Full text: Nachhaltiger Tourismus (3)

3/200414 •   Wirtschaft & Umwelt www.wirtschaftundumwelt.at
SCHWERPUNKT
mit ist Nachhaltig-
keit im Tourismus
mit Herausforde-
rungen an und Ver-
änderungen in allen
Wirtschaftsberei-
chen verbunden,
auch mit Fragen
nach dem kulturel-
len Wandel und den
zukünftigen Le-
bensbedingungen der Menschen.
Nachhaltigkeit wird spätestens seit dem
Weltgipfel 2002 in Johannesburg in einem
Vier-Säulen-Modell mit den Bereichen
Ökologie, Ökonomie, Sozio-Kulturelles
und institutionelle Rahmenbedingungen
beschrieben. Verschiedene Darstellungen
eines Nachhaltigen Tourismus sprechen
von „Wirtschaftlichem Wohlstand“, „In-
takter Natur“ und „Intakter Kultur“,
„Wohlbefinden der Einheimischen und
MitarbeiterInnen“ und der „Bedürfnisbe-
friedigung der Gäste“.
Den unterschiedlichen Modellen ist ge-
meinsam, dass sie die Lösungskompetenz
für Herausforderungen nur in der Verbin-
dung überregionaler Verantwortung des
Staats und der EU mit regionalen Prozes-
sen sehen. Regionale Identitäten bieten 
Ansatzpunkte und Möglichkeiten für
Nachhaltige Entwicklung – auch für den
Tourismus. 
Die Umsetzung einer Nachhaltigen Ent-
wicklung im Tourismus besitzt viele Facet-
ten:
Die Wertschöpfung des Tourismus ba-
siert mittel- und langfristig auf den Voraus-
setzungen eines so weit wie möglich intak-
ten Lebens- und Naturraumes. Natur- und
traditionelle Kulturlandschaften stellen die
wichtigsten Urlaubsmotive dar. Der Tou-
rismus besitzt seit jeher starke Synergieef-
fekte mit der Landwirtschaft und anderen
Wirtschaftsbereichen. Die Berglandwirt-
schaft profitiert durch die Direktvermark-
tung und von Modellen wie Urlaub am
Bauernhof. Biologisch erzeugte, regionale
NACHHALTIG 
URLAUBEN 
 TOURISMUS IM WANDEL
Nachhaltigkeit im Tourismus ist die wichtigste Herausforderung, da-
mit der österreichische Tourismus auch in den nächsten Jahren einen
Unique Selling Point aufweisen kann. Dieser ist mit großen Anforde-
rungen und Entwicklungen in allen Bereichen, von der Tourismuspoli-
tik über die Planung bis zur Angebotsgestaltung und den Gästeakti-
vitäten verbunden. Der Artikel vergleicht die Anstrengungen in Öster-
reich mit dem Status Quo auf internationaler Ebene. Regionale Bei-
spiele aus dem Alpenraum zeigen mögliche Lösungen für die nötigen
Herausforderungen auf.  Von Christian Baumgartner
ourismus zählt als Devisenbringer zu den
Exportökonomien. Das Produkt Tourismus
wird allerdings vor der Erstellung bezahlt
und am Produktionsort konsumiert. Eine
idente Reproduktion ist nicht möglich, da
das einzelne Erlebnis von nicht beeinfluss-
baren Faktoren wie Wetter, Zimmernach-
barn u.a. abhängig ist.
Nachhaltigkeit wiederum stellt kein
Kochrezept dar, dessen Umsetzung die
zukünftige Entwicklung sichert. Nachhal-
tige Entwicklung ist eine Zukunftsvision,
die alle Bereiche des gesellschaftlichen
und wirtschaftlichen Lebens umfasst. Da-
NACHHALTIGER TOURISMUS ist kein additives, neues Tourismussegment, son-
dern die Grundlage, dass sich der gesamte Tourismus in Österreich auch in
den nächsten Jahrzehnten ebenso wirtschaftlich erfolgreich wie ökolo-
gisch und sozial verträglich präsentiert. In diesem Sinne lassen sich Nach-
haltigkeitsstrategien auch nicht auf einige ländlich-periphere Regionen be-
schränken, sondern betreffen auch den Städtetourismus und die intensiven
alpinen Destinationen. Auch wenn sich dort bisher weniger gute Beispiele
als im ländlichen Raum finden lassen.
DR. CHRISTIAN BAUMGARTNER
ist Landschaftsökologe,
Gründer und Geschäfts-
führer von „respect – 
Institut für Integrativen
Tourismus und Entwick-
lung“ und Koordinator des
„Forums Nachhaltiges
Österreich“. 
T
        

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