Full text: Chemie global (3)

Responsibility“ (CSR). Die Kampagnen 
gegen Kinderarbeit bei Herstellern von 
Sportschuhen haben dazu geführt, dass 
Firmen wie Adidas, Nike oder Puma hier 
freiwillige Verhaltenskodizes angenom-
men haben, die Kinderarbeit ausschlie-
ßen.
Doch dieser Ansatz stößt an zwei 
Grenzen: Zum einen verpflichten sich 
nur Firmen dazu, die im Rampenlicht 
stehen, während Billigproduzenten oder 
Unternehmen, die nicht für Endverbrau-
cher produzieren, keinen Anreiz sehen, 
sich derartigen Verhaltensnormen zu 
unterwerfen. Zum anderen ist es fraglich, 
wie streng die angenommenen Normen 
tatsächlich sind und ob sie eingehalten 
werden, da meist die Firmen selbst die 
Kontrolle darüber behalten.
Neben den freiwilligen Instrumenten 
kommt daher verbindlichen Regelungen 
eine große Bedeutung zu. Dabei geht 
es in einer globalisierten Wirtschaft um 
bilaterale oder multilaterale Abkommen 
und internationale Verträge. Denn ein-
seitige Schritte – etwa Importverbote für 
Produkte, bei deren Herstellung beson-
ders gefährliche Chemikalien eingesetzt 
wurden – sind typischerweise nach den 
Regeln der Welthandelsorganisation 
WTO verboten.
StrAteGiSCHer ANSAtZ  
FÜr 2020
Neben den bestehenden internationa-
len Abkommen zu Chemikalien (siehe 
Seite 15) ist ein weiteres Instrument in 
diesem Zusammenhang SAICM, der 
„Strategic Approach to International 
Chemicals Management“. Dabei handelt 
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Gerade in der Herstellung von 
Elektronikprodukten ist die Vorstellung 
weit verbreitet, dass ausgefeilte Maschi-
nen von einer kleinen Zahl von Techni-
kern in makelloser weißer Laborkleidung 
bedient werden – ein Bild, das die Indus-
trie gern vermittelt. Die Wirklichkeit sieht 
anders aus: Vor allem in Entwicklungs-
ländern werden viele Arbeitsgänge von 
einer unvorstellbar großen Zahl von Ar-
beitern und vor allem Arbeiterinnen hän-
disch durchgeführt. Häufig werden dabei 
ätzende oder giftige Chemikalien einge-
setzt, ohne dass ausreichende Schutzmaß-
nahmen getroffen werden. Die Informati-
on über die Gefährlichkeit der Stoffe ist 
unzureichend, die Gefahren werden von 
den Arbeitgebern heruntergespielt, eine 
unabhängige Arbeitsinspektion ist nicht 
vorhanden, und gewerkschaftliche Orga-
nisation, mit der zumindest grundlegende 
Rechte durchgesetzt werden können, ist 
in vielen Staaten verboten. Wer krank 
wird, verliert den Arbeitsplatz und steht 
ohne soziale Sicherung da. Überstunden 
sind an der Tagesordnung, Arbeitszeiten 
von 60 Stunden pro Woche sind üblich, 
um das karge Grundgehalt aufzubessern. 
Dass es dabei häufig zu Unfällen kommt, 
liegt auf der Hand. Wenn der Protest ge-
gen diese Bedingungen zu heftig wird, 
brechen die Unternehmen ihre Zelte ab 
und suchen eine noch weiter entfernte 
Weltgegend auf – mit niedrigen Arbeits-
kosten und hoher Arbeitslosigkeit – und 
der Zyklus beginnt von Neuem.
Dieses Muster ist nicht neu. Zunächst 
wurde der Boom in Silicon Valley in 
Kalifornien, der Wiege der Elektronikin-
dustrie, enthusiastisch begrüßt. Doch als 
sich zeigte, welches Ausmaß Umwelt-
verschmutzung und Gesundheitsschäden 
bei den ArbeitnehmerInnen annahmen, 
mehrten sich die Proteste. Engagierte 
AktivistInnen gründeten Organisatio-
nen wie die „Silicon Valley Toxics Co-
alition“ oder „Worksafe“, die für eine 
Verbesserung der Umwelt- und Arbeits-
bedingungen kämpften. Manche Elek-
tronikfirmen reagierten, indem sie die 
Qualitätsstandards für die Arbeitsplätze 
und den Schutz vor gefährlichen Chemi-
kalien verbesserten. Andere Hersteller 
verlagerten die Produktion jedoch in Ent-
wicklungsländer, wo Arbeitsrechte und 
Umweltstandards kaum existierten und 
wo zusätzlich die Arbeitskosten bedeu-
tend geringer waren. Ähnliche Beispiele 
lassen sich mehrfach finden.
wie reAGiereN?
Es wäre verfehlt, deshalb Elektro- und 
Elektronikprodukte zu verteufeln. Zum 
einen bringen sie – neben persönlichem 
Vergnügen – Vereinfachungen und 
Produktivitätssteigerungen in der Ar-
beitswelt, zum anderen ist das Problem 
ja nicht auf Handys und Computer be-
schränkt. Ähnliche Muster zeigen sich in 
allen produzierenden Sparten, so etwa in 
der Textilindustrie (siehe Artikel auf Sei-
te 18-20 dieses Schwerpunktes) und in 
vielen Sparten der Grundstoffindustrie.
Eine mögliche Reaktion ist, als Kon-
sumentIn kritisch zu hinterfragen, unter 
welchen Bedingungen die Waren her-
gestellt und entsorgt werden. Unterneh-
men, die einen Ruf zu verlieren haben, 
reagieren darauf, wie die Erfahrung zeigt. 
Beispielsweise führt Apple seit einigen 
Jahren – als Reaktion auf die Kritik an 
den Arbeitsbedingungen bei seinen Zu-
lieferbetrieben – Audits dieser Firmen 
durch und achtet auf „Corporate Social 
Arbeitsbedingte Gefahren
Die englische gewerkschaftsnahe Zeitschrift 
„hazards magazine“ berichtet regelmäßig über 
arbeitsbedingte Gefahren weltweit, unter ande-
rem im Zusammenhang mit Chemikalien   
www.hazards.org
Stockholmer Konvention
Informationen zur Stockholmer Konvention über 
persistente organische Schadstoffe, welche Stoffe 
erfasst sind und welche Staaten sie ratifiziert 
haben, finden sich unter www.pops.int. 
Exportkontrolle
Die Internet-Seite der Basel-Konvention über den 
Export gefährlicher Abfälle findet sich unter www.
basel.int. Die NGO „Basel Action Network“ setzt sich 
für noch strengere Kontrollen ein www.ban.org
 www.ak-umwelt.at
Die DuNkle Seite  
Der CHemikAlieN
Nach Schätzungen der ILO, der Internationalen 
Arbeitsorganisation der UNO, sterben jedes 
Jahr weltweit etwa zwei Millionen Menschen in 
Folge ihrer Arbeit, 439.000 davon (22 Prozent) 
wegen der  Einwirkung gefährlicher Chemi-
kalien. Von 160 Millionen Erkrankungen im 
Zusammenhang mit der Arbeit sind 35 Millionen 
auf Chemikalien zurückzuführen. 
Seite 16  Wirtschaft & UmWelt  3/2011
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schwerpUnkt
chemikAlien hAben VielfÄltige nUtZen. 
ihre sichere VerwendUng ist ein Ziel, dAs 
nUr weltweit erreicht werden kAnn.
CHemie
globAl
        

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