Full text: Die makroökonomische Politik und die Lissabon-Strategie der EU (80)

mcht in einer numerischen Bewertung eines typischen internationalen
Vergleichs (auch des Lissabon-Zieles) wieder finden. Daraus ist zu se-
hen, dass Europa sich nicht nur andere Länder als Benchmark nehmen
sollte. Die Entwicklung einzelner Faktoren aus der eigenen Vergangen-
heit (z.B. Produktivität, sozialer Zusammenhalt) bieten sich vornehm-
lich an. Die hier beschriebenen Hintergründe müssen den Entschei-
dungsträgern bei der Beurteilung, der Implementierung, der Überwa-
chung und der Bilanzierung der Lissabon-Strategie immer bewußt sein.
2. MAKROÖKONOMISCHE ANALYSE
2.1 Bedeutung des Wirtschaftswachstums
Die Priorität des Wirtschaftswachstums wird dadurch unterstrichen,
dass die meisten wirtschaftspolitischen Ziele bei hohem Wirtschafts-
wachstum leichter zu erreichen sind. Offensichtlich gilt das für das
Wiedererreichen der Vollbeschäftigung. Eine Verringerung der Arbeits-
losenquote setzt - je nach Entwicklung des Arbeitskräfteangebots - ein
BIP-Wachstum von mindestens 2,5% voraus. Auch die Leistungen des
Pensions- und Gesundheitswesens sind wesentlich leichter zu finanzie-
ren, wenn Produktivität und Beschäftigung steigen. Es besteht auch ein
deutlicher Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Bud-
getstabilisierung: Wenn die Wirtschaft rasch wächst, ist ein Budgetdefi-
zit leichter zu beseitigen.
Das Wirtschaftswachstum spiegelt die Wirtschaftskraft eines Landes
viel besser wider als etwa die Entwicklung der Exporte oder Marktan-
teile. Daher wurde in der Strategie von Lissabon auch eine Anhebung
des Wachstumspfades der Wirtschaft auf mindestens 3% postuliert. Die
wirtschaftlichen Erfolge der skandinavischen und angelsächsischen
Länder in den letzten 10 Jahren zeigen, dass es durchaus möglich ist, ein
solches hochgestecktes Ziel zu erreichen.
Für eine höhere Wirtschaftsdynamik Österreichs in der Zukunft
sprechen die Expansionschancen in den neuen Beitrittsländern, die stei-
genden Marktanteile österreichischer Firmen in Asien und den USA,
die günstige Entwicklung der industriellen Arbeitskosten sowie ange-
botsseitige Maßnahmen.
Eine Anhebung des Wirtschaftswachstums auf 3% pro Jahr erfordert
die konsequente Nutzung aller wirtschaftspolitischen Spielräume auf
nationaler und internationaler Ebene. Österreich muss zum Technolo-
giegeber, Headquarter-Standort und Anbieter hochwertiger Dienstleis-
tungen werden. Österreich wird diese Rolle im Zentrum Europas nur
spielen können, wenn es neben dem Humankapital hervorragende In-
frastruktur und Forschungseinrichtungen bieten kann (Aiginger 2004).
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