEAG wurde ein Modell zur leistungsorientierten Entlohnung 
eingeführt. Bisher sind rund 60 MitarbeiterInnen davon betroffen. Cirka 20 Prozent des 
Einkommens sind leistungsabhängig. Dabei hängen wiederum etwa 60 Prozent vom 
unternehmerischen Erfolg ab – d.h. dieser Teil ist von der einzelnen MitarbeiterIn nur 
sehr bedingt beeinflussbar – und 40 Prozent von persönlichen Kennziffern – bspw. wie 
viel Strom einE MitarbeiterIn verkauft hat. 
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