Full text: Die digitale Gesellschaft (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2008 Aus AK und Gewerkschaften 38 E in Schreib-Arbeiter, der die Re- volution ausruft. Ein Nachtpor- tier mit einem seltsamen Doppel- leben. Eine Frau, die ihr Selbst- bewusstsein an einer Supermarktkasse wiedergewinnt. Ein Postler, der sein ei- genes Postamt überfällt. Junge Frauen und Mädchen, die an einer Virginity- Show teilnehmen. Eine Büroangestellte, die ein zufälliges Date mit George Cloo- ney hat. Sie und noch viele andere treffen auf die »Rote Lilo« und den »Wolfs- mann«. Der Ort dieser insgesamt 33, auf den ersten Blick teilweise seltsamen Be- gegnungen: die Arbeitswelt. Wenn nun die AkteurInnen der im Rahmen des Li- teraturprojektes »Der Duft des Doppel- punktes« entstandenen Anthologie »Rote Lilo trifft Wolfsmann« ihre Geschichten »offenbaren«, hämmerten, hobelten und feilten die TeilnehmerInnen im Laufe von zwei Jahren an ihren Texten. Am Anfang dieses Prozesses steht der erste Geburtstag des Literaturblogs »Duftender Doppel- punkt«. Dieser fiel auf den 1. Mai 2006 und wir – Petra Öllinger und Georg Scho- ber – schrieben aus diesem Anlass einen zweistufigen Literaturpreis aus. Als The- ma der Ausschreibung wählten wir: die Arbeitswelt. Ein scheinbar »alter Hut« »Arbeiterliteratur signalisiert heutzutage Anachronismus. Ein Begriff aus einer scheinbar längst vergangenen Epoche, ei- ne niemals klar definierte Gattung, zumal sich Kunst und Arbeitswelt im deutsch- sprachigen Raum geradezu ausschließen. Die anglophone wie frankophone Litera- turgeschichte betrachtet die Literatur oh- ne Ausklammerungen, in mediterranen Ländern zählt Volkskunst ohnehin zum Kulturgut, und in Regionen, in denen die Oralliteratur überwiegt, zeugen noch heute die Interpretationen in Form von Songs, Videoclips und Filmen vom unge- brochenen Stellenwert einer hierzulande belächelten Kunstform«, schreibt Micha- el Tonfeld, erster Sprecher des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt, Deutschland, im Vorwort der Anthologie. Das Sujet der »Arbeitswelt« in der deutschsprachigen Literatur scheint zur Zeit nicht en vogue zu sein. Doch zeigen uns die Anzahl und die Qualität der Bei- träge, dass dieser wesentliche Bereich menschlichen Seins nach wie vor Schrift- stellerInnen intensiv beschäftigt. Bis Ende November 2006, dem Einsendeschluss der ersten Wettbewerbsstufe, trafen bei uns über 400 anonymisierte Beiträge von ins- gesamt 323 TeilnehmerInnen ein. Neben einer Fülle an Einsendungen aus Öster- reich und Deutschland und etwas zurück- haltender aus der Schweiz, erhielten wir auch Texte aus Polen, Spanien, Tschechien, Ungarn und der Ukraine. Anfang Jänner Rote Lilo trifft Wolfsmann Ein Projekt belebt die »Literatur der Arbeitswelt«, knüpft schriftstellerische Netzwerke und regt an, die Stimme für eine Gegenöffentlichkeit zu erheben. AutorIn: Petra Öllinger, Georg Schober Arbeitspsychologin Mitarbeiter der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek der AK Wien i n f o & n e W s Die Präsentation der Anthologie »Rote Lilo trifft Wolfsmann« und die Verleihung des Preises »Vom Duft des Doppelpunktes« finden am 16. Mai 2008 um 19.00 Uhr statt. Der Augustin-Chor »Stimmgewitter« be- reichert den Abend musikalisch, kleines Buffet. Ort: Städtische Bücherei Sandleiten, Ro- sa-Luxemburggasse 4, 1160 Wien. Freier Eintritt. Wegen des begrenzten Platzangebotes wird um Anmeldung ge- beten: E-Mail: info@petra-oellinger.at B u c h t i p p s Rote Lilo trifft Wolfsmann. Literatur der Arbeitswelt: Texte des Literaturpreises »Der Duft des Doppelpunktes« zum Thema Literatur der Arbeitswelt, herausge- geben von Petra Öllinger & Georg Schober. Edition Art and Science/Reihe »Der Duft des Doppelpunktes«, 154 Seiten, ISBN 978-3-902157-33-1. € 13,80. Ab dem 16. Mai 08 zu beziehen über: »Der Duft des Doppelpunktes« – Kultur- und Wissenschaftsinitiative, c/o Petra Öllinger, Garbergasse 18/2, 1060 Wien, Tel.: 01/597 75 54. E-Mail: info@petra-oellinger.at ÖGB-Verlag Fachbuchhandlung, Rathausstraße 21, 1010 Wien, Tel.: 01/405 49 98/132 Lhotzkys Literaturbuffet, Taborstraße 28, 1020 Wien, Tel.: 01/276 47 36

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