Full text: Diversität: Unsere Welt ist bunt (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2010 Schwerpunkt
9Ich habe den Menschen, mit denen 
ich gesprochen habe, immer 
 vermittelt, was für Glück sie haben 
mit einer Frau zu sprechen.  
Ich fühlte mich weder unterdrückt, 
noch hatte ich das Gefühl ein Problem 
zu haben. Ich denke einfach:  
Es ist wundervoll, eine Frau zu sein, 
Sie armer Mensch sind bloß ein Mann.
©
 e
c.
eu
ro
pa
.e
u
gern: Es wurden konkrete Maßnahmen 
ergriffen, wie z. B. Geldbußen für Arbeit-
geberInnen, die den Grundsatz gleicher 
Bezahlung nicht respektieren, oder Maß-
nahmen, um Mädchen zu »nicht-traditi-
onellen« Berufswegen zu ermutigen.
Ich beglückwünsche ihre Regierung 
auch zur Verabschiedung des Nationalen 
Aktionsplans für Gleichstellung, der auf-
ruft, in den nächsten fünf Jahren konkrete 
Maßnahmen zur Förderung der Gleich-
stellung auf dem Arbeitsmarkt in fünf ver-
schiedenen Aktionsfeldern zu ergreifen, 
darunter die Verringerung des geschlechts-
spezifischen Lohngefälles. Ich hoffe, dass 
diese Bemühungen bald Früchte tragen.
Viele Frauen entscheiden sich bewusst 
für Teilzeit, um mehr Zeit mit ihren 
Kindern zu verbringen …
Teilzeit ist eine Lebensentscheidung. 
Wenn eine Frau aufgrund des Kindes, 
nicht mehr Vollzeit arbeiten möchte, 
muss sie sich bewusst sein, dass sie das 
kaum mehr aufholen kann. Deswegen 
setzen wir uns für Maßnahmen ein, die 
beide Elternteile betreffen. Es ist höchste 
Zeit, dass die Väter aufwachen und er-
kennen, dass auch sie für die Kinder ver-
antwortlich sind. Da treffen verschiedene 
Fakten zusammen und die Folge ist, dass 
auf ein Arbeitsleben gerechnet Frauen 
einfach benachteiligt sind.
Was letztendlich auch bei der Pension 
zu spüren ist. Sie haben drei Söhne groß-
gezogen und immer Vollzeit gearbeitet?
Zeit-Management ist alles. Ich habe mei-
ne Söhne geboren, als ich schon Parla-
mentarierin war. Es war nicht immer ein-
fach. Ich wollte eine gute Mutter sein und 
trotzdem nichts vernachlässigen. Meine 
Söhne habe ich gestillt, alle drei. Man 
braucht Disziplin, aber es geht. 
Und ich habe meinen Söhnen von 
klein auf beigebracht, selbstständig zu sein. 
Irgendwann kam einfach der Moment, an 
dem ich nicht mehr ihre Hemden gebü-
gelt, sondern ihnen gezeigt habe, wo das 
Bügeleisen steht. Heute können sie alles 
im Alltag: Sie wissen wie man kocht, putzt, 
bügelt, aber auch wie man Spaß hat, Wein 
serviert und Frauen Komplimente macht.
Die Lohnunterschiede hängen aber 
nicht nur mit der Mutterschaft zusam-
men. Das Problem beginnt schon  früher.
Mädchen sind heute sehr gut in der Schu-
le, viel besser als Jungs und doch studieren 
sie Fächer mit geringen Karrierechancen 
und sind schlecht bezahlt. Wir müssen 
jungen Mädchen vermitteln, dass es noch 
andere Wege gibt, als Krankenschwester 
oder Lehrerin zu werden. Nach wie vor 
entscheiden sich nur wenige junge Frauen 
für die Finanzbranche oder Technikstu-
dien – dort könnten sie Karriere machen. 
Wurden Sie selbst je diskriminiert?
Nein, niemals. Wohl weil ich immer sehr 
stolz darauf war, eine Frau zu sein. Ich 
habe eigentlich davon immer nur profi-
tiert. Ich war die erste politische Journa-
listin in Luxemburg, ich war Politikerin, 
ich habe drei Söhne großgezogen. Aber 
ich würde meine Geschichte nicht mit 
durchschnittlichen Lebens- und Karrie-
reverläufen von Frauen vergleichen. Ich 
weiß von sehr vielen Frauen, dass sie Pro-
bleme haben.
Eines können Frauen von mir lernen: 
Ich habe den Menschen, mit denen ich 
gesprochen habe, immer vermittelt, was 
für Glück sie haben mit einer Frau zu 
sprechen. Ich fühlte mich weder unter-
drückt, noch hatte ich das Gefühl ein 
Problem zu haben. Ich denke einfach: Es 
ist wundervoll, eine Frau zu sein, Sie ar-
mer Mensch sind bloß ein Mann.
Welche Vorteile sehen Sie in der Diver-
sität der Geschlechter?
Frauen haben immense Fähigkeiten und 
mittlerweile wurde das analysiert. Firmen 
mit gut ausgewogener Verteilung von 
Männern und Frauen sind wirtschaftlich 
erfolgreicher als Firmen mit männlichem 
Überhang. Man braucht das Feingefühl 
von Frauen, das Verständnis für Men-
schen, für soziale Aspekte des Marktes – 
das zu nutzen ist im Sinn jeder Firma. 
Frauen ticken anders. Als ich als Jour-
nalistin begonnen habe, haben Frauen 
über Essen und Familie geschrieben. Ich 
wollte unbedingt politische Journalistin 
werden. Was war der Unterschied zwi-
schen meinen Artikeln und denen meiner 
männlichen Kollegen? Ich habe immer die 
Menschen angesprochen, hochpolitisch 
– aber direkt. Frauen verstehen es, Dinge 
konkret zu machen. Ganz egal in welchem 
Bereich, diese spezielle Gabe der Frauen 
kann überall von Nutzen sein. 
Stellt uns nicht in die Ecke. Wir Frauen 
haben viele verschiedene Talente und kön-
nen der Gesellschaft so viel geben. Das ist 
auch eine Frage des Bruttoinlandspro-
dukts (BIP). Wenn wir das Problem der
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.