Full text: Wir haben keinen Plan(et) B (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2012 21Schwerpunkt
AutofahrerInnen alle drei Jahre ein neu-
es Auto erwerben. Auf diese Weise wur-
den die KonsumentInnen nicht zum 
Wegwerfen gezwungen, sondern zum 
Kaufen verführt. Die Methode funktio-
niert bis heute: Autos, Kleidung, Schu-
he, Möbel etc. werden meist nicht er-
worben, weil wir sie brauchen, vielmehr 
weil wir sie haben wollen.
Ein Leben mit Schellacks
Anders verhält sich die Sache oft bei 
elektr(on)ischen Geräten: Immer rascher 
aufeinanderfolgende Innovationen zwin-
gen nicht nur zum Umlernen, sondern 
eben auch zum Neukauf. „Wer im letz-
ten Viertel des 19. Jahrhunderts gebo - 
ren wurde, kam ein Leben lang mit 
den Schellackplatten aus“, so Prof. Dr. 
 Günter Ropohl, emeritierter Professor 
für Allgemeine Technologie an der 
 Johann Wolfgang Goethe-Universität in 
Frankfurt/Main. 
„Wer 50 Jahre später auf die Welt 
gekommen ist, musste vier Innovati-
onen über sich ergehen lassen – mit all 
den Umstellungen, die damit verbun-
den waren: neue Geräte, neue Bedie-
nungsformen, neue Tonträger.“1 1997 
betrug die durchschnittliche Lebens-
dauer eines Computers sieben Jahre, 
heute sind es zwei! Wer seinen Compu-
ter mehrere Jahre lang behalten will, 
scheitert zum Teil daran, dass ältere 
Modelle mit moderner Software nicht 
mehr zurechtkommen. Bekannte Bei-
spiele für geplante Obsoleszenz sind 
iPods: Deren Akku ist im Regelfall nach 
18 Monaten defekt und kann durch die 
AnwenderInnen nicht ausgetauscht 
werden. Erst durch eine Sammelklage 
ließ sich Apple zu einem Austauschser-
vice für diese Akkus inspirieren.
Zu den besonders kurzlebigen elek-
tronischen Produkten zählen wohl 
Handys. Der – nicht zuletzt von Apple 
und dessen iPhones ausgehende – Kon-
kurrenzdruck zwingt die Big Player der 
Branche, jährlich neue Modelle mit 
noch mehr Funktionen, noch besserer 
Display-Auflösung und noch mehr 
Speicherplatz zu entwickeln. 
Bis 50 Mio. Tonnen E-Schrott
Weltweit fallen jährlich 20 bis 50 Mio. 
Tonnen E-Schrott an. Allein in China 
wandern vier Mio. Computer pro Jahr 
auf den Müll. 2006 hat die EU mit der 
Direktive RoHS (Restriction of Hazar-
dous Substances) versucht, den Einsatz 
von gefährlichen Substanzen wie Blei, 
Cadmium und Brom und damit auch 
deren Anteil im E-Schrott zu reduzieren. 
Parallel dazu soll Recycling forciert wer-
den. So ist schon seit Anfang 2003 die 
WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and 
Electronical Equipment Directive) in 
Kraft, mit der u. a. die Verantwortung 
der Hersteller erweitert wurde. Laut EU 
sollen jährlich mindestens vier Kilo-
gramm E-Schrott pro EinwohnerIn ge-
sammelt werden (Österreich derzeit: 
neun Kilogramm), was deutlich weniger 
ist als tatsächlich in manchen Ländern 
anfällt. Ab 2019 sollen entsprechend den 
Plänen des EU-Parlaments 65 Prozent 
der im jeweiligen Mitgliedsland auf den 
Markt gebrachten bzw. 85 Prozent der 
dort produzierten E-Waren gesammelt 
werden. Österreich liegt zurzeit bei 
47 Prozent Sammelquote, wobei 2010 
die Menge des gesammelten E-Schrotts 
um 2,5 Prozent zurückgegangen ist, 
 obwohl die Masse der in Österreich in 
Verkehr gesetzten Elektro- und Elektro-
nikgeräte um drei Prozent zugenommen 
hat  (Tätigkeitsbericht Elektroaltgeräte 
Koordinierungsstelle Austria, EAK).
Die soziale Kluft wächst
50 bis 80 Prozent eines elektr(on)ischen 
Gerätes können wiederverwertet wer-
den, der Prozess ist allerdings oft relativ 
aufwendig. Derzeit landet daher noch 
immer ein Teil des Elektronikschrotts 
illegal und beispielsweise als Gebraucht-
waren deklariert in Ländern wie Ghana, 
wo Altcomputer & Co. dann die Um-
welt verseuchen und die Gesundheit der 
Bevölkerung gefährden. Die immer kür-
zer werdenden Produktlebenszyklen 
können außerdem quer durch alle Nati-
onen die soziale Kluft vergrößern. Denn 
wie sollen ärmere Menschen und Länder 
hier mithalten?
Internet:
Mehr Infos unter: 
www.centennialbulb.org
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an die Autorin
afadler@aon.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Zu den besonders kurzlebigen elektronischen 
Produkten zählen wohl Handys. Der – nicht zu-
letzt von Apple und dessen iPhones ausgehende 
– Konkurrenzdruck zwingt die Big Player der 
Branche, jährlich neue Modelle mit noch mehr 
Funktionen, noch besserer Display-Auflösung 
und noch mehr Speicherplatz zu entwickeln.
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1  Günter Ropohl: Verbraucher im technischen Fortschritt: Hilflose 
Artisten im Innovationszirkus; AK-Working Papers (Verbraucher-
politik, Verbraucherforschung), Jänner 2012
        

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