Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 
Im Verwaltungsbereich gibt es einen höheren Anteil von Frauen. Trotzdem ist der Anteil 
von Teilzeitarbeit nach Auskunft der Personalvertretung/Betriebsrat relativ gering 
(Interview 6). 
5.1.5. Arbeitszeit 
Durch die Ausgliederung unterliegt die Wiengas seit 1999 dem Arbeitszeitgesetz und 
dem Arbeitsruhegesetz. Allerdings ist noch rechtlich zu klären, ob das Arbeitszeitgesetz 
auch für die „Altbediensteten“ gilt, die als pragmatisierte Bedienstete vom 
Arbeitszeitgesetz ausgenommen waren (die Personalvertretung hat bei der Universität 
Wien ein entsprechendes Rechtsgutachten in Auftrag gegeben). Die unterschiedlichen 
Geltungsbereiche können unter Umständen dazu führen, dass für zwei KollegInnen im 
selben Büro oder auf derselben Baustelle unterschiedliche Arbeitszeitbestimmungen 
gelten. Dadurch sind nach Ansicht der Personalvertretung/Betriebsrat Spannungen 
vorprogrammiert (Interview 6). Bspw. im Hinblick auf Überstunden: Für 
„Altbedienstete“ gibt es keine Beschränkungen bei Überstunden, während für 
„Neubedienstete“ die entsprechenden Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes gelten. 
Überstunden sind ein beliebtes Mittel, um das Einkommen aufzubessern (ebenda). 
Der Stadtwerke-Kollektivvertrag sieht eine wöchentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden 
vor, während BeamtInnen und Vertragsbedienstete nach der alten Dienstordnung eine 
40-Stunden-Woche haben (darin enthalten ist allerdings eine bezahlte Mittagspause). 
Speziell in der Umstellungsphase und der damit verbundenen Mehrarbeit ist es nach 
Auskunft von der Personalvertretung/Betriebsrat zu einer massiven Zunahme von Über-
stunden gekommen: 
„Für das Personal ist der Druck durch die Umstrukturierungen und Umstellungs-
prozesse schon sehr merklich gestiegen. Wir haben Teilbereiche gehabt, wo zwei 
Jahr lang jedes Wochenende durchgearbeitet wurde. Bis jetzt zeichnet sich noch 
keine Stabilisierung ab.“ (Interview 6) 
5.1.6. Einkommen 
Wie bereits angesprochen, müssen „Neubedienstete“ die nach dem 1. Juli 2001 bei 
Wiengas beschäftigt werden, gegenüber den „Altbediensteten“ einen Einkommens-
verlust von rund 13 Prozent in Kauf nehmen. „Neubedienstete“ sind darüber hinaus 
auch insofern benachteiligt, als sie nach dem Kollektivvertrag nur alle vier Jahre in eine 
höhere Gehaltsstufe springen, während „Altbedienstete“ alle zwei Jahre springen. Bei 
den „Altbediensteten“ wurden außerdem Vor-Dienstzeiten angerechnet, während 
Kollektivvertrags-Angestellte immer bei der ersten Gehaltsstufe anfangen. Wie oben 
bereits ausgeführt, sind „Neubedienstete“ auch insofern finanziell benachteiligt, als sie 
nur eine beschränkte Anzahl von Überstunden leisten dürfen. 
Seit einiger Zeit gibt es auch Bestrebungen zur Einführung eines leistungsbezogenen 
Gehaltsystems. Dazu gehören bspw. die Einführung von Funktionszulagen an Stelle von 
Vorrückungen in höhere Gehaltsstufen. Ein anderes Beispiel sind die sogenannten 
Leistungsremunerationen, die am Jahresende auf Basis von individuellen MitarbeiterIn-
 70
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.