Full text: Grünes Reisen (2)

die Umweltwirkung in Vergleich zum 
österreichischen Strommix von 100,9 
g / Fkm auf 30,1g /Fkm. 
CNG Fahrzeuge befinden sich mit 
159,8 g / Fkm im Mittelfeld. In der Fahr-
zeugherstellung sind die Unterschiede 
in den Treibhausgasen marginal. Auf-
fällig ist, dass bei der Akkuherstellung 
eines BEV ähnlich viele Emissionen 
entstehen, wie bei der restlichen Fahr-
zeugherstellung.
Um eine Mobilitätswende herbeifüh-
ren zu können, wird es entscheidend 
sein, unabhängig von Antrieb motori-
sierte individuelle Mobilität im Modal 
Split zu Gunsten des Umweltverbun-
des zu reduzieren. Es bedarf eines 
gesamtheitlichen Umbaus des Ver-
kehrssystems das im Besonderen den 
Energiesektor und die Raumplanung 
einschließt. ¨
Um die Abhängigkeit von 
fossilen Treibstoffen zu 
verringern, werden an 
den Einsatz alternativer 
Kraftstoffe und Antriebe 
im Verkehr hohe Erwar-
tungen gesetzt.
www.arbeiterkammer.at Wirtschaft & Umwelt  2/2019   Seite 21
Was verstehen Sie unter nachhal-
tigem Reisen?
Nachhaltiges Reisen hat vier 
Komponenten: Erstens die Umwelt 
so wenig wie möglich zu belasten, 
zweitens wirtschaftliche Einkommen 
für die Bevölkerung in den Ziel-
gebieten zu schaffen, drittens zur 
kulturellen Identität beitragen und 
viertens sozial verträglich sein – das 
betrifft im Speziellen die Arbeitsbe-
dingungen im Tourismus, aber auch 
ganz allgemein die Berücksichti-
gung der Menschenrechte.
Die größte ökologische Belastung 
des Tourismus liegt in der Mobilität 
– ohne die Verreisen natürlich nicht 
möglich ist. Dennoch sollte der CO2-
Fussabdruck so gering wie möglich 
sein, sei es durch klimaverträgliche 
Verkehrsmittel oder, wenn sich das 
Fliegen nicht vermeiden lässt, durch 
eine CO2-Kompensation, etwa über 
www.atmosfair.de.
Die Verantwortung der Umwelt und 
den Menschen gegenüber sollte 
man auch im Urlaub nicht zu Hause 
lassen. Riesige All-In Anlagen, die 
austauschbare Küche und keine 
Kontakte mit Land und Leuten 
bieten, tragen eher zur Urlaubs-Ent-
täuschung bei. Kleinere Unterkünfte 
dagegen schaffen Einblick ins Land 
und echte Urlaubserlebnisse.
Gibt es einen Trend in diese Rich-
tung? Wie groß ist der Anteil?
Ja, es gibt eindeutig eine stärke-
re Nachfrage nach nachhaltigen 
Angeboten – allerdings nicht unter 
diesem Titel. Menschen suchen mehr 
regionale Produkte und authenti-
sche Erlebnisse. Gesundheit und 
Entschleunigung wie eine intakte 
Urlaubsumwelt werden wichtiger. 
Aber als ‚nachhaltig‘ vermarktete Ur-
laubsprodukte würden wenig gekauft 
werden, weil die wenigsten wissen, 
was sich dahinter verbirgt. Nach-
haltigkeit taugt nicht fürs Marketing. 
Da es kein gemeinsames Label für 
nachhaltiges Reisen gibt, ist der 
wirkliche Anteil der interessierten Ur-
lauberInnen schwer einzuschätzen. 
Man spricht von 30–40 % in Europa, 
das entspricht in etwa der Größe 
der sozialen Schicht der LOHAS, 
der Menschen die einen Lifestyle of 
Health and Sustainability pflegen.
Was würde es brauchen, damit 
nachhaltiges Reisen zum Normal-
fall wird?
An erster Stelle eine ehrliche Stra-
tegie für nachhaltigen Tourismus! 
Der Neue ‚Plan T – Masterplan für 
Tourismus‘ in Österreich sagt zwar, 
dass Österreich zur nachhaltigsten 
Destination der Welt werden will – 
aber nicht alle genannten Schritte 
sind konkret. Wir brauchen auch 
bessere – mehr auf Nachhaltigkeit 
ausgerichtete – Erfolgsindikatoren für 
den Tourismus, jenseits der Nächti-
gungszahlen. Die unterschiedlichs-
ten Förderprogramme wie auch die 
Vergabe öffentlicher Gelder sollten 
einen ehrlichen Nachhaltigkeitscheck 
integrieren. Eine einfache Forderung 
zur Reduktion der CO2-Emissionen, 
die zudem auch mehr Erholung 
verspricht, wäre: Nur jedes zweite 
Jahr zu fliegen und dafür doppelt so 
lange zu bleiben. Dies scheitert oft 
an unflexiblen Urlaubszeitmodellen. 
Auch eine CO2-Steuer würde deutlich 
mehr Nachhaltigkeit im Tourismus 
bringen. Gefordert sind also gesamt-
gesellschaftliche Anpassungen, nicht 
nur kleine Korrekturmaßnahmen.
INTERVIEW MIT CHRISTIAN BAUMGARTNER, RESPONSE & ABILITY GMBH.   
NACHHALTIGES REISEN IST MÖGLICH
Urlaub ist die schönste Zeit im Jahr, dennoch ist das kein Grund, alle Rück-
sichtnahme auf Umwelt wie auf Menschen daheim zu lassen. Ökologischer 
Tourismus benötigt jedoch vielerlei Ansätze - Christian Baumgartner ist 
Spezialist auf diesem Gebiet und erklärt, wie es gehen könnte.
Christian Baumgartner ist Eigentürmer der response 
& ability Gmbh. und Professor für Nachhaltigen 
Tourismus an der Fachhochschule HTW Chur in der 
Schweiz.
Zum Nachlesen: 
UBA-Studie zur Ökobilanz alternativer Antriebe 
(2018): https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/
site/publikationen/DP152.pdf
        

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