Full text: Grünes Reisen (2)

neue Lkw ab 2030 mindestens 
30 Prozent weniger emittieren. 
In einem Zwischenschritt wird im 
Jahr 2025 vorerst nur minus 15 
Prozent abverlangt. Ergänzend 
ist eine Quote von 2 Prozent 
vorgesehen, die nur mit emissi-
onsarmen und emissionsfreien 
Fahrzeugen erfüllt werden kann. 
Bezugsbasis hierfür ist das Jahr 
2019 und jeweils 4 Lkw-Kate-
gorien, die rund 70 Prozent aller 
Lkw-Emissionen ausmachen. 
Die Vorgaben werden allgemein 
als ambitioniert angesehen, da 
emissionsfreie Antriebe (Was-
serstoff und Elektrizität) auf ab-
sehbare Zeit bei Lkw nicht ein-
satzreif (v.a. Versorgungsstruktur, 
Gewicht der Batterie) sind. Er-
wartet für die Zielerreichung wer-
den eher kleinere technologische 
Innovationen (Hybridisierung, 
Abgaswärmerückgewinnung, 
Assistenzsysteme) und verstärkt 
Motoren mit verflüssigtem Na-
turgas (LNG) als Antriebsenergie. 
FG
GLYPHOSAT 1
Glyphosatverbote in 
Diskussion
Seit 2018 bemüht sich Kärnten 
um ein Verbot des vermutlich 
krebserregenden Pestizids Gly-
phosat. Eine Studie des Univer-
sitätsklinikums in Essen kommt 
sogar zu dem Ergebnis, dass 
die Hilfsstoffe  glyphosathaltiger 
Pestizide einen schädigenden 
Einfluss auf das periphere Ner-
vensystem haben könnte. Ende 
März hat der Kärntner Landtag 
nun einstimmig das Verbot der 
Verwendung von Glyphosat 
und rund 200 weitere Pestizide 
für den privaten Gebrauch ab 
1. Jänner 2020 beschlossen. 
Damit ist Kärnten Vorreiter in der 
EU: es verbietet als erste europä-
ische Region, die Anwendung von 
Glyphosat und anderen Pestizi-
den im Haus- und Gartenbereich. 
Bereits 2018 wollte Kärnten ein 
generelles Verbot von Glyphosat 
beschließen, das auch die An-
wendung in der Landwirtschaft 
umfasst hätte. Dagegen äußerte 
die EU-Kommission aber ernste 
Bedenken. Daher arbeitete 
Kärnten einen neuen Vorschlag 
aus. In der Landwirtschaft und 
im nicht-privaten Bereich dürfen 
all diese Pestizide einschließlich 
Glyphosat zukünftig auch wei-
terhin verwendet werden. Im ös-
terreichischen Parlament brachte 
die SPÖ vor dem Sommer einen 
Fristsetzungsantrag zu einem 
generellen Glyphosatverbot ein, 
das breite Unterstützung fand.  SI 
www.arbeiterkammer.at Wirtschaft & Umwelt  2/2019   Seite 5
KOMMENTAR VON RUUD KLEIN
Kommentar
Weckruf der Jugend
Obwohl in Österreich die EU-Wahl von innen-
politischen Erdbeben überschattet war, kann 
man auch bei uns ein Ergebnis ganz klar 
erkennen – wenn man es denn sehen will: Die 
Jugend erwartet Antworten und konkrete Maß-
nahmen im Klima- und Umweltschutz. Bei den 
unter 29-Jährigen haben die Grünen die Wahl 
für sich entschieden. Ihnen trauen die jungen 
Menschen offensichtlich eher zu, die Klimakrise 
zu bewältigen, als allen übrigen Parteien. Bei ih-
nen konnte der junge Ex-Kanzler nicht punkten, 
seine Partei hat es nicht einmal „aufs Stockerl“ 
geschafft. In Deutschland – und anderen EU-
Ländern – ist die Botschaft noch deutlicher. 
Dort blieben die Regierungsparteien bei den 
Jungen jeweils deutlich unter 15 Prozent, wäh-
rend die Grünen mit rund 30 Prozent siegten. 
Wer sich wundert, was da läuft, muss nur die 
„Fridays for Future“-Demonstrationen in ganz 
Europa beobachten. SchülerInnen und Studie-
rende protestieren weltweit eindrucksvoll gegen 
das Versagen der politisch Verantwortlichen 
gegenüber dem Klimawandel. In Deutschland 
war der Klima- und Umweltschutz – bei allen 
WählerInnen – mit fast 50 Prozent das wichtigs-
te Thema, gefolgt von der sozialen Sicherheit, 
der Friedenssicherung und der Zuwanderung. 
Trotz der Dominanz der Innenpolitik liegt das 
Thema Klima- und Umweltschutz auch in Öster-
reich mit 31 Prozent gleichauf mit Sozialpolitik 
und Zuwanderung an erster Stelle. Bei den 
GrünwählerInnen und damit bei den Jungen war 
für zwei Drittel der Klima- und Umweltschutz 
das ausschlaggebende Wahlmotiv. Die Jungen 
haben also ganz eindeutig genug davon, dass 
die Regierungen in Europa die Klimakrise nicht 
ernst nehmen. Sie sprechen – wie der Youtuber 
Rezo in Deutschland, der kurz vor der EU-Wahl 
mit der CDU aufsehenerregend abgerechnet hat 
– von einem „lebenszerstörerischen Kurs“ der 
Politik. Die Politik wird – auf europäischer und 
nationaler Ebene – auf den Weckruf der Jugend 
reagieren und ihre eigenen Klimaziele endlich 
ernst nehmen müssen. Sie darf dabei jedoch 
die Frage der sozialen Gerechtigkeit nicht aus 
den Augen verlieren, wenn sie mehrheitsfähig 
bleiben will. SL
 
*Sylvia Leodolter ist Ökonomin und Leiterin der Abteilung 
Umwelt und Verkehr der Arbeiterkammer Wien.
        

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