Full text: Bittere Ernte (3)

ie verheerenden Brände in Russland
haben nicht nur im Land selbst, son-
dern auch weltweit ihre Spuren hin-
terlassen. Die Brände vernichteten
u. a. beträchtliche Mengen derWeizenernte.
Die Politik verhängte daraufhin ein Export-
verbot, um dieVersorgung im eigenen Land
zu gewährleisten. Da auch in anderen Län-
dern Europas die Weizenernte aufgrund der
Wetterkapriolen nicht besonders gut ist, zie-
hen die Preise für Weizen wieder an. Aber
auch die Preise für afrikanische Kakaoboh-
nen stiegen exorbitant. Hierfürwar vielmehr
ein Londoner Hedgefond verantwortlich,
der sieben Prozent der weltweiten Kakao-
bohnen aufkaufte. Bereits bei den exorbitan-
ten und ungewöhnlichen Preissteigerungen
bei Lebensmitteln 2007 und 2008 wurden
von internationalen Organisationen wie der
FAO, OECD und Weltbank Missernten,
Spekulationen auf agrarische Rohstoffe und
der vermehrte Verbrauch von Getreide usw.
zu Erzeugung von Agrartreibstoffen als Ur-
sachen angeführt. Auch die Europäische
Kommission kommt in ihren Analysen zu
ähnlichen Schlüssen.
Nebst durch Spekulationen und Agrar-
kraftstoffe verursachte Preissteigerungen,
Klimawandel und den daraus resultierenden
verheerenden Folgen kämpfen die Länder
des Südens aber auch noch immer mit den
Auswirkungen der EU-Agrarpolitik in ihren
Ländern. Die Europäische Union ist welt-
weit einer der größten Exporteure von
Agrarprodukten. Daher wirkt sich die Poli-
tik im Agrarbereich nicht nur auf Europa,
sondern auch global aus.
EU-EXPORTSUBVENTIONEN
Die Agrar- und Handelspolitik der Eu-
ropäischenUnion hatte in derVergangenheit
oft verheerende Folgen für die Länder des
Südens, wie die Beispiele von Schweine-,
Hühnerfleisch- sowie Milchprodukt-Expor-
ten zeigten. Die Länder des Südens wurden
oftmals gezwungen, ihre Einfuhrzölle zu
senken und gleichzeitig ihre eigenenMärkte
www.wirtschaftundumwelt.atSEITE 14 WIRTSCHAFT & UMWELT 3/2010
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*DI Iris Strutzmann hat
Landwirtschaft studiert und ist
Mitarbeiterin in der Abteilung
Umwelt & Verkehr in der AK
Wien.
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ZUSAMMEN FA S S UNG :
Durch die zunehmende Weltbevölke-
rung, weltweite Landnutzungskonflikte
und ökologische Belastungen wird auch
Agrarboden immer mehr zu einem knap-
pen Gut und rückt somit immer stärker
ins Blickfeld ökonomischer Interessen.
Investoren sichern sich Land in Afrika
und Asien. Über Agrarförderungen wird
die europäische Landwirtschaft ge-
schützt – Profiteure sind vor allem Groß-
grundbesitzer und Konzerne. Die klein-
bäuerliche Landwirtschaft gerät immer
mehr unter die Räder. Zeit für eine Ver-
änderung.
ERNTE – UNGERECHT VERTEILT
 Herbstzeit, Erntezeit, Zeit der Fülle in der Landwirtschaft? Vor allem für Spekulanten und Großgrundbesitzer. Spe-
kulation treibt die Preise wieder einmal in die Höhe. Wetterkapriolen senken die Ernten und lassen die Preise zusätzlich
steigen. Weltweit wird zunehmendmehr Land zur Erzeugung von Agrartreibstoffen verwendet, Land zur Nahrungsmit-
telproduktion verknappt. Der Klimawandel tut sein Übriges. Die EU-Agrar- und Handelspolitik agiert wie eh und je – im
Notfall werden Exportsubventionen wieder aktiviert. Die hohen Förderungen für Konzerne und Großgrundbesitzer sind
Dank der EU-Agrarpolitik gesichert – zumindest bis 2013. Und dann? VON IRIS STRUTZMANN*
SCHWERPUNKT GLOBALE ERNTE
Weltweit ...
... hungern 950Millionen Menschen und mehr als
1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu
sicheremWasser – sie sind damit in ihrem tägli-
chen Überleben bedroht! www.fao.org
Weltbank
Nach Angaben der Weltbank wurden bis-
her weltweit 45 Millionen Hektar Land von
ausländischen Investoren aufgekauft.
http://siteresources.worldbank.org/INTAR
D/Resources/ESW_Sept7_final_final.pdf
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