Full text: Chemie global (3)

rei Millionen Klein-
bauern und Bäue-
rinnen sorgen für 90 
Prozent der weltweiten Kakao-
produktion. Die Kakaobohne 
wird in Kleinbetrieben mit 
arbeitsintensiven Verfahren 
angebaut und verarbeitet und 
ist häufig die Haupteinnah-
mequelle der Familien. In der 
primären Kakaoerzeugung 
sind weltweit etwa 14 Milli-
onen ArbeiterInnen beschäf-
tigt. Seit vielen Jahrzehnten 
ist Westafrika die wichtigste 
Region für den Kakaoanbau. 
In nur vier Ländern (Côte 
d’Ivoire, Ghana, Nigeria und 
Kamerun) erzeugen mehr als 
zwei Millionen Kleinbauern 
und deren Familien etwa 70 
Prozent der weltweit ange-
bauten Kakaobohnen.
proDuktioNStreNDS
Die derzeit in London und 
New York geltenden Markt-
preise für Kakao sind die 
höchs ten seit 1986. Dies liegt 
vor allem an der schlechten 
Ernte, an abnehmenden Puf-
ferbeständen und einer zuneh-
menden Nachfrage. Die Kaka-
oproduktion von Côte d’Ivoire, 
des Hauptproduzenten, betrug 
ein Fünftel weniger als die der 
letzten Saison.
Die Kakaoernte 2008/09 
wurde durch Krankheiten der 
Bäume beeinträchtigt. Ernte-
verlust: geschätzte 200.000 
Tonnen. Die Probleme sind 
so ernsthaft, dass ein vollstän-
diger Einbruch des Sektors 
nicht ausgeschlossen werden 
kann, wenn keine Maßnahmen 
ergriffen werden. Kinderarbeit 
und -sklaverei in dieser Region 
verstärken den Druck.
Die weltweite Produktion 
von Kakaobohnen betrug im 
Jahr 2007/08 etwa 3,7 Mil-
lionen Tonnen. Obwohl der 
derzeitige wirtschaftliche 
Rückgang voraussichtlich 
die künftige Nachfrage nach 
Schokoladeprodukten beein-
trächtigen wird, geht die ICCO 
(International Cocoa Organi-
zation) für das Jahr 2012 von 
einem Bedarf in Höhe von 
*Gerhard Riess ist Branchense-
kretär Genuss der Gewerkschaft 
PRO-GE www.proge.at
f
o
t
o
s
: 
 s
c
h
U
h
 (
1)
, 
s
ü
d
W
in
d
 (
2
)
BetRieB
Nachhaltigkeit in der Kakaoproduktion       
Bestellung der gedruckten Broschüre Kakao sowie CD „Nachhaltigkeit in 
der Kakaoproduktion“ unter Gewerkschaft PRO-GE, Johann-Böhm-Platz 
1, 1020 Wien
Gerhard Riess, Tel.Nr.: 01/53444-69590  E-mail: gerhard.riess@proge.at
Kakao: süßer Genuss – 
bittere realität
D
Kakao: Süß genossen, bitter erzeugt?
 www.ak-umwelt.atSeite 26  Wirtschaft & UmWelt  3/2011
Das Bewusstsein der KonsumentInnen hat dazu geführt, dass weltweite Pro-
duktionsbedingungen von multinationalen Konzernen aber auch von loka-
len ProduzentInnen unter dem Gesichtspunkt „Soziale Verantwortung“ und 
„Nachhaltigkeit“ beworben wird. Welche Rolle spielen nun die BetriebsrätIn-
nen in den Fabriken der SchokoladeproduzentInnen? VON GERHARD RIESS*
ZuSAmmeNFASSuNG:
Kinderarbeit und Kinder-
handel gehören in der 
Kakaoversorgungskette 
endgültig abgeschafft. 
Die Kakaobauern müssen 
mehr Unterstützung beim 
Anbau sowie einen fairen 
Preis für ihre Bohnen 
erhalten. Die Probleme der 
Kakaowirtschaft gibt es 
auch am anderen Ende der 
Produktionskette: einge-
schränkte Arbeitsrechte 
(Leiharbeit, Befristungen, 
Informationsmangel) 
innerhalb multinationaler 
Konzerne der Kakao- und 
Schokoindustrie.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.