Full text: Ältere im Betrieb (1)

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Wie auch aus anderen Untersuchungen bekannt, zeichnet sich der Handel durch eine
hohe Instabilität der Arbeitsverhältnisse aus. Beschäftigt sind überwiegend Frauen, viele
in Teilzeit oder in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen.
Hauptproblem älterer ArbeitnehmerInnen im Handel (Arbeiter und Angestellte) ist eine
Kombination von Überforderung einerseits bei gleichzeitiger Monotonie der Tätigkeit
andererseits. Verschärft wird diese Situation durch die Führungskultur in der Branche
und, damit verbunden, die mangelnde Anerkennung der Tätigkeit.
Maßnahmen müssen daher bei der Schulung der Führungskräfte und bei abwechs-
lungsreicheren Tätigkeitsprofilen anzusetzen.
Die Situation der Angestellten im Bauwesen kann als durchaus zufrieden stellend
bezeichnet werden. Anders verhält es sich mit den Arbeitern. Waren sie schon seit jeher
mit hohen gesundheitlichen Belastungen konfrontiert, so hat sich dies in den letzten
Jahren durch die Zunahme von Stress und Zeitdruck noch verschärft. Folge ist ein hoher
gesundheitlicher Verschleiß. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit, mit den neuen tech-
nologischen und organisatorischen Änderungen Schritt halten zu müssen und sich in
der (Lohn-)Konkurrenz zu behaupten (Subunternehmen, Leiharbeit...). 
Aufgrund der Arbeitsbedingungen im Bauwesen ist davon auszugehen, dass der Groß-
teil der beschäftigten Arbeiter auch in Zukunft vor dem Erreichen des gesetzlichen
Pensionsalters aus dem Erwerbsleben ausscheiden wird. Nichtsdestotrotz müssen
gesundheitsfördernde Initiativen verstärkt werden, wobei die Aufzeichnung der Arbeits-
zeit am Arbeitsort wenigstens eine gewisse Kontrolle ermöglichen würde und zu aus-
gewogeneren Arbeits- und Regenerationsphasen beitragen könnte. Auch sollten „hori-
zontale Karrieremöglichkeiten“ in weniger gesundheitsbelastende Bereiche entwickelt,
erprobt und umgesetzt werden. Ob die von Arbeitgebervertretern geforderte Abflachung
der Lohnkurve tatsächlich etwas zur Beschäftigungssicherheit beitragen könnte, ist an-
gesichts der ohnehin schon flachen Einkommenskarrieren bei Arbeitern höchst ungewiss.
Auch im Gesundheitswesen lässt sich eine merkliche Belastungszunahme in den letzten
Jahren feststellen, nicht zuletzt bedingt durch Reorganisation und Rationalisierung. Folge
ist eine häufige Überforderung, die sich bei ArbeiterInnen (AbteilungshelferInnen,
HausarbeiterInnen, ProfessionistInnen...) in einer resignativen Grundhaltung nieder-
schlägt, und bei den Angestellten (Pflegepersonal, Ärzte, Verwaltungspersonal) in 
einer Skepsis gegenüber der Führung allgemein und gegenüber dem Management 
im besonderen.
Selbst wenn mit dieser Stichprobenziehung nicht von Repräsentativität im statistischen Sinne
gesprochen werden kann, so sind die Betriebe doch Branchen entnommen, die ein gutes
Drittel der unselbständig Erwerbstätigen in Österreich beschäftigen. Nicht verschwiegen wer-
den soll allerdings, dass der beschäftigungsintensive öffentliche Bereich und das Unterrichts-
wesen in die Untersuchung keinen Eingang fanden.
Nimmt man die Verhältnisse in den Betrieben als symptomatisch für die Situation in der jewei-
ligen Branche, so können folgende Problemschwerpunkte identifiziert werden.
StudieEinzelseiten  27.07.2006  9:00 Uhr  Seite 5
        

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