Full text: Die makroökonomische Politik und die Lissabon-Strategie der EU (80)

ZUSAMMENFASSUNG UND EMPFEHLUNGEN
Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen möchte mit der vor-
liegenden Arbeit keine umfassende Halbzeitbewertung des Lissabon-
Strategie liefern, sondern vielmehr eine Lücke schließen. Denn die
zahlreichen, aus verschiedensten Quellen stammenden Beiträge zur
Halbzeitbewertung der Lissabon-Strategie vernachlässigen in ihrer
Analyse der enttäuschenden Entwicklung zumeist die Rolle der ma-
kroökonomischen Rahmenbedingungen, unter welchen diese Strate~
gie umgesetzt werden soll. Deshalb möchte der Beirat für Wirt-
schafts- und Sozialfragen in dieser Publikation die Bedeutung des
makroökonomischen Policy-mix darstellen und Verbesserungsvor-
schläge aufzeigen.
Die EU im globalen Umfeld
Die Erreichung einer dynamischen Wettbewerbsfähigkeit bedeutet
die Erzielung langfristig anhaltender hoher und steigender realer Ein-
kommen bei hohen Sozial- und Umweltstandards. Im globalen Stand-
ortwettbewerb ist Europa daher gezwungen, ein permanentes Upgra-
ding zu betreiben ~ alleine ein Kosten- und Preiswettbewerb mit den
weniger entwickelten Wirtschaftsräumen wäre weder sinnvoll noch Er-
folg versprechend.
Der Rat von Lissabon konstatierte ein Nachhinken Europas hinter
dem Einkommensniveau und der Wettbewerbskraft der amerikani-
schen Wirtschaft. Misst man das europäische Pro-Kopf-Einkommen
am Standard der USA, dann zeigt sich, dass das BlP je Einwohner in
der Eurozone bei nur 71% des Wertes für die USA liegt. Bei der für die
internationale Wettbewerbsfähigkeit wichtigeren Produktivität (BIP
pro Arbeitsstunde) ist der Abstand mit 9% deutlich geringer. Seit 1995
ist allerdings die Produktivitätsentwicklung in der EU weniger positiv
als in den USA.
Solche globalen Vergleiche bedürfen aber auch der Berücksichtigung
besonderer Eigenheiten der jeweiligen Modelle, welche sich üblicher-
weise nicht in einer numerischen Bewertung wieder finden. Das BIP als
Wohlstandsindikator weist daher z.B. im Hinblick auf die monetär un-
bewertet bleibende Freizeit eine Lücke auf, die einen wesentlichen Teil
des Nachhinkens Europas erklärt. Der andere Teil des Unterschiedes ist
mehr oder weniger auf eine Unterauslastung des Arbeitskräftepotenzi-
als (in Folge höherer Arbeitslosigkeit und höherer Nicht-Erwerbstäti-
genquote) zurückzuführen, die wiederum weitgehend durch einen
Mangel an wirtschaftlicher Dynamik bedingt ist.
Daraus ist abzuleiten, dass Europa sich nicht nur andere Länder als
Benchmark nehmen sollte. Die Entwicklung einzelner Faktoren aus der
23
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.