Full text: Der Wert der Arbeit (11)

Arbeit&Wirtschaft 11/2010Meinung
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Weil ich es mir wert bin
N
ur wer seine Werte lebt, führt ein 
wertvolles Leben, hat mich eine 
sehr kluge Frau gelehrt. Wird das 
eigene Wertesystem aber konstant 
verletzt, schmerzt das auch unsere Seele 
und führt zu Frustration, am Arbeits - 
platz kann das sogar mit zum Burn-out 
führen.
Klingt gut, aber was sind Werte über-
haupt? Da gibt es einerseits – meßbar und 
für uns alle entscheidend – die materiel-
len äußeren Werte, also Geld und Besitz, 
was wir zum Leben brauchen, anderer-
seits die immateriellen, inneren Werte. 
Also all das, was uns wichtig ist im Leben, 
was wir aufgrund verschiedenster Erleb-
nisse in unserer Gefühlswelt verankert 
haben, aber auch sittliche und religiöse 
Werte. 
Übernommene Werte
Diese Werte formen unsere Gesellschaft, 
und viele davon übernehmen wir von un-
seren Eltern, Großeltern und Ahnen. Aber 
wir passen sie auch unserer individuellen 
Lebens- und Erfahrungswelt an und so 
kommt es zu einem steten Wertewandel. 
Lange Zeit war die Religion prägend 
für unser Wertesystem – nicht nur – in 
Österreich, aber mittlerweile verliert sie 
an Bedeutung. Das ist ein Ergebnis der 
Europäischen Wertestudie, die 1981 erst-
mals erhoben und 1990, 1999 und 2008 
wiederholt wurde. Nur noch 45 Prozent 
der unter 30-Jährigen bezeichnen sich als 
religiös. Stark mit der Religion verbun-
dene Werte wie Glaubenstreue oder Ent-
haltsamkeit treten mehr und mehr in den 
Hintergrund.
Und auch die Politik empfinden wir 
hierzulande als nicht wirklich wertvoll – 
ganz im Gegenteil: 80 Prozent der Be-
fragten haben kein Vertrauen zur Regie-
rung, ein Fünftel der BürgerInnen 
wünscht sich einen starken Führer. Also 
jemanden, der für sie Werte wie Ordnung 
und Disziplin durchsetzt.
Aber auch der Lebensbereich Arbeit 
ist den ÖsterreicherInnen nicht mehr so 
wichtig wie vor 30 Jahren – während ihn 
damals noch 61 Prozent als sehr wichtig 
betrachtet haben, waren es 2008 nur noch 
54 Prozent. Zugenommen hat die Wer-
tigkeit von FreundInnen und Bekannten 
sowie von Freizeit. 
Trotzdem gilt auch hierzulande im-
mer noch der Beruf als Merkmal eines 
anerkennungswerten Lebens. Wir defi-
nieren uns oft über unsere Leistung. 
 Unser Beruf zeichnet uns als mehr oder 
weniger gesellschaftlich wertvoll aus. Als 
Journalistin mache ich mir da wenig 
 Illusionen, für viele MitbürgerInnen ran-
giert unsere Branche in den unteren 
 Rängen einer Berufswerteskala. Nicht 
 zuletzt, weil von vielen Medien Werte wie 
Schamhaftigkeit, Ehrlichkeit, Diskretion 
etc. stetig verletzt werden.
Zu meinen persönlichen wichtigsten 
Werten gehören neben Liebe und Freund-
schaft auch Achtung, Engagement, Ge-
rechtigkeit, Neugier, Verantwortung und 
nicht zuletzt Wissen. Meine Arbeit gibt 
mir die Möglichkeit, all diese Werte fast 
täglich um- und einzusetzen. Ich emp-
finde sie daher als wertvoll und freue mich 
über Anerkennung auch in Form mate-
rieller Werte, also Geld. 
Frieden, Solidarität und Toleranz
Und doch ist mir bewusst, dass es so viele 
weit wertvollere Tätigkeiten gibt – wie 
z. B. in der Pflege, in der Bildung, aber 
auch ganz simpel in der Reinigung – die 
sozial und materiell oft weit weniger wert 
geschätzt werden. In unserer »Geiz ist 
geil«-Gesellschaft scheinen Werte wie 
Reichtum und Status mehr zu zählen als 
Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft. 
Dabei sollte uns gerade das mehr wert 
sein, denn je seltener etwas ist,  desto wert-
voller gilt es. 
Es ist an uns, die großen Werte wie 
Frieden, Solidarität und Toleranz umzu-
setzen – tagtäglich. Sie werden sehen, so 
wird ihr Leben Tag für Tag ein wenig wert-
voller – und das sollte es Ihnen wert sein.
Katharina Klee
Chefredakteurin
Standpunkt
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