Full text: Die digitale Gesellschaft (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2008 Schwerpunkt 11 L ohnverrechnung nach Indien out- gesourct, Leistungsbeurteilung in der holländischen Zentrale, der Datenserver für das Business Intel- ligence Centre steht in der US-amerika- nischen Tochtergesellschaft und das Kun- denservice wird über das mehrsprachige Call-Center in der Schweiz abgewickelt. Das ist nicht Fiktion, sondern in manchen Betrieben bereits Realität. Zugleich sollen – geht es nach den Wünschen des Ma- nagements – die Daten der einzelnen Mit- arbeiterInnen bis hinauf in die höchsten Ebenen der Konzernleitung einsehbar und von dort auch steuerbar sein. Angesichts der wachsenden Unübersichtlichkeit in der Organisationsstruktur von Konzernen und dem zunehmenden Datentransfer ergeben sich neue Herausforderungen in der Betriebsratsarbeit. Datenzentralisierung ManagerInnen wollen ihre internationa- len Gesellschaften einheitlich steuern und dazu benötigen sie die Daten zentra- lisiert und vergleichbar an einem Stand- ort gesammelt, an allen Standorten ein- sichtig. Leistungsvergleiche sollen Pro- duktivität steigern. Zentralisierte Lohnverrechnung soll Synergieeffekte schaffen. Soweit die Management-The- orie. Von Seiten der ArbeitnehmerInnen betrachtet bedeutet das einen verschärf- ten Wettbewerb bis in die kleinsten Ab- teilungen. Es bedeutet, dass die persön- lichen Daten einzelner MitarbeiterInnen von Personen eingesehen werden, die sie kaum oder gar nicht kennen. Fünf Ebe- nen über der nationalen Abteilungslei- tung wird entschieden, wer versetzt wird, wer eine Leistungsprämie bekommt, wer interne Weiterbildung erhält oder auch wer gekündigt wird. Was darf verwendet werden? Nicht alles, was der/die ArbeitgeberIn an MitarbeiterInnen-Daten um den Globus schickt, ist gleich verboten. Es gibt zwei wesentliche Kriterien, die den Daten- transfer unbedenklich machen. 1. Sind die Daten öffentlich zugänglich (z. B. im Telefonbuch) oder anonymisiert (z. B. in einer Statistik) darf sie jede/r verwenden. 2. Manche Daten müssen laut Gesetz er- fasst und weitergeleitet werden (z. B. Krankenstände an die Sozialversiche- rung). Der Bundeskanzler hat in einer sogenannten Standardverordnung1 genau festgelegt, welche personenbezogenen Daten von dem/der ArbeitgeberIn festge- halten werden dürfen, und an wen diese Daten weitergeleitet werden dürfen. Zum Beispiel dürfen die Arbeitszeitdaten nur an das Arbeitsinspektorat, den Betriebsrat (BR), Sicherheitsvertrauenspersonen, RechtsvertreterInnen oder Gerichte wei- tergegeben werden. Das Geburtsdatum geht wiederum die Bank nichts an. Die Höhe des Gewerkschaftsbeitrages darf – nach Bekanntgabe durch die Betroffenen – nur der zuständigen Bank, der angege- benen Gewerkschaft, Rechtsvertrete- rInnen und Gerichten zugänglich sein. Die Liste in der Standardverordnung ist sehr ausführlich und umfasst alle gän- gigen Daten der Personalverwaltung. Es ist darin eindeutig festgelegt, wer welche Daten erhalten darf. Üblicherwei- se kommt man damit aus. Es empfiehlt sich, regelmäßig zu überprüfen, ob die Daten auch ausschließlich für den ihnen zugedachten Zweck – nämlich ausschließ- lich die Personalverwaltung – verwendet werden. Autorin: Clara Fritsch Mitarbeiterin der GPA-DJP, Abteilung Arbeit & Technik Datenschutz im Konzern ArbeitgeberInnen sind berechtigt bestimmte Daten zu sammeln, allerdings nicht unbegrenzt – Betriebsrat und MitarbeiterInnen haben Mitspracherecht. i n f o & n e W s Mehr Informationen zum innerbetrieb- lichen Datenschutz bietet die aktuelle Broschüre der GPA-DJP: »Fahren sie nach Indien! Ihre Daten sind schon dort. In- formationen und Handlungshilfen zum grenzüberschreitenden Datenverkehr« W e B l i n k s Mitglieder können die gedruckte Broschüre bestellen unter martina.tossenberger@gpa-djp.at oder von der Homepage www.gpa-djp.at downloaden unter Arbeitsgestaltung Arbeitsorganisation 1 BGBl. II Nr. 201/2000 und Novelle BGBl. II Nr. 232/2003

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