Full text: Fremdenrecht

197 VIII. Aufenthalt und Integration 1. Allgemeines 1.1 Integration durch Zwang? Ist von ausländischen Staatsangehörigen die Rede, wird kein anderer Begriff seit Jahren häufiger strapaziert als jener der Integration. Das war nicht immer so. Lange Jahre war die Integration von Zugewander- ten kein Thema. AusländerInnen wurden offiziell nämlich nicht als Zugewanderte, sondern bloß als temporär aufhältige GastarbeiterIn- nen angesehen. Erst mit dem Bewusstseinswandel, den Aufenthalt ausländischer Staatsangehöriger nicht nur als vorübergehend, sondern als dauerhaft zu begreifen, rückte das Thema Integration stärker ins Blickfeld. Die einen verstehen Integration als einen Auftrag an Individuen, wäh- rend andere die Integration als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen, die mit einem Wandel der staatlich-institutionellen und gesell- schaftlichen Verhältnisse einhergehen muss. Die Bandbreite der Posi- tionen bewegt sich zwischen Integration als Assimilation und Integra- tion als Schaffung von Rechts- und Chancengleichheit. Häufig werden auch beide Positionen miteinander verbunden, indem von MigrantIn- nen bestimmte Integrationsleistungen eingefordert werden und zu- gleich die Notwendigkeit einer aktiven staatlichen Integrationspolitik betont wird. Seit 2003 hat sich ein neuer Trend entwickelt: Wurden in der Vergan- genheit Integrationsmaßnahmen vor allem informell durchgeführt, be- greift der Gesetzgeber Integration zunehmend als Regelungsgegen- stand. Sowohl im österreichischen als auch im europäischen Recht lassen sich dabei verschiedene Integrationskonzepte ausmachen: • Die Integration soll durch einen sicheren Rechtsstatus und durch weitgehende Gleichbehandlung gefördert werden. Integrationspoli- tik ist nach diesem Konzept die Schaffung von Rechts- und Chan- cengleichheit. Integration wird als gesamtgesellschaftliche Aufga- be angesehen, die Herausforderungen an MigrantInnen wie an die Aufnahmegesellschaft gleichermaßen stellt. • Ein abgesichertes Aufenthaltsrecht oder die Einbürgerung soll die Belohnung für einen abgeschlossenen Integrationsprozess sein. Die staatliche Integrationspolitik beschränkt sich auf informelle Maßnahmen (zB Subvention von Sprachkursen). „Sich zu integrie- Fremdenrecht.indb 197 06.09.18 15:15

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