Full text: Wir haben keinen Plan(et) B (4)

4 Arbeit&Wirtschaft 10/2011Historie
Das geht vorbei …
T
reffen sich zwei Planeten im All. Sagt 
der eine zum anderen: „Du siehst 
aber schlecht aus!“ Der andere: „Ja, 
mir geht’s auch nicht gut, ich habe 
Homo Sapiens.“ Sagt der erste: „Mach dir 
nichts draus, das hatte ich auch mal, das 
geht vorbei!“
Die „Krankheit“ Homo Sapiens
Der Witz ist alt – aber nachhaltig. Denn 
die „Krankheit“ Homo Sapiens breitet 
sich rapide aus. Während für die Erde auch 
ein Bestehen ohne uns möglich wäre, ha-
ben wir keine Chance ohne die Ressour-
cen unseres Heimatplaneten. Und die wer-
den immer knapper. Auch deshalb heißt 
das Zauberwort der letzten Jahre Nach-
haltigkeit. Der Begriff stammt aus der 
Forstwirtschaft. Anfangs ging es darum, 
nicht mehr Holz zu fällen, als jeweils nach-
wachsen kann. Ein Prinzip, auf das schon 
die Altvorderen – Griechen, Römer – ger-
ne vergaßen. Um Schiffe zu bauen, haben 
sie ganze Landstriche entwaldet. Die Fol-
gen sind an den Mittelmeerküsten auch 
heute nicht zu übersehen.
Der Begriff Nachhaltigkeit wird ge-
genwärtig inflationär gebraucht – alles ist 
nachhaltig: die Hautcreme, der Kräuter-
tee, das Auto, das T-Shirt, die Energie 
und natürlich die Politik. 1972 wurde 
der Begriff im Bericht „Die Grenzen des 
Wachstums“ des Club of Rome erstmals 
in der Bedeutung „Zustand des globa- 
len Gleichgewichts“ verwendet. Damals 
warnte man eindringlich vor den Ge-
fahren des Wirtschafts- und Bevölke-
rungswachstums, der Nahrungsmittel- 
und Energiekrise, der Erschöpfung na-
türlicher Ressourcen und der Um-
weltverschmutzung. Die „Grenzen des 
Wachstums“ haben wir in den letzten 40 
Jahren mehr als gedehnt: Fossile Energie-
reserven gehen zur Neige, die Erde er-
wärmt sich, Regenwälder werden abge-
holzt, die Meere sind überfischt, Plastik 
hat sich als erschreckend nachhaltig er-
wiesen und die Atomenergie hat uns seit-
her mehr als eine nachhaltige Katastro-
phe beschert. Nachhaltig einzementiert 
scheinen auch die Unterschiede zwischen 
dem reichen Norden und dem armen Sü-
den der Welt. Nach wie vor gibt es Hun-
ger. Genmanipulierte Pflanzen machen 
riesige Konzerne reich, mit Nachhaltig-
keit haben sie aber gar nichts zu tun! 
Manchmal scheint es, als würden wir 
im Krieg mit künftigen Generationen 
liegen, betrachtet man den Zustand, in 
dem wir ihnen diese Erde hinterlassen. 
„Und ich begehre nicht schuld daran zu 
sein!“, hat Matthias Claudius 1779 ge-
schrieben. Ich will mich nicht an der 
Zerstörung unseres Planeten beteiligen, 
doch so einfach ist es nicht, nachhaltig zu 
leben, selbst, wenn ich in der privilegier-
ten Lage bin, es mir leisten zu können. 
Ja, ich trenne Müll und versuche Plastik 
zu vermeiden, ich nehme oft eine Tasche 
zum Einkaufen. Auto habe ich keins 
mehr. Auch die George-Clooney-Kaffee-
maschine ist aus meiner Küche ausgezo-
gen und wurde durch eine Espressokan-
ne mit fairem Kaffee ersetzt. Gerne erste-
he ich Kleidung, deren ProduzentInnen 
es gut geht, die fair behandelt werden. 
Natürlich kaufe ich auch biologische Le-
bensmittel, komme aber ins Nachden-
ken, wenn diese um den halben Globus 
geflogen werden. Ich schalte die meisten 
meiner Elektrogeräte in der Standby-
Funktion ab, nur eben nicht alle. 
Nachhaltiger Fußabdruck
Aber ich arbeite mit Handy und Compu-
tern, die nicht nur viel Strom verbrauchen, 
sondern auch unter alles andere als nach-
haltigen Gesichtspunkten erzeugt werden. 
Ich verbrauche viel Papier. Mein ökologi-
scher Fußabdruck beträgt 6,33 Hektar, 
habe ich auf www.fussabdruck.at gemessen, 
und liegt somit über dem österreichischen 
Durchschnitt von 4,9 Hektar. Ich hinter-
lasse also nachhaltige Schäden auf die - 
sem Planeten. Ich bin Teil der Krankheit 
Homo Sapiens. Doch ich gelobe Besse-
rung: „Wir haben keinen Plan(et) B!“
Katharina Klee
Chefredakteurin
Standpunkt
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