* Peter Lercher ist Umwelt-
mediziner an der TU Graz;  
lange Jahre Institutsleiter an 
der MedUni Innsbruck und hat 
zuletzt an den WHO-Leitlinien 
mitgewirkt.
 www.ak-umwelt.atSeite 18  Wirtschaft & Umwelt  4/2018
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschied sich 2013, sys-
tematische Evidenzstudien für Ver-
kehrslärmquellen (Flug-, Straßen-, 
Schienenlärm) und Lärm von Windener-
gieanlagen an Experten zu vergeben, 
welche von einer Leitlinien-Entwick-
lungsgruppe (LEG) nominiert wurden.
Die Ergebnisse dieser Studien soll-
ten dazu dienen, neue an der Gesund-
heit orientierte Richtlinien für wesent-
liche Umwelt-Lärmquellen spezifisch 
abzuleiten. Die alte Richtlinie war 1999 
veröffentlicht worden. Sie bezog sich 
allgemein auf Wohngebiete (55 dBA 
Tag, 45 dBA Nacht) und war nicht quel-
lenspezifisch. 
Straßenlärm:	starke	
Belästigung
Straßenlärm ist national und EU-weit 
die weitaus häufigste Quelle (>80%) 
für starke Belästigung, Schlafstörun-
gen und berechnete Gesundheitskos-
ten. Ca. 70% der Belastungen fallen 
in städtischen Agglomerationen an. 
Die Ergebnisse für die starke Belästi-
gung weisen im WHO-Evidenzreport 
eine deutliche Streuung auf. Die auffal-
lendste Abweichung zeigen die Ergeb-
nisse der Tiroler Studien, welche an der 
Nord-Süd-Route durch das Inntal und 
über den Brenner durchgeführt wur-
den. Die hohe Belästigung unterhalb 
von 60 dBA resultiert hauptsächlich 
aus der direkten Schallausbreitung zu 
den stark besiedelten Hängen, wo der 
Schall aus dem Tal (50-55 dB in 800-
1000 m Entfernung) auf einen beson-
ders niedrigen Hintergrundpegel (~30-
40dBA) trifft und nicht durch andere 
Lärmquellen maskiert wird. Wohlge-
merkt, bei fast durchgehenden Lärm-
schutz an der Autobahn! Hier kommt es 
im Schnitt fast zu einer Verdoppelung 
der stark Belästigten. Auf der anderen 
Seite der neuen WHO-Gesamtkurve 
liegen die asiatischen Studien, wo die 
breite Verwendung von Klimageräten 
zu einer starken Maskierung des Lärms 
in den Wohnungen führt. Die Ergebnis-
se aus den europäischen Städten plat-
zieren sich mit großen Streuungen im 
Mittelfeld. 
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IV
A
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1)
Gesundheitliche 
Auswirkungen von Verkehrslärm
KURZGEFASST
Die neuen im Oktober 2018 ver-
öffentlichten WHO Richtlinien-
werte sollten in Österreich zum 
Anlass genommen werden, die 
Schwellenwerte der Aktionspla-
nung dem aktuellen Stand des 
Wissens anzupassen. Lärmak-
tionspläne auf Ortsebene – und 
zwar nicht nur für Ballungsräu-
me – würden eine gute Grund-
lage für eine systematische 
und rationale Prävention von 
lärminduzierten Gesundheits-
störungen darstellen.
TIPP
Die Langfassung dieses 
Beitrags erscheint demnächst 
online im Newsletter 
„Umwelt & Verkehr – Fakten 
und Positionen“ –  https://wien.
arbeiterkammer.at/service/ 
zeitschriften/umweltundver-
kehrfakten/index.html
Dieser Artikel beleuchtet die Ergebnisse der neuen WHO-
Lärmleitlinien zu Straßen- und Schienenverkehrslärm samt 
den mitberücksichtigten österreichischen Studien und 
stellt die Ergebnisse den österreichischen Schwellenwerten 
für Lärmaktionsplanung gegenüber.  VON PETER LERCHER *
Schwerpunkt
Lärmschutz
        

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