Full text: Mitbestimmung in Europa (11)

Arbeit&Wirtschaft 11/2006 Hintergrund 11 haben die Mitarbeiter das Recht, mindes- tens zwei Vertreter in den Verwaltungsrat zu entsenden. In Unternehmen mit 1000 Beschäf- tigten oder mehr müssen drei Sitze für Gewerkschaftsmitglieder zur Verfügung stehen. Am häufigsten anzutreffen sind Unternehmen mit einem siebenköpfigen Verwaltungsrat, von denen zwei die Ar- beitnehmerseite vertreten. In Dänemark ist eine Drittelbeteili- gung für alle Unternehmen mit mindes- tens 35 ArbeitnehmerInnen vorgesehen. Daneben gibt es noch so genannte Koo- perationsausschüsse, die paritätisch be- setzt sind, weit reichende Rechte im Un- ternehmen haben und sowohl von Ar- beitnehmer- als auch von Arbeitgebersei- te stark unterstützt werden. Etwas kom- plizierter ist die Unternehmensmitbe- stimmung in Finnland geregelt. Einerseits ist Arbeitnehmermitbestimmung in Un- ternehmen mit mehr als 150 Beschäf- tigten gesetzlich vorgesehen. Andererseits hat die konkrete Festlegung der Anzahl der Vertreter und der Frage, in welches der verschiedenen Gremien (Aufsichtsrat, Vorstand, Managementausschuss) die Entsendung erfolgt, durch Vereinbarung zwischen dem Unternehmen und der Be- legschaft zu erfolgen. Wenn keine Ver- einbarung zustande kommt, kann die Anwendung von gesetzlichen Mindestan- forderungen verlangt werden. Vorbildmodell? Offenbar war dieses in Finnland seit 1990 bestehende Modell Vorbild für die Grundstruktur der Richtlinie zum Euro- päischen Betriebsrat und diese wiederum für die Richtlinie über die Arbeitnehmer- beteiligung in der Europäischen Aktien- gesellschaft. Auch nach diesen Richtlinien soll die Rechtsstellung der ArbeitnehmerInnen und ihrer VertreterInnen vorrangig durch Vereinbarung geregelt werden. Nur wenn eine solche nicht zustande kommt, treten gesetzliche Standards in Kraft. Die Anforderungen an die Beteiligten sind bei diesem System hoch. Neben Or- ganisationstalent, Verhandlungsgeschick, Diplomatie und Fremdsprachen-Know- how sind umfangreiche rechtliche Kennt- nisse von Nutzen. Die Ausbildung von Arbeitnehmer- vertreterInnen gewinnt daher immer mehr an Bedeutung. © P la ßm an n

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.