Full text: Die digitale Gesellschaft (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2008 Wirtschaft&Arbeitsmarkt 33 treffend einer Frauen- bzw. Männerquo- te (33,5 bis 50 Prozent) für die Verwal- tungsräte von Unternehmen eingeführt. Dieses Gesetz ist mit 1. Jänner 2006 in Kraft getreten und hat den Unternehmen eine zweijährige Übergangsfrist zur Um- setzung der erforderlichen Quote ge- währt. Der Verwaltungsrat, auch Board genannt, ist im Gegensatz zum österrei- chischen dualistischen System – Vorstand bzw. Geschäftsführung und Aufsichtsrat sind getrennte Organe – sowohl für die Geschäftsführung als auch die Überwa- chung und Kontrolle der Unternehmens- führung zuständig. Norwegen straft bei Nichteinhaltung Norwegen sieht auch strenge Strafen für die Nichteinhaltung vor. Als primäre Rechtsfolge kann eine monetäre Verwal- tungsstrafe gesetzt werden. Falls die Un- ternehmen die Bestimmungen weiterhin nicht einhalten, kann es jedoch zur Zwangsliquidation kommen. Am 1. 1. 2008 sind bereits 78 Prozent der Gesell- schaften dem Gesetz nachgekommen. Der norwegische Corporate Gover- nance Kodex enthält eine Empfehlung zur Zusammensetzung und Unabhängig- keit des Verwaltungsrats, wobei beson- deres Augenmerk auf eine ausgewogene Verteilung der Verwaltungsmandate auf beide Geschlechter zu legen ist. Eine weitere interessante Maßnahme ist eine zertifizierte Datenbank der nor- wegischen Wirtschaftskammer, welche empfohlene Verwaltungsratskandida- tinnen enthält. Die Unternehmen kön- nen dann bei der Nominierung auf einen umfassenden Pool an kompetenten und hochqualifizierten Frauen zugreifen. Durch all diese Maßnahmen konnte der Frauenanteil in den norwegischen Verwaltungsräten deutlich gesteigert wer- den und liegt derzeit bei beachtlichen bei 40 Prozent (2004: 22 Prozent). Weil es in Schweden im Jahr 2002 nur 6,1 Prozent weibliche Verwaltungs- ratsmitglieder in börsenotierten Aktien- gesellschaften gab, trat die zuständige Ministerin mit der Ankündigung an, ein Gesetz nach norwegischem Muster ein- zuführen. Im Sommer 2006 schließlich legte die von der Regierung beauftragte Professorin Catarina af Sandeberg ihren Gesetzesentwurf vor. Dieser sieht vor, dass jedes Geschlecht mit mindestens 33,3 Prozent in den Verwaltungsräten von bör- senotierten Publikumsgesellschaften und Kapitalgesellschaften, an denen der Staat eine 100-Prozent-Beteiligung hält, ver- treten sein muss. Das Gesetz hätte mit 1. Jänner 2008 in Kraft treten sollen. Als Sanktionsmöglichkeiten wurden eine Verwaltungsstrafe in der Höhe von 16.000 Euro sowie ein Vermerk im Fir- menbuch vorgesehen. Im Herbst 2006 kam es jedoch zu einem Regierungswech- sel und damit wurde dieser Gesetzesent- wurf auf Eis gelegt. Die neue konserva- tive Regierung vertraut auf »Kompetenz anstatt auf eine gesetzliche Quote«. Corporate Governance Kodex Einen Beitrag zur Stärkung der Frauen im Verwaltungsrat leistet auch der seit 1. Juli 2005 auf börsenotierte schwedische Gesellschaften anzuwendende Corporate Governance Kodex. Er legt fest, dass die Gesellschaften eine ausgewogene Vertei- lung auf Frauen und Männer anzustreben haben. Außerdem müssen schwedische Kapitalgesellschaften seit 2006 im Jahres- abschluss erklären, inwieweit beide Ge- schlechter im Verwaltungsrat, in der Ge- schäftsführung und unter den leitenden Angestellten vertreten sind. Beachtlich ist, dass die Ankündigung der Geschlechter- quote, die begleitenden Maßnahmen und die Diskussion rund um das Thema zu einer deutlichen Erhöhung des Frauenan- teils auf rund 23 Prozent geführt haben. Selbst in Spanien wurde bereits 2007 eine gesetzliche Geschlechterquote von mindestens 40 Prozent bis maximal 60 Prozent in den Gremien von staatlichen und privaten Kapitalgesellschaften für Verwaltungsräte beschlossen. Den Unter- nehmen wird eine achtjährige Übergangs- frist gewährt. 2006 betrug der Frauen- anteil in den Gremien nur 4,1 Prozent. Spanien setzt auf Freiwilligkeit In Spanien können die Unternehmen ab 2007 freiwillig auf eine ausgewogene Ver- teilung von Männern und Frauen in den Verwaltungsräten im Rahmen des Corpo- rate Governance Kodex achten. In diesem Fall müssen sie eine entsprechende Erklä- rung (über Anteile, Gründe und eventu- elle Maßnahmen, falls nur wenige oder gar keine Frauen vertreten sind) im Kodex abgeben. Die ersten Erklärungen sind für das erste Halbjahr 2008 zu erwarten. Auch in der Schweiz, in Frankreich, Finnland und Dänemark gibt es mehr oder weniger weit gediehene Initiativen für ei- ne gesetzliche Geschlechterquote, um die Präsenz von Frauen in den Aufsichts- bzw. Verwaltungsräten zu erhöhen. In Europa liegt der Frauenanteil in den Aufsichts- bzw. Verwaltungsräten bei durchschnittlich 8,5 Prozent. Grafik: »Verteilung im Aufsichts- rat«: Die Aufsichtsratsverteilung zeigt ein ähnlich trauriges Bild. Nur 9,0 Prozent der Aufsichtsratsmandate entfallen auf Frauen.

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