Full text: Recht haben, Recht bekommen (3)

Arbeit&Wirtschaft 3/2012 45Gesellschaftspolitik
Mündige/r StaatsbürgerIn – wie?
Autor: Luca Pani
Schumpeter BHAK & BHAS
Ein/e mündige/r StaatsbürgerIn sein, was 
heißt das für mich? Nun ja, auf den ers-
ten Blick eine nicht allzu komplexe, je-
doch sehr weitläufige Frage und vor allem 
ein Thema vieler Diskussionen im heu-
tigen Wirtschafts- und Sozialbereich. 
Neue BürgerInnen sind gefragt, Bürge-
rInnen, die bereit sind, ihr Weltbild selbst 
zu gestalten und es nicht aus dem Fern-
sehen zu lernen, oder es eins zu eins von 
jemand anderem zu übernehmen. Doch 
dies ist kein leichtes Unterfangen. Denn 
wie kann ich mir meine eigene Meinung 
bilden, wenn ich ständig und von allen 
Seiten mit Informationen regelrecht 
überschüttet werde? Täglich bekommt 
man politische sowie gesellschaftliche 
Ansichten und Veränderungen vorgesetzt 
und ebenso viele verschiedene Meinun-
gen, die sich über diese Themen ausspre-
chen. Wie soll man da den Überblick 
behalten?
Zuallererst ist es meiner Meinung 
nach wichtig, Kind zu sein. Denn eines 
der Attribute, denen ich am meisten 
 Bedeutung zumesse und die ein/e 
mündige/r StaatbürgerIn aufweisen 
sollte, ist Neugier. Mit Neugier kann 
man Berge versetzen, denn schon mit 
dem kleinen Wörtchen „warum“ wird es 
entschieden einfacher, sich seine eigene 
Meinung zu bilden, und man hat schon 
einen großen Schritt nach vorn getan. 
Allerdings genügt es keinesfalls, einer 
Debatte zum Thema Politik in Öster-
reich vor dem Fernseher beizuwohnen 
und danach den gesamten Inhalt der 
Diskussion zu übernehmen. Denn was 
wirklich wichtig ist, und somit kommen 
wir zur zweiten Eigenschaft, die man 
an den Tag legen sollte, ist Mut, Infor-
mationen zu hinterfragen.
Hinterfragung hat Wert
Die Hinterfragung eines soeben gesehe-
nen bzw. gelernten Inhaltes hat einen 
großen Wert. Sie hilft dabei, das soeben 
Gelernte zu sortieren und dabei Unwich-
tiges auszusondern. Problematisch wird 
es nur, wenn dieser Mut auf Ablehnung 
stößt, denn nicht alle Menschen können 
mit FreidenkerInnen umgehen. Trotz-
dem sollte man während dieses Prozesses 
nicht die/der Einzige sein, die/der einer 
kritischen Betrachtung ausgesetzt ist – 
auch man selbst sollte diese an den Tag 
legen, denn nur so kann man zwischen 
wichtig und unwichtig unterscheiden, 
was ein großer Punkt ist. Denn während 
diesen Aktionen fängt man an, sich ernst-
haft mit einem Thema auseinanderzuset-
zen und nachzudenken.
Doch eines der Dinge, denen ich 
persönlich am meisten Bedeutung zu-
messe, ist der eigene Standpunkt, den 
man in dieser Welt einnehmen sollte. 
Was hat es für einen Sinn, eine eigene 
Meinung zu haben, ohne sie vertreten 
zu können? Ohne das Wissen, was ge-
nau man mit ihr bezwecken und wie 
man es anpacken will, ist sie relativ 
nutzlos. Wenn man nun mit einer eige-
nen Meinung vor dem Fernseher sitzt 
und sich eine Debatte zum Thema Poli-
tik in Österreich ansieht, ändert das 
nicht wirklich etwas. Man muss seine 
Ansichten anderen Leuten verständlich 
und nachvollziehbar näherbringen, wie 
auch immer man dies tun möchte. Sei es 
bei einem Essen mit Arbeitskolleginnen 
und -kollegen oder in einem Debattier-
club, denn erst das bringt Leute zum 
Nachdenken und gibt auch ihnen An-
lass, sich ihre eigenständige Meinung zu 
bilden.
Man sieht, um ein/e mündige/r Bür-
gerIn zu werden, genügt es, eben das 
werden zu wollen. Es gibt genug Mittel 
und Wege, um dieses Ziel zu erreichen. 
Ergo ist Eigeninitiative das Schlagwort 
überhaupt, wenn es um dieses Thema 
geht. Wer sie an den Tag legt, hat im 
Nullkommanix sein Ziel erreicht. Mit 
Eigeninitiative kann man den Alltag im 
Handumdrehen meistern und ist jedem 
Problem gewachsen. Sie ist auch das, 
was UnternehmerInnen auszeichnet, 
denn ohne sie wären diese wohl nie dazu 
fähig gewesen, ein eigenständiges Unter-
nehmen zu gründen und es zu leiten.
Sich einmischen, über ein Thema re-
den, einen Standpunkt vertreten und 
vor allem nachdenken, das ist es, was 
meiner Meinung nach zählt und was die 
Welt verändern und verbessern kann. 
Man muss es nur wollen.
Internet:
Website zum VWL-Perspektiven-Seminar und 
zum Debattierclubzyklus:
www.ifte.at
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an den Veranstalter Johannes Lindner
entrepreneurship@gmx.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
©
 Jo
ha
nn
es
 L
in
dn
er
Zum Thema „Ökonomische Bildung zwischen 
Status quo und Zukunftsorientierung“ fand  
das 9. VWL-Perspektiven-Seminar – in lang-
jähriger Kooperation mit dem Arbeitswelt und 
Schule-Projekt der AK Wien und des ÖGB, der 
OeNB, ifte.at und der KPH Wien/Krems – statt.
        

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