Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 
FahrerInnen an die INNBUS gebunden werden sollen. Gemeint ist, dass die INNBUS 
sich bereit erklärt, die Kosten für den Busführerschein zu übernehmen, wenn sich 
der/die zukünftige MitarbeiterIn im Gegenzug verpflichtet, für eine bestimmte Zeit bei 
der INNBUS zu arbeiten (Interview 15). Hintergrund ist der bereits angesprochene 
FahrerInnen-Mangel. Nach Ansicht des Betriebsrates ist aber nicht der Mangel an 
ausgebildeten BusfahrerInnen Schuld, sondern die geringe Bezahlung und die 
schlechten Arbeitsbedingungen bei der INNBUS (Interview 13). Aufgrund dieses 
Angebotes, würden sich viele MigrantInnen bewerben und einige von ihnen hätten auch 
einen Job bei der INNBUS erhalten. In Folge der mangelhaften Ausbildung und zum 
Teil schlechter Deutschkenntnisse wären MigrantInnen dann teilweise Opfer von 
rassistischen Übergriffen geworden. Bspw. wurde am Neujahrstag 2001 ein 55-jähriger 
Busfahrer jugoslawischer Herkunft zuerst verbal und dann mit den Fäusten attackiert, 
bis die von PassantInnen alarmierte Polizei eintraf.37
Rassistische Übergriffe gebe es aber leider nicht nur von Seiten der Fahrgäste, sondern 
zum Teil auch von KollegInnen. Die IVB-FahrerInnen würden die Neulinge als billige 
Konkurrenz sehen. Umgekehrt würden die INNBUS-Beschäftigten nicht verstehen, wa-
rum sie für dieselbe Arbeit weniger bezahlt bekommen als die IVB’ler. Das Betriebs-
klima ist nach Auskunft des Betriebsrates dementsprechend schlecht (Interview 13). Die 
Folgen wären extreme soziale Spannungen, die sich immer wieder entlang der unter-
schiedlichen ethnischen Herkunft entladen würden. 
„Es gibt auch in unserem Betrieb Leute die offen oder versteckt fremdenfeindlich 
sind, anstatt solidarisch mit jenen zu sein, die noch weniger verdienen und noch 
mehr ausgebeutet sind.“ (Interview 13) 
6.2.4. Art der Beschäftigung 
Während die Zahl der überlassenen IVB-MitarbeiterInnen langfristig abnimmt – nicht 
zuletzt auch wegen der oben angesprochenen Sozialpläne –, nimmt jene der direkt bei 
der INNBUS beschäftigten FahrerInnen zu. 
6.2.5. Einkommen 
Nach Angaben des Betriebsrates verdienen INNBUS-Beschäftigte rund 20 Prozent 
weniger als IVB-FahrerInnen, die vor 1999 in das Unternehmen eingetreten sind. Der 
Unterschied ergibt sich aus den im Rahmen von Betriebsvereinbarungen in der Vergan-
genheit zugesicherten Zulagen und Sozialleistungen. Diese wurden zwar 1999 für neu 
eintretende IVB-MitarbeiterInnen gestrichen, gelten aber nach wie vor für den Großteil 
der überlassenen IVB-Arbeitskräfte bei der INNBUS. INNBUS-Beschäftigte sind auf 
jeden Fall ausgeschlossen. Um das Ausmaß des Verlustes zu verdeutlichen, möchten 
wir eine Stelle aus dem IVB-Geschäftsbericht 1999 zitieren, in der auf die Kündigung 
der Betriebsvereinbarungen eingegangen wird: 
                                                 
37  Tirol Kurier 9. Jänner 2001. 
 78
        

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