Full text: 1990 - 1997 (3)

Forderung: ‚Gut, das ist das Stück Brot, wo aber ist der ganze Laib?‘, und der Vorarbeiter 
antwortet: ‚Also Streik‘. 
Arbeiter verlassen die Fabrik ist eine Abfolge von genauen Bildlektüren. Farocki entnimmt 
den Bildern ein ihnen einbelichtetes gesellschaftliches Wissen, ohne sie in der Lektüre einer 
forcierten Deutung unterzuordnen. Darin ist der Film beispielhaft für Farockis Verfahren, den 
Bildern selbst argumentatives Potential zuzusprechen. Bei der Montage lässt er sich von 
dem leiten, was sich in ihnen artikuliert: Von den Marschblöcken, in denen die Arbeiter 1934 
bei Siemens diszipliniert sind, kommt er zu Langs Metropolis mit seinen Formationen in Reih 
und Glied, vom prominenten Motiv des Streiks zu einem Werbefilm, der die Sicherung des 
Fabrikgeländes durch automatisch hochfahrende Sicherheitsschranken propagiert. Über die 
motivische Ähnlichkeit zwischen Fabrikausgang und Gefängnistor und die Gemeinsamkeit 
beider gesicherter Architekturen ist auch Gefängnisbilder schon in Arbeiter verlassen die 
Fabrik angelegt: ‚Wo einmal die erste Kamera stand, da sind heute hunderttausende von 
Überwachungskameras zur Stelle.‘ 
Der Film ist 1995 zum hundertsten Geburtstag des Kinos entstanden; für eine Ausstellung, 
die Anfang 2006 in der Wiener Generali Foundation und im Frühjahr 2007 in der Berliner 
Akademie der Künste stattfand, hat Farocki erneut an Arbeiter verlassen die Fabrik 
angeschlossen und den Film - nun in Monitoren installativ nebeneinander arrangiert - um 
weitere Ausfertigungen des Motivs ergänzt.“ 
 
Quelle: http://www.kunst-der-vermittlung.de/dossiers/fruehes-kino/farocki-arbeiter-verlassen-
die-fabrik/
        

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