Full text: Bittere Ernte (3)

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und 40.000 Personen mit
Migrationshintergrund,
also eingebürgerte vor-
malige AusländerInnen
sowie AusländerInnen, sind in
Österreich als UnternehmerIn-
nen selbständig erwerbstätig.
Die Selbständigenquote beträgt
rund sieben Prozent und ist so-
mit etwa ebenso hoch wie unter
Einheimischen. Während der
Einzelhandel als Ganzes einen
Rückgang zu verzeichnen hat,
steigt die Zahl migrantischer
Betriebe und Geschäfte. Wo in
Österreich und in welchen Be-
rufszweigen arbeiten selbstän-
digeMigrantInnen?
Das Gros dieser Unterneh-
merInnen stammt aus Deutsch-
land, aus den Nachbarstaaten in
Mittel- und Osteuropa, aus Ex-
Jugoslawien und aus der Türkei.
Mehr als ein Drittel der selb-
ständig erwerbstätigenMigrant-
Innen kommen aus der
EU/EFTA, weitere 18 Prozent
aus den neuen EU-Staaten und
14 Prozent aus Ex-Jugoslawien.
Die restlichen 31 Prozent aller
unternehmerisch tätigen Mig-
rantInnen sind relativ gleich auf
alle anderen größeren Her-
kunftsregionen verteilt.
Die Zuwanderung in Öster-
reich ist insgesamt auf städti-
sche Regionen, besonders auf
Wien, konzentriert. Gleiches
gilt auch für die selbständigen
MigrantInnen.
Das Erwerbsverhalten der
MigrantInnen hat sich in den
letzten Jahrzehntenweg von un-
selbstständigerArbeit zu Selbst-
ständigkeit hin verändert, so
Gudrun Biffl, Leiterin des Zen-
trums für Migration, Integration
und Sicherheit an der Donau-
Universität Krems: Zunächst
bildete dieArbeitsmigration das
Hauptmotiv der Zuwanderung.
Arbeitskräfte wurden vor allem
für ganz bestimmte Tätigkeiten
in unselbstständiger Beschäfti-
gung angeworben. Durch den
wirtschaftlichen Strukturwan-
del der letzten Jahre gingen zu-
nehmend Arbeitsplätze verlo-
ren. Somit war der Weg in die
Selbständigkeit für viele – so-
wohl für In- als auchAusländer-
Innen – auch eine Überlebens-
strategie.
Migrantische Selbständige
finden sich oft in den Bereichen
Handel, Reparatur, Verkehr
oder Nachrichtenübermittlung.
Hier ist die Selbständigenquote
um 50 bis 100 Prozent höher als
bei Inländern. In den unterneh-
mensorientierten Dienstleistun-
gen, im Beherbergungs- und
* Dr. Wilfried Leisch ist Un-
ternehmens- und Energie-
berater, freier Publizist und
Redakteur von „Wirtschaft
& Umwelt“. w.leisch@aon.at
MIGRANTISCHE ÖKONOMIE
 Auf Straßen, Märkten oder Baustellen gehören sie zum Stadtbild, in vielen Firmen arbeiten sie als
Beschäftigte: MigrantInnen. Zug um Zug fassen sie auch in Form von Betrieben und Geschäften im
Wirtschaftsleben Fuß. Gibt es so etwas wie eine migrantische Ökonomie? Über ein Viertel der Einzelunter-
nehmerInnen in Wien haben einen Migrationshintergrund. Im vergangen Jahr haben Menschen aus
85 verschiedenen Ländern inWien ein Unternehmen gegründet. Wie schautmigrantischeWirtschaft aus, in
welchen Bereichen ist sie tätig und wie ökologisch ist sie unterwegs? Lokale Agenda 21 und ÖkosBusiness-
PlanWien haben dazu ein Projekt laufen. VONWILFRIEDLEISCH*
www.wirtschaftundumwelt.at
POLITIK BETRIEB LEBEN
R
ZUSAMMEN FA S S UNG :
MigrantischeWirtschaft, das heißt Geschäfte und Betriebe
von UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund, ist
ein wachsender Bereich. Welche Rolle spielt in diesem
Sektor die Ökologie? Einige Unternehmen interessieren
sich schon für ökologische Maßnahmen und streben auch
eine Öko-Auszeichnung an. Um migrantische Geschäfts-
leute zu aktivieren, braucht es viel Kommunikation und
eine guteVertrauensbasis. Rahmen,Hilfestellungbzw. För-
derung dazu bieten Lokale Agenda 21 und ÖkoBusiness-
PlanWien an.
Welt(en)reise
DieAgendagruppeorganisiert im3.WienerGemein-
debezirk Landstraße interkulturelleBegegnungen.
EinBuchmit Eindrückenüber bereisteWelt(en) und
Rezeptenwurdeherausgegeben.
www.weltenreise.at
SEITE 26 WIRTSCHAFT & UMWELT 3/2010
ÖIF
DerÖsterreichische Integrationsfonds (ÖIF)
fördert die berufliche Integration vonMi-
grantInnen,Asylberechtigtenund subsidiär
Schutzberechtigten.
www.integrationsfonds.at
Welche MigratInnen sind am häufigsten selbständig?
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