Full text: Gender budgeting in Europa (99)

4
? Erarbeitung von qualitativen Mindeststandards für die adäquate Umsetzung von GB so-
wie Informations- und Bildungsarbeit für ein langfristiges GB-Konzept. 
? Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten, insbesondere zur Weiterentwicklung des 
Konzeptes Geschlechtergerechter Budgetgestaltung hinsichtlich der Teilhabe- und De-
mokratisierungsperspektive. 
? Stärkung des Partizipationsgedanken von GB und Einforderung von mehr Teilnahme-
möglichkeit für die Bevölkerung an budgetpolitischen Entscheidungen. 
1.4 Gender Budgeting. Geschlechtergerechte Budgetgestaltung – Eine kurze 
Darstellung des Konzeptes 
Unter Geschlechtergerechter Budgetgestaltung ist die Analyse und Gestaltung von Budgets aus 
der Gleichstellungsperspektive zu verstehen. Gefragt wird als Ausgangsbasis jeweils, ob eine bud-
getpolitische Maßnahme geschlechtsspezifische Benachteiligungen verstärkt, verringert oder un-
verändert lässt, und was die Ursachen für das Bestehen von Benachteiligungen sind. Gender Bud-
geting ist somit eine wesentliche Strategie, um Gleichstellungspolitik zu konkretisieren. Gender 
Budgeting stellt gleichzeitig einen unverzichtbaren Bestandteil von Gender Mainstreaming Strate-
gien dar. Solange die Budget- und Wirtschaftspolitik nicht nach Gender Gesichtspunkten analysiert 
und umgestaltet wird, bleiben Gleichstellungsanliegen Randerscheinungen im politischen Gesche-
hen. 
Budget- und Finanzfragen werden meist immer noch einigen wenigen PolitikerInnen und ExpertIn-
nen überlassen. Budgetzahlen, welche die Situation öffentlicher Haushalte beschreiben, werden zu 
oft als das Ergebnis von Sachzwängen präsentiert und gelten damit als unabänderlich. Dass diese 
Zahlen aber das Ergebnis gesellschafts- und geschlechtspolitischer Machtverhältnisse darstellen, 
wird durch die scheinbare Objektivität und Neutralität von Zahlen verschleiert. Ein geschlechtsspe-
zifischer Blick zeigt die enormen Auswirkungen der Budgetgestaltung auf das Leben von Frauen 
und Mädchen, Männern und Buben sowie auf die Verfestigung oder den Abbau ungleicher Bedin-
gungen und Strukturen zwischen ihnen. Die Frage, wie Budgets mit der Gleichstellung zwischen 
Frauen und Männern in Zusammenhang stehen, muss in den Mittelpunkt rücken. Dazu bedarf es 
einer Integration von Gleichstellungsfragen in die Budgetpolitik und des Einsatzes von Budgets 
zum aktiven Abbau der vielfältigen Benachteiligungen von Frauen. Genau das bedeutet die Umset-
zung von Gender Budgeting bzw. Geschlechtergerechter Budgetpolitik. 
Geschlechtergerechte Budgetgestaltung bedeutet aber auch, neue Möglichkeiten der Mitgestaltung 
zu eröffnen: Die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und Männern an allen Entscheidungspro-
zessen ist daher ein wesentlicher Bestandteil von Gender Budgeting. Damit BürgerInnen erkennen 
können, wo über Budgets Geschlechterverhältnisse generiert, manifestiert oder geändert werden 
und geändert werden könnten, ist Transparenz notwendig. Geschlechtergerechte Budgetgestaltung 
muss von frauen- und gleichstellungspolitisch engagieren Teilen der Zivilgesellschaft initiiert und 
gefordert, aber auch mitgestaltet, beobachtet und evaluiert werden (können). 
Eine Herausforderung für Gender Budgeting ist die Tatsache, dass Verwaltung und Wissenschafts-
betrieb stark patriarchal geprägte Systeme sind. Vor diesem Hintergrund aktiv zur tatsächlichen 
Gleichstellung von Frauen und Männern beizutragen, erscheint die Unmöglichkeit per se. Gender 
Budgeting ist jedoch von der Überzeugung getragen, dass Institutionen veränderbar sind und e-
manzipatorische Prozesse mit und aus den bestehenden Verhältnissen hervorgehen können.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.