Full text: Gering qualifiziert in der "Wissensgesellschaft" - lebenslanges Lernen als Chance oder Zumutung?

Lebenslanges Lernen und gerimg Qualifizierte 23 4. LEBENSLANGES LERNEN UND GERING QUALIFIZIERTE Wie bereits ausgeführt hat die Bildungsexpansion und das damit zusammenhängende Ansteigen des allgemeinen Bildungsniveaus, nicht nur die Zahl der gering Qualifizier- ten verringert und ihre Zusammensetzung verändert sondern auch deren Wahrnehmung. Damit wird darauf hingewiesen, dass strukturelle Veränderungen in der Erstausbildung Auswirkungen auf die Bewertungen von Abschlüssen und die Wahrnehmungen von Personengruppen auf dem Arbeitsmarkt durch entscheidende Akteure, wie etwa die Beschäftigter, haben. Hinzu kommt aber, dass auch Veränderungen in den gesellschaft- lichen Diskursen über Bildung stattgefunden haben und auch diese Effekte auf die Wahrnehmung bestimmter Ressourcen und Personengruppen ausüben. Die entschei- dende Veränderung ist dabei mit der Diskussion über das Entstehen einer sog. „Wis- sensgesellschaft“ und davon abgeleitet auf einer konkreteren Ebene über das „lebens- lange Lernen“ als zentrale Anforderung an alle Beschäftigten entstanden. In diesem Abschnitt geht es daher darum, nachzuzeichnen, was das „lebenslange Lernen“ von früheren Konzepten der beruflichen und allgemeinen Bildung unterscheidet, welchen Stellenwert gering qualifizierte Personengruppen in diesen Konzepten einnehmen und welche Auswirkungen dieser Diskurs auf diese Gruppe hat. 4.1. Charakteristika von „Lebenslangem Lernen“ – was ist neu? Im Kern impliziert das Konzept des „lebenslangen Lernen“, wie schon der Begriff nahe legt, die Festlegung, dass berufliche und/oder allgemeine Bildung (wobei der Schwer- punkt auf ersterem liegt) nicht auf abgegrenzte Phasen der beruflichen Biographie beschränkt bleiben kann, sondern kontinuierlich über die gesamte Lebenszeit zu erfolgen hat. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens herrscht diesbezüglich darüber, dass diese Anforderungen sich gewissermaßen zwingend aus dem gesellschaftlichen Strukturwandel, der technologischen Entwicklung sowie der Veränderung der internati- onalen Arbeitsteilung ergeben. Entsprechende Veränderungen der beruflichen Aus- und Weiterbildungssysteme in Richtung „lebenslanges Lernen“ erscheinen in diesem Lichte als zentrale Herausforderungen zur erfolgreichen Bewältigung des Wandels, zur Aufrechterhaltung der (internationalen) Wettbewerbsfähigkeit und zur Sicherstellung von Wirtschaftswachstum (vgl. etwa Biffl 2007: 6). Obwohl auch soziale und demo- kratiepolitische Aspekte genannt werden, wird die Notwendigkeit zu lebenslangem Lernen doch weitgehend aus einem allgemeinen Ansteigen der Qualifikationsanforde- rungen in der Arbeitswelt sowie deren raschem Wechsel abgeleitet. In einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt müssen demnach auch die Erwerbstätigen bildungsmäßig flexibel bleiben, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Ausgehend von den Definitionen der EU-Kommission wird das Konzept in den einzelnen Mitgliedsländern umgesetzt. Zu Beginn der Ausarbeitung bildeten die Säulen Beschäftigungsfähigkeit, Unternehmergeist, Anpassungsfähigkeit und Chancengleich- heit die Basis des Konzepts und damit lag auch definitorisch der Schwerpunkt auf der

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