Full text: Nachhaltiger Tourismus (3)

3/2004 Wirtschaft & Umwelt •   11www.wirtschaftundumwelt.at
hergestellt. Wird beispielsweise Rapsöl als
Ausgangsprodukt verwendet, so entsteht in
diesem Prozess Rapsöl-Methylester, besser
bekannt unter der Abkürzung RME. Dieser
Verarbeitungsschritt ist notwendig, weil
Rapsöl nicht direkt im Dieselmotor einge-
setzt werden kann, da seine physikalischen
Eigenschaften (Entzündungstemperatur, Vis-
kosität) sich stark von denen des gewöhnli-
chen Diesels unterscheiden. Die Eigenschaf-
ten von RME sind denen von Diesel jedoch
sehr ähnlich. 
Bei der Verbrennung von Biodiesel im
Motor wird zwar CO2 frei, die gleiche Men-
ge an CO2 ist jedoch davor durch die Raps-
pflanzen beim Wachstum gebunden worden.
Aus diesem Grund ist die CO2-Bilanz von Bi-
odiesel – so wie bei jeder anderen Biomasse-
verbrennung – neutral. Die CO2-Emissionen
des fossilen Diesels werden daher eingespart,
wenn er durch Biodiesel ersetzt wird.
Doch das ist nicht das ganze Bild. Beim
Anbau des Rapses werden zum Teil erhebli-
che Mengen an fossilen Energieträgern
benötigt, insbesondere für die Herstellung
des Kunstdüngers. Aus dem gedüngten Bo-
den entweicht das hochgradig treibhauswirk-
same Lachgas (N2O). Für Transport und Ver-
arbeitung des Rapses zu Biodiesel ist wieder-
um fossile Energie erforderlich. Positiv für
den Biodiesel kann sich auswirken, dass be-
stimmte Nebenprodukte des Prozesses (zum
Beispiel Glycerin) anfallen, welche die Her-
stellung dieser Stoffe auf anderem, eventuell
stärker klimabelastendem Weg überflüssig
machen. Verschiedenste Parameter und An-
nahmen beeinflussen das genaue Ergebnis
der Treibhausgas-Bilanz für den Einsatz von
Biodiesel. Als Richtwert kann gelten, dass
Biodiesel unter Berücksichtigung der vorge-
lagerten Prozesse mittelbar gut die Hälfte der
CO2-Emissionen von konventionellem Die-
sel verursacht. 
W
eitaus günstiger fällt die Bilanz aus,
wenn der Biodiesel aus Altspeiseöl ge-
wonnen wird. In diesem Fall kommt
es unter dem Strich tatsächlich praktisch zu
keinen CO2-Emissionen. Leider ist das Dar-
gebot an Altspeiseöl so gering, dass nur ein
Bruchteil des Biodiesels auf diese Weise er-
zeugt werden kann.
Wie sieht es mit den Kosten des Biodiesel-
Einsatzes aus? Reiner Biodiesel kostet zur
Zeit an den Tankstellen etwas weniger als
konventioneller Diesel. Alles bestens, möch-
te man denken. Der Grund für diesen ver-
gleichsweise günstigen Preis liegt freilich in
der Befreiung des Biodiesels von der Mine-
ralölsteuer – netto kostet Biodiesel etwa zwei
Drittel mehr als konventioneller. Und in die-
sem Preis sind die Förderungen und Stützun-
gen für die Landwirte noch gar nicht einge-
rechnet.
Die Kosten für den Einsatz von Biodiesel
entstehen also vor allem dem Staat durch den
Entfall der Mineralölsteuer. Wären 5,75 Pro-
zent der im Jahr 2003 verkauften Kraftstoffe
steuerbefreiter Biodiesel gewesen, so hätte
allein der Ausfall der Mineralölsteuer etwa
188 Millionen Euro betragen. Damit wären
etwa 700.000 Tonnen CO2-Emissionen ein-
zusparen gewesen. Also kostet die Eins-
parung einer Tonne CO2 allein den Finanz-
minister etwa 270 Euro – ein stolzer Preis,
wenn man bedenkt, dass in der EU-15 sonst
im Schnitt von Kosten für die CO2-Emissi-
onsreduktion von etwa 50 bis 60 Euro ausge-
gangen wird.
Nun zum Bio-Ethanol und zu Bio-ETBE.
Leider sieht hier die Bilanz noch bedeutend
schlechter aus als beim Biodiesel. Das liegt vor
allem an der aufwändigeren Verarbeitung der
Rohstoffe zu diesen Biokraftstoffen. Als Aus-
 Umweltpolitik
Weniger Alkoholkonsum ist sicher wünschenswert. Aber den Sprit ins Auto
zu leeren ist kein Ausweg. Schon gar nicht für die Umwelt. 
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