Full text: Das Wassergeschäft (2)

* Leonhard Plank ist Univer-
sitätsassistent am Fachbe-
reich Finanzwissenschaft 
und Infrastrukturpolitik im 
Department für Raumpla-
nung der TU Wien. 
 www.ak-umwelt.atSeite 18  Wirtschaft & Umwelt  2/2018
Spätestens mit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 hat es 
der Begriff der Finanzialisierung zu einer 
breiteren medialen Aufmerksamkeit ge-
bracht. In der akademischen Literatur 
hat sich seit den 1990ern ein disziplinär 
vielfältiges Forschungsprogramm dazu 
entwickelt, das sich mit dem Bedeu-
tungsgewinn des Finanzsektors und 
seinen Auswirkungen auf Ökonomie 
und Gesellschaft beschäftigt. Eine Rei-
he von Phänomenen wird darunter dis-
kutiert, wie etwa die Liberalisierung und 
anschließende Integration von vormals 
national eingehegten und segmentier-
ten Finanzmärkten, die dramatische 
Verbreitung neuer Finanzinstrumente, 
das Auftauchen neuer institutioneller 
Investoren auf den Finanzmärkten, die 
Dominanz des „Shareholder-Value“-
Paradigmas im Bereich der Unterneh-
mensführung und -kontrolle sowie die 
massive Ausweitung des Kredit-und 
Anlagegeschäftes in Form von Hypo-
theken, KonsumentInnenkrediten und 
der privaten Alterssicherung. Die ur-
sprünglich anglo-amerikanisch gepräg-
te Finanzialisierungs-Literatur hat im 
letzten Jahrzehnt ihren Fokus geogra-
phisch erweitert. Zudem gibt es auch 
vermehrt Untersuchungen zu Infra-
struktur-Sektoren, die die Ausbreitung 
von finanzialisierten Geschäftspraktiken 
in bisher nach anderen Kriterien organi-
sierten Bereichen der Daseinsvorsor-
ge in den Blick nehmen. Die bisherige 
Evidenz legt nahe, dass finanzialisierte 
Geschäftsstrategien mit ihrer typisch 
kurzfristigen Orientierung und Verwer-
tungsmodellen eine Bedrohung für 
langfristig ausgerichtete Infrastrukturen 
(z.B. Verkehr, Wohnbau) darstellen.
Briten	schossen	am	Ziel	
vorbei
Wie in vielen anderen Infrastruktur-
bereichen kann dies an der Entwicklung 
der englischen Wasserver- und Abwas-
serentsorgung exemplarisch nachge-
zeichnet werden. Nach der ersten von 
Thatcher herbeigeführten Privatisierung 
kam es zu mehreren Verschiebungen in 
den Eigentümerstrukturen. Die ideolo-
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Wasser als sicherer Hafen 
für Finanzinvestoren 
KURZGEFASST
Finanzinvestoren haben sich 
seit den 2000er Jahren zuneh-
mend an privaten Wasserkon-
zernen beteiligt. Damit ging 
eine Veränderung in den Ge-
schäftsmodellen einher, die sich 
am frühesten und deutlichsten 
in England zeigt. Dort wurden 
seit dem Einstieg der Finanzin-
vestoren fast alle erwirtschaf-
teten Gewinne an AktionärIn-
nen ausgeschüttet, während 
gleichzeitig die Verschuldung 
der Unternehmen anstieg. 
Im Wassersektor gibt es zunehmend Begehrlichkeiten 
von Finanzinvestoren. Die bisherigen Erfahrungen mit deren 
Geschäftspraktiken legen nahe, diese lebensnotwendigen, 
staatlich garantierten Leistungen der Daseinsvorsorge 
vor ihnen zu schützen VON LEONHARD PLANK *
Schwerpunkt
Wasser
        

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