Mag. Wolfgang Schroll ist 
Geschäftsführer des Verkehrs-
verbund Ost-Region (VOR).
er Wechsel von der Direktvergabe zur Ausschreibung 
ist viel mehr als nur ein Trend und auf gesetzliche Rah-
menbedingungen zurückzuführen, die sich mit Einfüh-
rung der „Public Service Obligation“ (PSO) auf internationa-
ler Basis und dem Bundesvergabegesetz auf nationaler Basis 
geändert haben. Die von der Bundesverfassung vorgegebene 
sparsame, wirtschaftliche und zweckmäßige Haushaltsführung 
ist von den öffentlichen Auftraggebern einzuhalten. Sparsames 
und effizientes Agieren darf bei Ausschreibungen nicht mit dem 
Billigstbieter-Prinzip verwechselt bzw. gleichgesetzt werden. 
Vielmehr wird im VOR auf ein Bestbieterprinzip mit Quali-
tätskriterien gesetzt. Der regulierte Wettbewerb bietet die Mög-
lichkeit unmittelbar auf Qualität und Angebot gestaltend einzu-
wirken und innerbetriebliche Standards vom betriebsführenden 
Unternehmen einzufordern. 
Ausschreibungen schaffen natürlich ein Spannungsfeld zwi-
schen Auftraggeber und Verkehrsunternehmen, daher werden 
auch bewusst jene Betreiber gesucht, die über ein leistungsfä-
higes und gesundes Unternehmen verfügen. Es ist wichtig be-
reits in der ersten Stufe geeignete Unternehmen herauszufiltern, 
um etwaige Notmaßnahmen im Falle eines Fehlverhaltens, etc. 
zu vermeiden. Daher werden zur Umsetzung des Fahrplanan-
gebotes auch gute betriebliche Rahmenbedingungen vorausge-
setzt, unter denen MitarbeiterInnen gerne arbeiten und die so 
zu einem reibungslosen Ablauf und zufriedenen Fahrgästen 
beitragen. Ein erfahrenes und zufriedenes Personal ist ein wich-
tiger Erfolgsfaktor im öffentlichen Verkehr. Bewerber, die ih-
ren MitarbeiterInnen sehr gute Arbeitsbedingungen bieten, sind 
bei der Auswahl als Auftragnehmer durchaus positiv hervorzu-
heben. Doch die Suche nach einem geeigneten Betreiber stellt 
auch für den Auftraggeber eine große Herausforderung dar, 
denn Sozialkriterien eignen sich zur Klassifikation als Refe-
renz, d.h. als Blick in die Vergangenheit, während der Zuschlag 
auf ein „Versprechen in die Zukunft“ erteilt wird – konkret 
auf die Qualität des Angebots. Dies zieht jedoch einen hohen 
Prüfungsaufwand mit sich, und eine Garantie auf Umsetzung 
durch die Unternehmen ist damit aber noch lange nicht gesi-
chert. Daher wird die Qualität der Leistungserbringungen nach 
der Ausschreibung laufend überprüft. Pönaleregelungen sorgen 
für ein entsprechendes Eigeninteresse der Unternehmen an der 
Erbringung der vereinbarten Leistungen.
Ein ökologisch, ökonomisch und sozial ausgeglichenes „Ge-
samtpaket“ ist auf alle Fälle wünschenswert. Doch stellt dies 
den Auftraggeber vor erhebliche Schwierigkeiten: Wie genau 
jene Maßstäbe finden, nach denen Sozialkriterien objektiv ver-
gleichbar gemacht werden können? Punkterelevante Kriterien 
muss der Auftraggeber in Vergabeverfahren auch überprüfen 
können. Die Überprüfung der Einhaltung von Sozialstandards 
ist aber bereits durch staatliche Behörden gewährleistet. Um die 
Einhaltung der Sozialkriterien überprüfen zu können, müsste 
VOR Einblick in Personaldaten oder auch Gehaltsverrechnung 
der einzelnen MitarbeiterInnen des Verkehrsunternehmens ha-
ben. Dies verbietet jedoch der Datenschutz. Daher werden bei 
Ausschreibungen von den Unternehmen nur jene Kriterien ge-
fordert, die VOR unter diesen Rahmenbedingungen auch kon-
trollieren kann.
mag. wolfgang schroll*
kontroVerse
www.arbeiterkammer.at Wirtschaft & UmWelt  4/2013   Seite 33
Öffentlicher Verkehr: aUsschr  eiBUngen mit soZialkriterien?
D
conregUlierter WettbeWerb bietet Die MÖglichkeit, aUf QUalität, angebot UnD stanDarDs gestaltenD einzUWirken
Public Service Obligations (PSO) 
Mit dieser EU-Richtlinie ist das System der Finanzierung des öffentlichen Ver-
kehrs in Österreich nur eingeschränkt kompatibel. Die PSO sieht grundsätzlich 
Ausschreibungen vor, wenn Dienstleistungen mit öffentlichen Geldern finanziert 
werden. Mehr unter: www.vida.at/servlet/ContentServer?pagename=S03/Page/
Index&n=S03_12.7.a&cid=1301911447184
erfahrenes personal ist erfolgs-
faktor iM Öffentlichen Verkehr
        

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