Volltext: Ziele für nachhaltige Entwicklung (3)

PFLICHTÜBUNGEN
REGELWERK DER EU – KEINE KLARE RICHTUNG
 www.ak-umwelt.atSeite 24  Wirtschaft & Umwelt  3/2017
Betrieb
Jährlich geben Österreichs Bauern rund 150 Millionen Euro für 
Pflanzenschutzmittel aus.
umgekehrten Effekt: Die 
verwendete Menge an Herbi-
ziden steigt. Es versteht sich, 
dass dasjenige Herbizid ver-
mehrt verwendet wird, gegen 
das die Nutzpflanzen resistent 
sind. In den allermeisten Fällen 
handelt es sich um Glyphosat. 
Sowohl Glyphosat als auch das 
glyphosatresistente Saatgut 
stammt vom US-Unternehmen 
Monsanto. 
Nun wehrt sich Monsanto 
gegen das mögliche Verbot 
von Glyphosat. Auf den ersten 
Blick verwundert dies, weil die 
Patente für Glyphosat mittler-
weile ausgelaufen sind und das 
Unternehmen mit einem Er-
satzprodukt vielleicht viel mehr 
verdienen könnte. Doch gleich 
wird klar: es geht um das GVO-
Saatgut, das ohne Glyphosat 
wertlos ist. Die aufrechten Pa-
tente für das Saatgut sichern die 
einzigartige Position Monsantos 
auf diesem Markt und tragen 
zum Umsatz von 13,5 Milliarden 
US-Dollar (2016) bei. 
Immer	weniger	immer	
größere	Unternehmen
Wie in vielen High-Tech-
Branchen zeigt sich auch bei 
Pflanzenschutzmitteln und 
GVO-Saatgut eine Tendenz zur 
Konzentration: Der deutsche 
Chemieriese Bayer ist dabei, 
Monsanto zu kaufen (siehe 
auch Kurzmeldung „Update 
Glyphosat“ auf Seite 4). Nach 
der kürzlich stattgefundenen 
Fusion von Dow und DuPont 
und dem Verkauf von Syngenta 
an ChemChina schrumpft die 
Zahl der großen Player am 
Markt weiter. Für die Landwirte 
bedeutet dies eine immer grö-
ßere Abhängigkeit von immer 
weniger Herstellern.
Doch auch für die Zulassung 
von Pflanzenschutzmitteln hat 
dies Konsequenzen. Die Frage, 
ob Glyphosat krebserzeugend 
ist, kann praktisch nicht mehr 
neutral diskutiert werden. In 
einer detaillierten Untersuchung 
zeigt eine Studie von Global 
2000, auf welch vielfältige Weise 
Monsanto wissenschaftliche 
Studien finanzierte und veran-
lasste, die zum Schluss kom-
men, dass Glyphosat sicher ist. 
Viele als neutral geltende Wis-
senschaftlerInnen arbeiten an 
der Beurteilung von Glyphosat 
mit, aber stehen oder standen in 
Verbindung zu Monsanto. 
Auch an Universitäten 
kommt die Unabhängigkeit der 
Forschung immer mehr in Be-
drängnis, weil bereitwillig der 
Forschungsfinanzierung durch 
Drittmittel – und das heißt: Geld 
der Industrie – Tür und Tor ge-
öffnet wird. Bald hat der Staat 
schlicht nicht mehr die Mittel, 
um auf unabhängige Weise zu 
beurteilen, ob ein Pflanzen-
schutzmittel sicher ist. Das Pro-
blem der zunehmenden Macht 
einzelner Unternehmen – gleich, 
ob es sich um Microsoft, Goo-
gle oder eben Bayer-Monsanto 
handelt – ist nicht so sehr der 
übermäßige Gewinn, den diese 
als Monopolisten erzielen. Es ist 
die Umkehrung der Machtver-
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Auf EU-Ebene wurde 2009 das alte Sys-
tem der mitgliedstaatlichen Zulassung von 
Pflanzenschutzmitteln durch ein stärker 
zentralisiertes System ersetzt (Verordnung 
(EG) Nr. 1107/2009). Gleichzeitig wurde 
die Richtlinie 2009/128/EG über einen 
„Aktionsrahmen der Gemeinschaft für die 
nachhaltige Verwendung von Pestiziden“ 
erlassen. Sie verpflichtet die Mitglied-
staaten, Aktionspläne zu erarbeiten, die 
Ziele und Zeitpläne für die Verringerung 
der Risiken von Pflanzenschutzmitteln 
enthalten sollen, um – wie es heißt – „die 
Abhängigkeit von der Verwendung von 
Pestiziden zu verringern.“ Weiters werden 
die Mitgliedstaaten zu Maßnahmen der 
Bewusstseinsbildung und der vermehrten 
integrierten Schädlingsbekämpfung ver-
pflichtet. Doch die Berichte der Mitglied-
staaten verkommen vielfach zu Pflicht-
übungen ohne strategischen Charakter.
2009 wurde auch eine Verordnung 
über Statistiken zu Pestiziden erlassen 
(Nr.1185/2009). Mittlerweile hat Euro-
stat Daten für die Jahre 2011 bis 2014 
veröffentlicht. An ihnen lässt sich keine 
Verringerung der in der EU verwendeten 
Pestizidmengen erkennen. EU-weit sind 
die gesamten Mengen von 2011 bis 2014 
um etwa 4 Prozent gestiegen.
        

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