Full text: Die neue Weltwirtschaftskrise - Ursachen, Folgen, Gegenstrategien (106)

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Abbildung 29:  
„Kreditfäulnis“     Bankbilanzen         Vertrauen der Banken
Wechselkurs der Schuldnerwährungen
Kreditzins                                 Geldmarktzins
Regelkreis/Rückkoppelungen IV
Rettungspakete
BIP in Schuldnerländern
 
 
Beispiel 4: Der "Fäulnisprozess" von Bankkrediten in Fremdwährung an Unternehmen und 
Haushalte wird durch die Wechselkursentwicklung massiv verstärkt. Dies betrifft insbesondere 
Kredite in Euro, Schweizer Franken oder Dollar an Schuldner in osteuropäischen Ländern. 
Durch die Abwertung ihrer Währungen steigt die reale Schuldenlast massiv, dies zieht eine 
Verschlechterung der Wirtschaftslage nach sich, welche den Abwertungsprozess verstärkt 
(Abbildung 29). Gleichzeitig verschlechtert der "Fäulnisprozess" das Vertrauen der Banken, sie 
erhöhen die Kreditkosten und dies wirkt auf den Fäulnisprozess zurück. 
5. Szenario einer massiven Verschärfung der Krise 
In einer Situation hoher Unsicherheit ist es besonders wichtig, dass die Wirtschaftpolitik heute 
versucht, mögliche "worst-case"-Entwicklungen in der Zukunft "prophylaktisch" zu verhindern 
oder wenigstens wesentlich abzumildern. Sie sollte sich daher an der ungünstigsten künftigen 
Entwicklung orientieren, freilich unter plausiblen Annahmen. Darauf abgestimmt sind jene 
Maßnahmen zu wählen, welche auch bei Nicht-Eintreffen des (plausiblen) "worst case" 
sinnvoll sind ("no-regret-strategies"). Im Folgenden soll ein solches Szenario und seine Etappen 
knapp skizziert werden: 
• Angesichts von Millionen leer stehender Häuser setzt sich der Verfall der Immobilienpreise 
in den USA im Jahr 2009 stetig fort. Dies gilt auch für die Delogierungen, ihr Tempo nimmt 
aber als Folge staatlicher Unterstützung für verschuldete Hausbesitzer ab. Gemeinsam mit 
der schon realisierten Entwertung des Aktienvermögens und der steigenden 
Arbeitslosigkeit lässt dies den Konsum in den USA weiter leicht schrumpfen (mit einer 
Jahresrate von 2% bis 3%). 
• Die Maßnahmen der US-Fiskalpolitik stimulieren die Wirtschaft viel schwächer als erhofft, 
weil die Steuersenkungen weitgehend gespart werden und die öffentlichen Investitionen 
erst im Jahr 2010 in nennenswertem Umfang in Angriff genommen werden. Die 
Investitionen der Unternehmen sinken drastisch, ebenso der Wohnbau. Bei bestenfalls 
stagnierenden Exporten schrumpft die US-Wirtschaft weiter. 
• Angesichts des bereits "verschossenen Pulvers" der Geld- und Fiskalpolitik verstärken sich 
protektionistische Tendenzen in den USA massiv. Sie richten sich nicht nur gegen 
Billigimporte aus China und anderen asiatischen Ländern, sondern insbesondere auch 
gegen die EU und Japan. Der Wechselkurs des Dollars wird "heruntergeredet".
        

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