Full text: infobrief eu & international - Dezember 2013 (5)

Imp ressum: Herausgeber und Medieninhaber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Strasse 20-22 •  
Redaktion: Elisabeth Beer, Éva Dessewffy, Lukas Oberndorfer, Oliver Prausmüller, Miriam Rehm, Norbert Templ, Alice Wagner, Valentin 
Wedl • Kontakt: Lukas Oberndorfer, Norbert Templ, Alice Wagner • Layout und Satz: Julia Stern • Verlags- und Herstellungsort: 
Wien • Erscheinungsweise: 5 mal jährlich • Kostenlose Bestellung unter: http://wien.arbeiterkammer.at/euinfobrief
Editorial
In der Krise sind alle gleich? Keines­
wegs. Sie trifft nicht nur Arme und 
ArbeitnehmerInnen, sondern auch 
Frauen besonders hart. Diesen Um­
bau im Herrenhaus Europa thema­
tisieren E. Klatzer und Ch. Schlager 
gleich zu Beginn. Dass der damit 
verwobene Neoliberalismus wei­
terhin den Kurs des europäischen 
Instituti onen gefüges bestimmt, 
weist N. Templ mit zwei Beiträgen 
nach. Ein Kurs, der die industriellen 
Beziehungen in Kroatien schon vor 
dem Beitritt zur EU geprägt hat – so 
M. Mesch. Die ungleiche Betroffen­
heit durch die Krise zeigt sich auch 
international: Sprunghaft gestiege­
ne Spekulation mit Nahrungsmitteln 
(St. Ederer, Ch. Heumesser, K. Kübl­
böck, C. Staritz) und ausbleibende 
Kapitalzufuhr für Entwicklungsländer 
(T. Orischnig und C. Lakovits) treffen 
die Ärmsten der Armen besonders 
hart. Dass Deregulierung und ver­
schärfter Schutz von Investoren die 
soziale Sicherheit und den Umwelt­
schutz auch im Bereich des Handels 
zwischen „Industrieländern“ heraus­
fordern, erfahren wir durch Beiträge 
von E. Beer, Ch. Bellak, F. Ey und 
O. Prausmüller. Für Analyse und 
Auswege rekapituliert L. Sinowatz 
jüngste Entwicklungen im Bereich 
der Regulationstheorie. 
Viel Vergnügen beim Lesen!
Ihr Redaktionsteam
Die Europäische Union (EU) hat trotz mehr als 50 Jahren  
Inte grations- und Gleichstellungspolitik nach wie vor großen 
Aufholbedarf, um Geschlechtergleichstellung zu verwirklichen. 
Seit dem Ausbruch der Krise kam es zu weitreichenden Umgestal­
tungen der wirtschaftspolitischen Governance in der EU. Dies wird 
aber nicht zu mehr, sondern zu weniger Gleichstellung in Europa  
führen, argumentiert dieser Artikel. Christa Schlager und  Elisabeth Klatzer
Aufholbedarf bei der Geschlechtergleichstellung
Umbau im Herrenhaus 
Europa?
Im Juni 2013 hat das Europäische In-
stitut für Geschlechtergleichstellung 
(EIGE) seinen ersten europäischen 
Gleichstellungsindex veröffentlicht.1 
Der zusammengesetzte Gleichstel-
lungsindex liegt gegenwärtig bei 54 
von 100 möglichen Punkten, wobei 
100 Geschlechtergleichstellung be-
deuten würde. Die wichtigste Bot-
schaft daraus ist, dass die EU und 
ihre Mitgliedsländer erst auf halbem 
Weg in Richtung Gleichstellung sind. 
Von den sechs Bereichen, die der 
Indikator abbildet – Arbeit, Geld, 
Wissen, Zeit, Gesundheit und Macht 
– ist die Ungleichheit im Bereich der 
Macht, das heißt die Repräsentati-
on von Frauen in politischen, wirt-
schaftlichen und gesellschaftlichen 
Entscheidungspositionen weitaus am 
größten. Der Teilindikator ‚ökonomi-
sche Macht‘ hat in den meisten Mit-
gliedstaaten den niedrigsten Wert. 
Europäische Gleichstellungspo-
litik n Die wenigen Einflussmög-
lichkeiten von Frauen haben dazu 
geführt, dass Susanne Schunter 
Kleemann bereits die Europäische 
Gemeinschaft 1992 als ‚Herrenhaus 
Europa‘ bezeichnet hat. Die euro-
päische Gleichstellungspolitik ist 
von Beginn an von wettbewerbspo-
litischen Überlegungen geprägt. Su-
sanne Schunter-Kleemann betont, 
dass die Verankerung der Gleichstel-
lungspolitik in den römischen Verträ-
gen vor allem der Sorge Frankreichs 
geschuldet war, gegenüber anderen 
Staaten Wettbewerbsnachteile zu 
bekommen. Frankreich hatte sich 
damals nämlich als einziges Land 
gesetzlich zum Grundsatz des glei-
chen Entgelts verpflichtet.2 
Eine Legitimation gleichstellungspo-
litischer Maßnahmen über deren 
eu& 
internationalinfobrief
Ausgabe 5 | Dezember 2013 Aus dem Inhalt 
»
Umbau im Herrenhaus Europa? 1
Jahreswachstumsbericht 2014 5 
Transatlantische Handels-  
und Investitionspartnerschaft 7
Daseinsvorsorge als handelspolitische 
Verhandlungsmasse 10
Buchpräsentation: Fit für die Krise  11
Der Europäische Rat im Oktober 2013 14 
Finanzialisierung der Rohstoffmärkte 16
Arbeitsbeziehungen in Kroatien 21
Multilaterale Entwicklungsbanken  24
Europa und seine Think Tanks 27
        

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