Full text: Wer profitiert von Nonprofit? (2)

Arbeit&Wirtschaft 2/2009Schwerpunkt
16
E
ines steht fest: Irgendwer profi­
tiert immer von Nonprofit. Wer 
genau und wie hängt vom jewei­
ligen Bereich der Gesamtwirt­
schaft ab. Diese kann man auch in fünf 
Sektoren, die sich gegenseitig stark be­
einflussen, aufteilen: For­Profit­Sektor, 
Haushalts­Sektor, Nonprofit­Sektor 
(Dritter Sektor), Öffentlicher­Sektor 
(Staat) und Illegaler­Krimineller­Sektor. 
Nonprofit und For-Profit
Ein wesentliches Element des Entstehens 
von Nonprofit­Organisationen und da­
mit des sogenannten Dritten Sektors im 
Fünf­Sektorenmodell war das Versagen 
im For­Profit­Sektor. Der unregulierte 
Arbeitsmarkt ermöglichte Bauern und 
Unternehmen die Ausbeutung von 
Frauen, Männern und Kindern. 
Also organisierten sich diese und for­
derten das Recht eine Gewerkschaft, eine 
NGO zu gründen und für Arbeitsrechte 
einzutreten. Das tun Gewerkschaften bis 
heute. Aber auch andere Organisationen 
des Dritten Sektors wie z. B. die »Frau­
ensolidarität«, setzen sich für globale 
 Arbeitsstandards für Frauen und deren 
Einhaltung ein. 
For­Profit­Sektor und Dritter Sektor 
konkurrieren aber auch um Marktanteile, 
so etwa bei der Ausschreibung von Arbeits­
marktkursen. UnternehmerInnen des For­
Profit­Sektors holen sich dabei die lukra­
tiven Marktanteile, indem sie nur jene er­
werbslosen Personen in ihre Kurse neh­
men, die wenig Schulung brauchen. Per­
sonen, mit denen länger gearbeitet werden 
muss, die umfangreichere Leistungen brau­
chen, wie z. B. Aufbau von Selbstvertrau­
en, verbleiben beim Nonprofit­Sektor. 
Aber auch die »Solidarische Ökono­
mie« ist nicht außer Acht zu lassen. Ein 
Phänomen, das aus Ländern des Südens 
kommt und in Österreich zuletzt in den 
Achtzigerjahren mit der Gründung von 
Betrieben in Selbstverwaltung aktuell 
war. Heute wird unter diesem Begriff das 
Wirtschaften z. B. von selbstverwalteten 
Betrieben und Projekten, von regionalen 
Tauschringen, FAIRTRADE, genossen­
schaftlicher Wohnungsbau zusammen­
gefasst. Ein Teil der Nachfrage verlagert 
sich vom For­Profit­Sektor zur solida­
rischen Wirtschaft. Dadurch entsteht 
Konkurrenz. 
Aber immer mehr sind NPOs auf den 
For­Profit­Sektor als Finanzier angewie­
sen und viele haben das mittels der Be­
strebungen für Absetzbarkeit von Spen­
den und der Steuerbegünstigung von 
Sponsoring und Stiftungen aktiv betrie­
ben. Gewinnorientierte Unternehmen 
profitieren, da sie mit ihren Spenden wer­
ben, ihre CSR damit ethisch anreichern, 
Steuerersparnisse erzielen und von etwai­
gen Ausbeutungspraktiken ablenken. 
NPOs profitieren, weil sie Geld erhalten. 
Allerdings ähneln sie auch immer mehr 
gewinnorientierten Unternehmen und es 
ist vielleicht eine Frage der Zeit bis sie zu 
solchen werden. Andere NPOs wie z. B. 
solche, die sich um von männlicher Ge­
walt betroffene Frauen und Mädchen 
kümmern, geraten in finanzielle Nöte, 
weil ihre Arbeit von Firmen nicht gerne 
vermarktet wird und sie daher auch keine 
Spenden von diesen erhalten.
Nonprofit und Staat
Die Beziehung zwischen NPOs und dem 
Staat kann in eine ökonomische und in 
eine politische eingeteilt werden. Die 
ökonomische Beziehung ist die der Ar­
beitsteilung. Sie besteht mit NPOs, die 
z. B. Dienstleistungen im Bereich Ge­
sundheit, Erziehung, Beratung etc. an­
bieten. Da sie mit ethisch­politischen 
Rationalitäten und damit einem anderen 
Dritte profitieren
Die Ökonomin Luise Gubitzer benennt in ihrem Modell fünf Sektoren der 
Gesamtwirtschaft: NPOs sind der dritte Sektor.
Autorin: a. o. Univ.-Prof. Mag. Dr. 
Luise Gubitzer
 
Wirtschaftsuniversität Wien, Institut  
für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie, 
Department Volkswirtschaft
W e B l i n K s
Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für 
Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie, 
Department Volkswirtschaft
www.wu-wien.ac.at/vw3/ 
B u c h t i p p
Luise Gubitzer (2008):
Vom Mitmachen zum Mitgestalten. 
Die Finanzkrise als Bildungs-  
und Demokratiekrise.
In: umwelt & bildung 4, Wien, S. 9–11. 
Bestellung:
ÖGB-Fachbuch handlung, 1010 Wien, 
Rathausstr. 21, Tel.: (01) 405 49 98-132
fachbuchhandlung@oegbverlag.at
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.