Full text: Bildungsschranken aktiv überwinden

58 Mein Papa hat mich vor jeder Prüfung aufgerichtet und gesagt: Es ist egal wie die Prüfung ausfällt, egal ob du sie schaffst oder nicht. Hauptsache, du bist gesund. Das Problem ist, dass es bei diesen großen Prüfungen um ein Jahr geht. Wenn es schief geht, muss man die Prüfung nach einem Jahr wiederholen. Die Prüfungen dauern sieben Stunden. Da raucht der Kopf, das ist eine psychische Belastung, man will ja Arzt werden. Früher war das anders, da konnte man wiederholen, aber jetzt hat man im Laufe des Jahres sechs verschiedene Prüfungen und alle auf einmal muss man dann am Ende des Jahres nochmals schaffen. Schaffst du davon eine nicht – das ist die einzige Ausnahme - dann darfst du das eine Fach wiederholen. Schaffst du zwei nicht, musst du alle sechs Fächer wiederholen. Das ist dann so: Vier hast geschafft, zwei nicht, also musst du nochmals alles lernen. Früher waren trotzdem vier Fächer erledigt. Jetzt musst du wieder alles von A bis Z machen. Also ich muss sagen, das war eine ganz wichtige Unterstützung von der Arbeiterkammer, eine positive Überraschung, die es mir ermöglicht hat, mein Medizinstudium ohne zusätzlichen Stress zu beenden.“ Die Aussagen dieser Medizinstudentin unterstreichen, wie schwierig es für Studierende ohne finanziellen Background ist, ein Studium in der vorgesehenen Studiendauer zu bewältigen. Weil die Studentin zu Beginn ihrer Hochschullaufbahn eine Prüfung nicht im vorgegebenen Zeitraum schaffte, wurde ihr das Stipendium gestrichen. So war sie bis zur Beihilfe der AK gezwungen nebenbei zu arbeiten, was sich jedoch auf Dauer mit einem Vollzeitstudium nicht wirklich vereinbaren lässt. Ihre Uninformiertheit im Bezug auf Fristen hat letztlich dazu geführt, dass sie ihren Anspruch auf das Stipendium verloren hat. Das wiederum wirkte sich aufgrund der knappen finanziellen Mittel ihres Vaters äußerst negativ auf ihre Gesamtsituation aus. Wenn Studierende aus sozial benachteiligten Haushalten den Anspruch auf Stipendium verlieren, führt das zu einer Reihe von Problemen. Auffallend ist, dass viele meiner GesprächspartnerInnen zu Beginn ihrer Ausbildung Schwierigkeiten

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