Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 
„Früher hatten die Stadtwerke in Zeiten steigender Arbeitslosigkeiten Beschäftigte 
aufgenommen, um den Arbeitsmarkt zu entlasten. Heute ist das nicht mehr mög-
lich.“ (Interview 5) 
6.1.3. Umstrukturierung und Beschäftigung 
Traditionell wird ein Teil der Buslinien am Wiener Stadtrand und nach Niederösterreich 
von privaten Busunternehmen betrieben (Dr. Richard, Blaguss).36 Nach Angaben von 
Personalvertretung/Betriebsrat sind rund 30 Prozent der Wiener Buslinien fremd 
vergeben (Interview 5). Die FahrerInnen der privaten Busunternehmen unterliegen dem 
HTV-Kollektivvertrag, der deutlich schlechtere Bedingungen vorsieht als der 
Stadtwerke-Kollektivvertrag. Daneben wurden auch die Reinigungsdienste ausgelagert: 
Früher waren in der Wagenreinigung zwischen 100 und 200 MitarbeiterInnen mit 
regulären Dienstverträgen beschäftigt (ebenda). Andererseits gäbe es aber 
Überlegungen in Richtung „insourcing“ von Arbeiten – bspw. könnten Garantiearbeiten 
für die Straßenbahnzüge von den Werkstätten der Wiener Linien selbst durchgeführt 
werden. 
Im Zuge der Umstrukturierungen ist nach Angaben von Personalvertretung/Betriebsrat 
die Mehrfachverwendung von MitarbeiterInnen ausgeweitet worden. Durch neue 
technologische Möglichkeiten ist es bspw. nicht mehr notwendig, dass jede Bahnstation 
ständig überwacht wird. Stattdessen fährt das Überwachungspersonal jetzt in den U-
Bahnzügen mit und nimmt Kontroll- und Assistenzdienste wahr. 
Im Stadtwerke Geschäftsbericht 2002 wird darüber hinaus festgestellt, dass 
„[a]uf Grund der veränderten Rahmenbedingungen... auch bei den Wiener Linien 
viele Maßnahmen getroffen wurden, um mit den richtigen Voraussetzungen zuver-
sichtlich in die Zukunft blicken zu können. Eine verstärkte betriebswirtschaftliche 
Ausrichtung wurde u.a. durch eine neue Unternehmensorganisation (Profit-Center) 
und die Einführung der betriebwirtschaftlichen Standard-Software SAP bereits er-
reicht.“ (S. 61) 
Unklar ist, wie sich die Gründung der Tochtergesellschaft für Buslinien auswirken wird. 
6.1.4. Art der Beschäftigung 
Wie oben angesprochen gibt es einen Unterschied zwischen den „Altbediensteten“ und 
„Neubediensteten“. Nach einer Aufstellung von Personalvertretung/Betriebsrat waren 
im Jahr 2001 von den in Vollzeitarbeitsplätzen umgerechneten 8.456 Beschäftigten, 
4.970 pragmatisierte Beamte, 3.400 Vertragsbedienstete und 86 Angestellte nach dem 
neuen Kollektivvertrag (Interview 5). 
Im Bereich der Arbeitszeit gibt es dieselben Veränderungen wie bei der Wiengas: Für 
„Altbedienstete“ gilt nach wie vor die 40-Stunden-Woche (inklusive einer bezahlten 
                                                 
36  Dr. Richard ist das größte private Busunternehmen Österreichs und betreibt 30 Linien, die meisten da-
von in Niederösterreich. Blaguss betreibt rund zehn Linien (ÖGPP 2002). 
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