Full text: Mitbestimmung in Europa (11)

Arbeit&Wirtschaft 11/2006 Meinung 21 schaftspolitischer Deregulierung wider. Gerade im Zeichen der Globalisierung kann diese Diskrepanz und das daraus resultierende Vakuum arbeits- und sozi- alpolitischer Instrumente und Regulie- rungen eben nicht mit freiwilligen CSR- Statements beseitigt werden. Selbst In- ternationale Rahmenabkommen der Global Unions mit transnationalen Kon- zernen können nur als Vehikel, aber nicht als Ersatz notwendiger internationaler Regelungen und nationaler Implemen- tierung verstanden werden. Schließlich nutzen Unternehmen die Existenz von CSR-Papieren dazu, um zu behaupten, dass damit eine Gewerkschaft oder gewerkschaftliche Interessenvertre- tung obsolet sei, da ja die Unternehmens- politik schon Sorge für die Beschäftigten trage. Diese Argumentation verweist auf den Kern der CSR-Strategie. Im besten Fall könnte man von einem antiquierten Paternalismus sprechen, doch geht es in Wirklichkeit um die eigene Imagepflege und Angriffe auf die Gewerkschaften. Sozialromantizismus Das Interesse an CSR basiert auf dem Irrtum, zu meinen, dass eine Versöhnung von Shareholder- und Stakeholder-Inter- essen möglich ist. Dieser Sozialromanti- zismus verkennt, dass der ultimative Un- ternehmensauftrag in der Profitmaximie- rung liegt. Dies erst recht in Zeiten des Finanzmarkt-Kapitalismus. Dafür und nicht für soziale Wohltaten werden Ma- nager (über-)bezahlt. Das ist systemlo- gisch auch kein Vorwurf und kann durch- aus bedeuten, dass Unternehmen soziale Initiativen unterstützen, dass Konzerne aus wohl verstandenem Eigeninteresse den kooperatistischen Dialog – in einigen Regionen der Welt und da meist vor dem Hintergrund gut organisierter Beleg- schaften, starker Gewerkschaften und le- gislativer Rahmenbedingungen – der konfliktorischen Auseinandersetzung vorziehen. Das ändert allerdings nichts an der Notwendigkeit, den Interessen- gegensatz Kapital – Arbeit durch Aner- kennung und vertragliche Vereinba- rungen mit Gewerkschaften weltweit aus- zugleichen. Wort und Tat In Tat und Wahrheit gilt für den globalen Kontext das gleiche wie für die nationale Ebene. Ohne Anerkennung der Gewerk- schaften als Tarif- und Verhandlungspart- ner, ohne gemeinsam ausgehandeltes Ab- kommen zwischen den beiden Interes- sengruppen lässt sich eine glaubhafte Social Responsibility von Unternehmen nicht begründen. © P la ßm an n

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