Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich 
„Mit Beschluss des Aufsichtsrates ... wurden sämtliche Betriebsvereinbarungen, 
die eine Anrechnung von Vordienstzeiten oder finanzielle Regelungen, die über 
den Kollektivvertrag hinausgehen mit Wirkung zum 31. 7. 1999 gekündigt. Das 
jährliche Einsparungspotential beträgt langfristig (aufgrund der gesetzlichen Nach-
wirkung für bestehende Arbeitsverhältnisse) ATS 43,6 Mio.“ (S. 8) 
INNBUS-Beschäftigte fallen darüber hinaus unter den HTV-Kollektivvertrag, während 
für IVB-MitarbeiterInnen der Privatbahnkollektivvertrag der Eisenbahnergewerkschaft 
gilt. Letzterer bietet allerdings in finanzieller Hinsicht kaum Vorteile. Wie bereits ange-
sprochen, kommt es wegen der Lohnunterschiede zu sozialen Spannungen zwischen den 
Beschäftigten (Interview 13). 
6.2.6. Ausbildung 
Besonders negative Folgen hat die Ausgliederung bzw. der Verkauf des Dieselbus-
betriebes nach Ansicht der ArbeitnehmerInnenseite auf die Ausbildung der 
BusfahrerInnen. Der Mangel an Ausbildung würde zum Teil durch die schlechten 
Deutschkenntnisse der neuen MitarbeiterInnen noch verschärft (Interview 15). 
Der Betriebsrat betont aber, dass die Verantwortung nicht bei den Beschäftigten liegt, 
sondern beim Unternehmen zu suchen ist, das – um Kosten zu sparen – auf eine 
adäquate Ausbildung verzichtet. 
„Der Fahrgast hat nicht nur ein Anrecht auf exzellente Fahrzeuge, sondern auch 
auf einen hohen Qualitätsstandard beim Personal – und das hat mit In- und Aus-
ländern nichts zu tun. Das hat mit Ausbildung zu tun und mit einer dementspre-
chenden Bezahlung.“ (Interview 13) 
6.2.7. Arbeitsbedingungen 
Wie bereits angesprochen, leiden die FahrerInnen, und zwar sowohl die überlassenen 
als auch die neu eingestellten, unter einem ausgesprochen schlechten Betriebsklima. 
Dazu kommt steigender Zeitdruck. Nach Angaben der ArbeitnehmerInnenseite werden 
die FahrerInnen gezwungen, schneller zu fahren, um die Taktsequenzen einzuhalten. 
Dabei wäre es auch schon zu Übertretungen der StVO gekommen (Interview 15). Laut 
Betriebsrat wären früher Fahrzeiten so geplant gewesen, 
„... dass sich dazwischen – weil das ja eine stressige Arbeit ist – eine zehnminütige 
Pause ausgeht. Das wurde dann unter dem Motto der Kostenersparnis zusammen-
geschnitten. Mittlerweile haben wir uns wieder eine fünfminütige Pause erkämpft. 
Busfahren ist ein reines Nervengeschäft. Das haltet kein Mensch aus, acht Stunden 
durchzufahren.“ (Interview 13) 
Darüber hinaus stehen die Beschäftigten zusätzlich durch den Mangel an FahrerInnen 
unter Druck (zumindest im Geschäftsbericht 2001 wurde noch darauf hingewiesen, dass 
der geplante Personalstand noch nicht erreicht wurde).38 Nach Ansicht des Betriebsrates 
                                                 
38 „Der geplante Personalstand konnte im Jahr 2001 nicht erreicht werden. Die Ursachen liegen vor allem 
am geringen Angebot von Busfahrerinnen und Busfahrern am Arbeitsmarkt“ (INNBUS 
Geschäftsbericht 2001:6). 
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