Full text: Infobrief EU & International - Juni 2019 (2)

seite 40 | infobrief eu & international 2/2019 Buchbesprechung nationalen Regierungen mit den jeweiligen UnterstützerInnen enthielten hinsichtlich Lohn- und KVpolitik erstens Lohnstopps und -kürzungen im öffentlichen Dienst, zweitens das Einfrieren bzw. die Senkung des nationalen gesetzlichen Mindestlohns und drittens Veränderungen der gesetzli- chen Grundlagen des KVsystems, welche auf Dezentralisierung der KVverhandlungen und generell die De-Kollektivierung und De- regulierung der Lohnfindung hinausliefen. Die Schwächung der Institutionen des sozi- alen Dialogs mit dem Ziel der Senkung der Arbeitskosten und Stärkung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit trug mitnichten zu ei- ner rascheren wirtschaftlichen Erholung in diesen Ländern bei – ganz im Gegenteil: Die auferlegte Politik der „inneren Abwertung“ führte zu einer teils dramatischen Zunahme der Ungleichheit, wirkte deflationär und ver- schlimmerte die Schulden-, Wachstums- und Beschäftigungsprobleme zusätzlich. Die im vorliegenden Band dargelegten Bei- träge, welche die Sozialpartner im Rahmen des nationalen sozialen Dialogs im Allge- meinen und über die KV im Besonderen zur Eindämmung oder Verminderung verschie- dener Formen der Ungleichheit geleistet haben, sind wichtige Argumente für eine Aktivierung bzw. Aufwertung des nationa- len sozialen Dialogs, für eine Stärkung der KVsysteme und für eine überdurchschnitt- liche Anhebung gesetzlicher bzw. kollektiv- vertraglicher Mindestlöhne. Die zentrale politische Schlussfolgerung des Autors lautet daher: „The influence of collec- tive bargaining and social dialogue on key aspects of reforms (such as pensions, social security, working time, wages and subcon- tracting) and on inequalities … should thus give additional motivation to policy-makers and social partners to sustain and strengt- hen, rather than to weaken, social dialogue and collective bargaining, and to put them among the policy priorities“ (S. 55). Allen an Fragen der Arbeitsbeziehungen in der EU Interessierten und allen ÖkonomIn- nen und SoziologInnen, die sich mit Un- gleichheit und deren Auswirkungen befas- sen, ist dieser Sammelband sehr zu emp- fehlen. Michael Mesch, AK Wien Abteilung Wirtschaftswissenschaft michael.mesch@akwien.at 1 OECD, Employment Outlook 2004 (Paris 2004). 2 Gemäß der Definition der ILO beläuft sich die Niedriglohngrenze auf zwei Drittel des Medianlohns. 3 Atkinson, A. B., Inequality: What Can Be Done (Cambridge, MA, 2015). 4 Stiglitz, J.; et al., Rewriting the Rules of the American Economy (Roosevelt Institute, Washington, D. C., 2015).

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