Volltext: Nachhaltiger Tourismus (3)

www.wirtschaftundumwelt.at3/2004 Wirtschaft & Umwelt •   17
 Nachhaltiger Tourismus
schen – also nachhaltigen – Tourismus-
produkten stetig steigt.
Gute Ansätze für nachhaltige Tourismus-
entwicklung finden sich immer wieder auf
regionaler Ebene wie bei den Gemeinden mit
lokalen Agenda-21-Prozessen, Netzwerken
wie dem Gemeindenetzwerk „Allianz in den
Alpen“ oder geförderter Maßnahmen wie im
Bereich der Sanften Mobilität.
Diese Modelle verbleiben oft auf der
Ebene der „Best Practice“, während über-
geordnete landes- oder bundesweite Strate-
gien vermisst werden. Im Vorfeld des Welt-
gipfels zur Nachhaltigen Entwicklung 2002
in Johannesburg haben die meisten Staaten
Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet und
verabschiedet. So auch die Alpenländer
Österreich, Deutschland und die Schweiz.
In der österreichischen Nachhaltigkeitsstra-
tegie werden Freizeit und Urlaub zwar an-
gesprochen, die Integration dieser Themen
in die jährlichen Arbeitsprogramme zur
Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie
beschränkt sich allerdings derzeit auf Ein-
zelthemen wie Sanfte Mobilität. 
Die EU spielt den Ball zurück: Die Eu-
ropäische Kommission zieht sich mit der
Mitteilung zur „Zusammenarbeit für die
Zukunft des Tourismus in Europa“ aus dem
Anspruch, europäische Tourismuspolitik
(mit)gestalten zu wollen, zurück. In der
Nachhaltigkeitsstrategie und im 6. Um-
weltaktionsprogramm werden Tourismus
nicht mehr vorrangig genannt. Auch die
2003 beschlossenen „Grundlinien der
Nachhaltigkeit des europäischen Touris-
mus“ sehen die zukünftige Rolle der Kom-
mission in der Verstärkung tourismusrele-
vanter Politiken anderer EU-Bereiche wie
zum Beispiel der Regionalentwicklung.
Insgesamt wird seitens der Kommission
von den Mitgliedstaaten Good Governance
verlangt, die Verantwortung für eine nach-
haltige Tourismusentwicklung aber bei den
Stakeholdern Industrie und Konsumenten
gesehen.
Nachhaltige Entwicklung und integrati-
ver Tourismus können nur als integrierter
Bestandteil ganzheitlicher Regionalent-
wicklungsprozesse verstanden werden. Da-
bei kommt der Partizipation eine wichtige
Rolle zu. Beteiligung benötigt einerseits ge-
setzliche und organisatorische Rahmenbe-
dingungen, die von Behörden und Auftrag-
gebern geschaffen werden, andererseits lebt
Beteiligung von der konsequenten Mitar-
beit der relevanten gesellschaftlichen Grup-
pen und Personen. Nur Politiken, die ge-
meinsam an nachhaltigen Tourismusdesti-
nationen arbeiten, haben Möglichkeiten zu
effektiven Umsetzungen. 
Es ist an der Zeit, die vielfältigen Erfah-
rungen der Modelle und Good-Practice-Bei-
spiele zu nutzen und ebenso strategische wie
flächendeckende Ansätze für Nachhaltigkeit
im Tourismus anzustreben. Touristische Re-
gionen, Unterkunftsbetriebe, Reiseveran-
stalter, und auch jede und jeder einzelne Rei-
sende können einen Beitrag dazu leisten. 
Auge in Auge mit der Natur: Nachhaltigkeit imTourismus heißt nicht Touristen
wie Kühe melken, sondern die ökologische, wirtschaftliche und soziale Dimen-
sion tatsächlich und gleichrangig zu berücksichtigen.  
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