SCHWERPUNKT AGROTREIBSTOFFE www.wirtschaftundumwelt.atSEITE 18 WIRTSCHAFT & UMWELT 1/2008 F O T O S : S C H U H (1 ), G R E E N P E A C E (3 ) REGENWALD TANKEN?  Die Konsequenzen der EU-Biotreibstoffpolitik werden immer deutlicher sichtbar, vor allem in der Dritten Welt. Was hier als Umweltpolitik verkauft wird, führt zumBeispiel in Südostasien zu einermassivenUmweltzerstörung. Neben der Holzproduktion ist die Errichtung von Plantagen die Ursache der Urwaldabholzung. Menschenrechtsverletzungen wer- den in Kauf genommen. Zudem sind die CO2-Emissionen, die bei der Rohstoffproduktion entstehen, größer als die durch den Ersatz von fossilen Treibstoffen eingesparten Emissionen. VON JURRIEN WESTERHOF* m die Folgen der Biotreibstoffpoli- tik zu sehen, reicht es, mittels Goo- gle Earth auf einer willkürlichen in- donesischen Insel einzuzoomen. Die Chance ist groß, dass man mitten in ei- ner Palmölplantage landet. Indonesien ist wohl das Land, wo die Folgen des Biotreib- stoffbooms derzeit am sichtbarsten sind, und in hohemTempo verschwinden hier die letzten Regenwälder, um für endlose Palm- ölplantagen Platz zu machen. FALLBEISPIEL INDONESIEN War früher die Holzproduktion die trei- bende Kraft hinter den Abholzungen, ist jetzt Holz manchmal nur noch ein Neben- geschäft. Denn mittlerweile geht es hauptsächlich darum, Plantagen errichten zu können.Wenn nicht bald etwas passiert, wird in Indonesien in 15 Jahren der Regen- wald beinahe komplett verschwunden sein. Das ist nicht nur für die letzten Populatio- nen von Orang-Utan oder Zwergelefanten ein Problem. Wichtiger ist beinahe noch, dass die Urwaldabholzung für mehr als 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissio- nen sorgt. Mittlerweile ist Indonesien zum drittgrößten CO2-Emittenten weltweit auf- gestiegen. LOKALAUGENSCHEIN AUF SUMATRA Ein Lokalaugenschein des Autors, ver- gangenen November auf der indonesischen Insel Sumatra zeigt, wie der Palmölboom in der Praxis aussieht: Stundenlang fährt man durch eine Landschaft, wo sich eine Plantage an die andere reiht, ab und zu un- terbrochen von kleinen Resten Urwald.Ab- gesehen von Personenverkehr gibt es auf den Straßen LKW mit Ölpalmsetzlingen, LKW mit Ölpalmfrüchten, LKW mit Pal- möl und ab und zu noch LKWmit Holz. Wer glauben würde, dass die Bevölke- rung von diesen Wirtschaftsentwicklungen profitiert, zum Beispiel durch Arbeitsplät- ze, liegt leider falsch. Denn die Plantagen gehören meist ausländischen Investoren, die ihre eigenes Personal mitbringen. Die lokale Bevölkerung bekommt bestenfalls schlecht bezahlte Saisonjobs, denn viele Firmen heuern lieber Menschen aus den Städten an, weil diese mehr an Lohnarbeit gewohnt sind. Dabeiwird die Lebensgrundlage der Be- völkerung zerstört. Denn bis vor wenigen Jahren bauten die Menschen auf einem kleinen Grundstück die wichtigsten Nah- rungsmittel an, nahmen das Holz für ihre Häuser aus dem Wald und verdienten mit dem Verkauf von Fischen aus den zahlrei- * DI Jurrien Westerhof ist Kul- turtechniker und Wasserwirtschaf- ter und arbeitet als Klima- und En- ergieexperte bei Greenpeace Zen- tral- und Osteuropa. Z U SAMMEN FA S S UNG : Wenn die EU nicht bald die angestrebten Beimi- schungsquoten für Biotreibstoffe fallen lässt, wird das bei weitem mehr Umweltprobleme verursa- chen als lösen. Zu befürchten ist, dass in Sü- dost?asien der noch verbleibende Urwald Palmöl- plantagenweichenmuss. Ähnliche Konsequenzen stehen auch in Afrika und Südamerika bevor. Die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr sind ein Problem, aber Biotreibstoffe sind nicht die Lö- sung. U DIE URWALDABHOLZUNG VERURSACHT SCHON MEHR ALS 25 PROZENT DER GLOBALEN TREIB– HAUSGASEMISSIONEN. Urwaldrodung Ein Standardwerk dazu ist die Studie „As- sess?ment of CO2 Emissions from drained peatlands in South East Asia. Siehe unter: http://www.wetlands.org/publication.aspx?id=5 1a80e5f-4479-4200-9be0-66f1aa9f9ca9 Soziale Folgen Mehr zu den sozialen Folgen und Menschenrechtsverletzun- gen ist nachzulesen in einer rezenten Studie von Friends of the Earth and Sawit Watch. Siehe unter: http://www.foe.co.uk/resource/reports/losingground.pdf

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