Full text: Der Wert der Arbeit (11)

Arbeit&Wirtschaft 11/2010Gesellschaftspolitik
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72 Stunden ohne Kompromiss
An Österreichs größter Jugendsozialaktion, organisiert von der Katholischen 
Jugend (KJ) mit youngCaritas und Ö3, beteiligten sich über 5.000 Jugendliche. 
U
nter dem Motto »72 Stunden oh-
ne Kompromiss« haben sich ver-
gangenen Oktober Teilneh-
merInnen in 400 Projekten enga-
giert. Übrigens zum fünften Mal. Junge 
Menschen betreuen dabei karitative Pro-
jekte in ganz Österreich. Welchem Pro-
jekt sie zugeteilt werden, erfahren sie erst 
kurz vor Beginn der Aktion. 
Die Kriterien und Aufgaben
Die Ausrichtungen der Projekte sind »so-
zial«, »entwicklungspolitisch« und »öko-
logisch«. Darüber hinaus können auch 
Projekte realisiert werden, die einer be-
stimmten Schwerpunktsetzung oder der 
Weiterentwicklung des Projekts an sich 
dienen, so etwa im Bereich Gedenkarbeit, 
sofern sie den anderen Projektkriterien 
entsprechen. »Solidarisches Handeln« ist 
angesagt, d. h. ein Projekt muss Men-
schengruppen zugute kommen, die am 
Rand stehen bzw. benachteiligt sind. Pro-
jekte werden »mit« Betroffenen gemein-
sam, nicht nur »für« sie durchgeführt. Die 
TeilnehmerInnen müssen gefordert, aber 
nicht überfordert werden und dürfen ide-
ologisch nicht vereinnahmt werden. Eine 
Aufgabe muss den »Rahmen des Üb-
lichen« sprengen, d. h. sie soll etwas sein, 
das Jugendliche nicht jeden Tag erleben. 
In Betreuungssituationen von Menschen 
mit besonderen Bedürfnissen, alten Men-
schen, Kindern bzw. allgemein von den 
Adressaten der Hilfeleistung darf nicht 
eingegriffen werden bzw. nur unter ver-
antwortlicher Begleitung. Mindestens 
ein/e EinsatzleiterIn der Einrichtung muss 
vor Ort bzw. immer erreichbar sein. Spen-
denprojekte sind nicht Fokus des Projekts 
und sollten eine untergeordnete Rolle ein-
nehmen. Leitschnur ist »Learning by do-
ing«. Das Ziel der Aufgabe muss transpa-
rent sein. Weiters müssen die Aufgaben in 
sich abgeschlossen sein, d. h. Start und 
Ende sind vordefiniert. Aus der Aufgabe 
darf für die Jugendlichen somit keine Fol-
geverpflichtung entstehen, die über die 
72-stündige Projektdauer hinausgeht. Ei-
ne Aufgabe muss sich finanziell selber tra-
gen, pädagogisch sinnvoll sein, d. h. die 
Jugendlichen sind nicht einfach nur »bil-
lige« Arbeitskräfte, die tun, was sonst nicht 
finanzierbar ist, und soll ein »Schnuppern« 
in soziale/gesellschaftspolitische/ökolo-
gische Felder ermöglichen. 
Der Schwerpunkt 2010 
Immer mehr Menschen – darunter viele 
Jugendliche – sind von Arbeitslosigkeit und 
Armut betroffen. Die EU hat deshalb 2010 
zum »Europäischen Jahr zur Bekämpfung 
von Armut und sozialer Ausgrenzung« 
 erklärt. Auch »72 Stunden ohne Kompro-
miss« wollte durch die diesjährige Schwer-
punktsetzung auf dieses Thema aufmerk-
sam machen, die Menschen dafür 
sensibilisieren und durch konkrete Akti-
onen zeigen, dass etwas getan werden kann. 
Die Aktion richtete sich im Zuge des 
Schwerpunkts besonders an arbeitslose und 
sozial schwächer gestellte Jugendliche. Sie 
wurden dazu ermutigt, an der Aktion teil-
zunehmen, damit auf ihre Situation auf-
merksam zu machen, und diese zusammen 
mit anderen zu verbessern. Die Teilnahme 
sollte den Jugendlichen neue Erfahrungs-
räume eröffnen, ihr Selbstvertrauen stärken 
und vermitteln, dass es Nutzen bringt, sich 
aktiv für sein Umfeld einzusetzen.
Projektbeispiele
Gerne wird den Jugendlichen Desinte-
resse an sozialen Fragen und mangelndes 
Engagement nachgesagt. Was die Jugend-
lichen so alles auf die Beine gestellt ha-
ben, zeigt ein kleiner, unvollständiger 
Auszug aus den 400 Projekten. 
Das Lokal Inigo bietet Langzeitar-
beitslosen Arbeitsplätze und wird von der 
Caritas Wien betrieben. Zur Verschöne-
rung des Mitarbeiterbereiches, war ein 
Team von engagierten SchülerInnen des 
Rainergymnasiums fleißig am Verputzen 
und Ausmalen.
Musizieren für einen guten Zweck. 
72 Stunden lang unterstützten Jugendli-
che in Salzburg die Organisation Cope, 
die in Indien Kindern aus armen Fami-
lien und Waisenkindern Zugang zu Bil-
dung und eine gute Ernährung ermög-
licht. Unter anderem musizierten die Ju-
gendlichen in Salzburgs Altstadt. 
Barrierefreies Gärtnern. Eine Grup-
pe steirischer Mädchen arbeitete 72 Stun-
den lang im steirischen Zentrum für Men-
schen mit Behinderung »Mosaik«. Ge-
meinsam mit den Behinderten des Hauses 
gestalteten sie Hochbeete für die heilpä-
dagogische Gartenarbeit.
Coffee2Help. Dieser Kaffee schmeck-
te den Passanten nicht nur lecker, der 
Spendenerlös kam auch der Wiener Ju-
gendnotschafstelle »a-way« zugute. 
Dr. Wilfried Leisch
 
Freier Journalist und Publizist in Wien
        

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