Volltext: Diversität: Unsere Welt ist bunt (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2010Schwerpunkt
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Autorinnen: Mag. Ruth Naderer, 
Mag. Christina Wieser
 
Beide Mitarbeiterinnen der Abteilung 
Betriebswirtschaft der AK Wien
I
n den Führungsetagen österrei-
chischer Unternehmen sitzen auch 
im Jahr 2010 fast ausschließlich 
Männer, das zeigt eine aktuelle AK-
Untersuchung der Top 200 österrei-
chischen Kapitalgesellschaften. Frauen 
sind wie in den Jahren zuvor eklatant un-
terrepräsentiert: Gerade einmal jede 
zwanzigste GeschäftsführerIn und jede 
zehnte AufsichtsrätIn ist weiblich. Nur 
in jedem elften Unternehmen ist zumin-
dest eine Frau in beiden Gremien vertre-
ten. Jedes dritte der größten 200 öster-
reichischen Unternehmen verzichtet 
überhaupt zur Gänze auf Frauen in Top-
Führungspositionen. Gerade aber bei der 
Zusammensetzung von Geschäftsfüh-
rung und Aufsichtsrat sollte grundsätzlich 
auf mehr Diversität geachtet werden: Spä-
testens bei der Krisenbewältigung kann 
ein Unternehmen nicht auf unterschied-
liche Sichtweisen, Fähigkeiten und Pro-
blemlösungskompetenzen verzichten, die 
mit Geschlecht, Internationalität und 
 Alter einhergehen.
Mehr Frauen dank Mitbestimmung 
Erfreulich ist, dass die Arbeitneh-
merInnenvertretung für mehr Diversität 
im Aufsichtsrat sorgt: Mehr als die Hälf-
te der Aufsichtsrätinnen sind vom Be-
triebsrat delegiert. Der Frauenanteil in 
der ArbeitnehmerInnenriege ist mit 18,7 
Prozent mehr als dreimal so hoch als die 
Frauenquote unter den Kapitalvertrete-
rInnen mit sechs Prozent. Dies ist vor 
allem vor dem Hintergrund bemerkens-
wert, dass Betriebsratskörperschaften nur 
ein Drittel der Aufsichtsratsmandate be-
setzen dürfen.
ATX: Dramatisch unterrepräsentiert 
Besonders ernüchternd ist die Lage bei 
den börsennotierten Unternehmen des 
ATX, wo die Frauenanteile erschreckend 
gering sind: In allem 20 ATX-Unterneh-
men sind nur vier Frauen an der Ge-
schäftsführung beteiligt, von den 16 Auf-
sichtsrätinnen in den ATX-Unternehmen 
zählen auch hier mehr als Hälfte zu den 
Belegschaftsvertreterinnen. In zehn ATX-
Unternehmen ist weder im Vorstand 
noch im Aufsichtsrat eine Frau vertreten: 
bwin Interactive Entertainment AG, 
Flughafen Wien AG, Intercell AG, Mayr-
Melnhof Karton AG, Palfinger AG, Raiff-
eisen International Bank-Holding AG, 
RHI AG, Schoeller Bleckmann oilfield 
equipment AG, Voestalpine AG und 
Zumtobel AG. 
Frauen in Spitzenpositionen bleiben 
auch im Jahr 2010 die Ausnahme – das 
beschreibt auch eine Studie der Wirt-
schaftsuniversität Wien, die den Karrie-
reverlauf von AbsolventInnen analysiert 
hat.1 Untersucht wurde der berufliche 
Werdegang von vollkommen iden-
tischen, virtuellen Zwillingspaaren, die 
sich einzig im biologischen Geschlecht 
unterscheiden. Das Ergebnis ist erstaun-
lich: Bis zum dritten Berufsjahr verlaufen 
die Karrieren von Frauen und Männern 
annähernd gleich, danach vergrößert sich 
die Diskrepanz Jahr für Jahr. Im gesam-
ten Untersuchungszeitraum von zehn 
Jahren verlieren Frauen gegenüber Män-
nern durchschnittlich 71.000 Euro an 
Gehalt. Nach zehn Jahren Berufserfah-
rung haben 15,1 Prozent der Absolventen 
Führungsverantwortung übernommen, 
jedoch nur 3,7 Prozent der Absolven-
tinnen. Das Fazit: Es gibt eine ganz kla-
re Diskriminierung. Frauen haben gerin-
gere Aufstiegschancen, weil sie Frauen 
sind. Es mangelt keineswegs an der Qua-
lifikation oder an der Bereitschaft – wie 
nicht selten argumentiert wird –, viel-
mehr sind es »klebrige Böden« und »glä-
serne Decken«, die verhindern, dass 
Frauen entsprechend in Spitzengremien 
repräsentiert sind. 
Der Handlungsbedarf ist hoch, will 
Österreich bei der Beteiligung von Frauen 
Reine M?nnerwirtschaft
Nur jede zwanzigste GeschäftsführerIn und jede zehnte AufsichtsrätIn in Österreich 
ist weiblich, wie eine aktuelle AK-Untersuchung ergibt.
i n f o & n e W s
Die Studie »Frauen in Geschäftsführung 
und Aufsichtsrat – eine Untersuchung in 
den Top-200-Unternehmen« der Arbeiter-
kammer ist unter www.arbeiterkammer.
at/bilder/d118/Frauen_in_Geschaefts-
fuehrung1.pdf abrufbar. 
Aktuelle Studien zu diesem Thema, un-
ter anderem auch die Studie „Berufliche 
Chancengleichheit von Männern und 
Frauen  finden Sie auf
 www. equal-pay-day.de
1  Strunk Guido, Anett Hermann: »Berufliche Chancengleichheit von 
Frauen und Männern. Eine empirische Untersuchung zum Gender 
Pay Gap« in Zeitschrift für Personalforschung, 23 (3), 2009
        

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